dem Schutz der Forts und den Truppen nachgetrieben hatte. "Wir wollen ihn forttragen; fasst an, Bursche. Wie steht die Schlacht, kapitän?"
"nennen Sie's ein Schlachten, ein Gemetzel. Hell and damnation! Selbst in Indien hab' ich ein solches Blutbad nicht gesehen, und dazu Finsterniss und Regen statt des versprochenen Mondscheins. Wir müssen eilen, uns zurückzuziehen, Doctor, die Russen gewinnen jetzt das Feld."
Schon war es zu spät. Das Hurrah und Kuli der Kosacken brauste heran wie ein Bergstrom und trennte sie von den Ihren und drängte sie fort – wen kümmerte jetzt der verwundete Pascha unter den Hufen der Pferde und den Füssen der Menschen, wo Jeder genug an sich selbst zu deuten hatte. kapitän Morton, wieder zu Pferde, an dessen Mähne sich der Arzt hielt, focht für das Leben wie jeder der Reiter, hin und her drängte der Stoss der massen.
"Herauf, Doctor, hinter mir auf die Kruppe, oder Sie werden erdrückt!"
Welland schwang sich mit Turnergeschicklichkeit empor – in dem Augenblick warfen Blitze und Raketen ein neues Licht und er sah die zum Stoss gehobene Lanze eines Kosacken und dicht neben sich einen feindlichen Offizier.
"Heiliger Gott! Doctor Welland – Sie hier?"
Der Säbel des russischen Offiziers schlug die Lanze des Steppenreiters in die Höhe.
"kapitän Meiendorf!"
"Fort, fort mit Ihnen – Gott schütze Sie – da hinaus!"
Der englische kapitän, mit zwei Gegnern beschäftigt, hatte sich kaum umgesehen, doch die französisch gesprochenen Worte gehört, und benutzte den Rat, das Pferd zur Seite werfend – der Chock herbei eilender türkischer Infanterie machte Luft, nach einigen Augenblicken hatte sich die türkische Kavallerie herausgehauen, und während sie selbst nun gegen den Feind ansetzte, von Beiram-Pascha geführt, flüchteten die Doppelreiter in den Schutz der Forts und gewannen den Eingang, indess die Kartätschen über ihre Köpfe hinweg in die anstürmenden Colonnen der Russen hagelten. Der Rückzug war blutig, fürchterlich, so blutig und verderblich wie der Ueberfall selbst, und nur die Nacht und das wohl gezielte Feuer des kapitän Grach wahrte die tapfern Truppen vor der Rache der Gegner.
Kaum wussten die Führer auf den Bastionen am Babadagh-Tor, dass im selben Augenblick eine zweite Schlacht auf der Südseite der Stadt geschlagen wurde. Unter dem Toben des Kampfes vermochte Keiner den entfernteren Kanonendonner zu unterscheiden.
Dennoch wütete dort der Kampf fast eben so blutig. Wir haben bereits gesehen, dass der auf der linken Flanke kommandirende General-Lieutenant Selwan – der Commandeur der 8. Infanterie-Division – ohne die Befehle des Ober-Kommandirenden zu erwarten, beschlossen hatte, den Ausfall zu benutzen, um das gegenüber liegende und die Südseite deckende Fort Arab-Tabia zu stürmen, indem er der Ansicht war, dass die Türken in diesem Augenblick dort nur eine schwache Besatzung zurückgelassen haben würden.
Wir müssen auch diesem Kampfe folgen, da in seinem Schein von Feuer und Blut zwei Begegnungen stattfanden, die für die Personen unserer geschichte bedeutungsvoll sind.
Im Dunkel der den Mond verbergenden aufsteigenden Gewitterwolken reihten sich die Bataillone an dem äussern Rand der Laufgräben mit möglichster Stille: drei Compagnieen des dritten Bataillons des poltowskischen Infanterie-Regiments, das dritte Bataillon des alexandropolschen und das erste Bataillon des samoszkischen Jäger-Regiments, begleitet von einer Sappeur-Compagnie und der Mannschaft einer Feldbatterie.
Es war wenige Minuten vor 11 Uhr, als noch eine Anzahl in der Nähe bivouacquirender oder zufällig benachrichtigter Offiziere herbeikam und sich dem General zur Disposition stellte, darunter der Oberst Kostanda von der reitenden Artillerie der Leibgarde.
Aller Augen hafteten auf den dunklen massen des Abdul-Medjid-Forts, von dem, wie sie wussten, das Signal kommen musste. Links zeichneten sich am Horizont die schwarzen Linien des Arab-Tabia aus; – kein Geräusch – kein laut von drüben her, Nacht und Schweigen bis auf das melancholisch herübertönende La illah-Allah il Allah! einer Schildwache als Gruss an die Ronde, und als Zeichen ihrer Wachsamkeit. Auch diesseits Alles Schweigen, nur leises Flüstern in den Reihen, die Offiziere auf die Degen gestützt, die Soldaten das Gewehr im Arm – die Sappeure vorn mit Faschinen, Aexten und Leitern.
Plötzlich – mit dem Minutenzeiger auf elf schoss der feurige Strahl der Rakete vom Fort in die Höhe.
Also Wahrheit – die Botschaft des jungen Spions hatte nicht gelogen, und manches Herz, das noch immer gezweifelt, wappnete sich fester bei der Gewissheit der nun bevorstehenden blutigen Stunde, jedes Ohr lauschte gespannt – Todtenstille ringsum –
Der Oberst Kostanda hatte sich auf den Boden geworfen, um besser zu hören – zehn Minuten darauf liess sich undeutlich in der weiten Entfernung der Schall einer Gewehrsalve vernehmen.
"Sie sind an einander, Excellenz – Gott lasse die Unsern bereit sein!"
"Pascholl! Bei Todesstrafe kein Schuss ohne Befehl!"
Schweigend – ein gespenstiges Ungeheuer, Tod und Verderben in seinen Ringen – drängten die Reihen vorwärts. – Um den Horizont zuckte das Wetterleuchten und mit den dunklen Menschenwolken zusammen zogen die Wolken des himmels gigantisch gegen einander zur Feuerschlacht der Elemente.
Jetzt waren die Tirailleurs bis auf 200 Schritt an die äussere Circumvallation heran, die hinter einem – bei der höheren Lage des Forts nach dem Bergplateau zu – trotz des hohen Wasserstandes der Donau kaum drei Fuss tief mit wasser gefüllten Graben lag. Keine Ahnung noch schien die Moslems vor der drohenden Gefahr zu warnen.
Der grelle Schein des Blitzes entüllte