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, unter wütendem Allahruf brachen die Kolonnen des Nizam auf die vorderen Linien der Trancheen und die errichteten Batterieen, im ersten ungeahnten Anlauf die Postenkette über den Haufen werfend und unaufhaltsam bis zur ersten Linie vordringend. Erst hier, an den Abhängen der Weinberge und unterm Schutz der russischen Batterien am Donau-Ufer gelang es dem Obersten Grafen Oppermann, die Seinen zum Stehen zu bringen und die Truppen zu sammeln.

Die Verwirrung und der nächtliche Lärmen waren furchtbar, das Schlagen der Trommeln, die Allarmsignale der Hörner auf allen Seiten, der Ruf der Offiziere, das Knattern der Flinten und Pistolenschüssedas wilde Geschrei der Türken, dem nur das grimmige Zähneknirschen des Feindes, die lautlose aber desto verzweifeltere Gegenwehr antwortete, das Alles war sinnverwirrend, betäubend, der Hölle entstiegen!

In der ersten Viertelstunde war der Kampf ein Knäuel gegenseitigen Ringens und Würgens, Faust gegen Faust, Mann an Mannja Zahn gegen Zahn, denn der Fallende fasste rasend mit seiner letzten natürlichen Waffe oft noch den Gegner, und am Boden würgten sich die Feinde unter den Füssen der Kämpfenden. Siegesjubelnd gellte das Allah der Türken und immer weiter und weiter drängten die massen vor, während im rücken bereits die Geschütze der erstürmten Schanzen vernagelt, die Laufgräben von hundert rüstigen Händen verschüttet wurden und die Hyänen der Schlachtfelder, die regellosen Marodeurs und die privilegirten, trotz aller Befehle des Muschirs von den Pascha's geschützten und geduldeten Kopfabschneider der Tabors oder Compagnieen ihr gräuliches Geschäft an den Leichen und Verwundeten der Russen begannen.

Dazu strömte Zug auf Zug aus dem geöffneten Tor, zur Unterstützung von dem vorsichtigen Mussa-Pascha beordert, und stürzte sich in den Kampf.

Kiriki-Pascha mit den berittenen Bozuks hatte sich

zur Rechten geworfen, um die Verbindung mit dem Centrum zu durchbrechen und dem ungestümen Angriff war es im ersten Augenblick gelungen. Cavallerie kämpfte hier mit russischer Infanterie und den Artilleristen, die wütend mit den Ladestöcken und Hebebäumen sich verteidigten, und sich einzeln an den Kanonen erschlagen liessen, ehe sie von dem anvertrauten Gute wichen. Mitten in den Reihen der Bozuks befand sich der englische Garde-kapitän, das wilde Gemetzel betrachtend und nur hin und wieder den am Faustgelenk hängenden Säbel zur Abwehr schwingend. Den Jägern, die diesen teil der Trancheen hielten, war es jetzt gelungen, an einer eben erst angelegten Batterie Posto zu fassen unter dem Commando eines jungen Artillerie-Offiziers, des Lieutenant Potemkin, und zwei Geschütze gegen den Feind zu richten. Während sich an der Kehle der Batterie die orloffskischen Jäger wütend gegen die Reiter schlugen, krachte der Kartätschenhagel in den dichten Haufen der Feinde, Reiter und Pferde zerreissend und zu Boden schmetternd, die ersten Kanonenschüsse, die von russischer Seite in diesem furchtbaren Kampfe fielen.

Rattatrattattat! Der kurze Schlag des Sturmmarsches schien den Höllenlärmen des Kampfes zu durchbrechen und mit dem grollenden Donner des himmels zu wetteifern, den die immer höher heraufziehenden Gewitterwolken, schon mit Sonnenuntergang drohend, jetzt mit dem Leuchten der Blitze durch die Nacht warfen. Gleich einer Strahlengarbe fuhr es von den Donauschanzen jetzt hinauf in die dunklen Wolkenschichten, eine Garbe grosser Raketen, die Gegend ringsum auf eine Minute weitin mit Tageshelle überglänzend.

In dem hellen Schein sah man das Anrücken der russischen Kolonnen, das zweite Jäger-Bataillon vom Regiment "Fürst von Warschau" unter Anführung seines tapfern Obersten Kloot von Jürgenburg eilte seinen bedrängten Kameraden zu Hilfe, ihm zur Seite im Sturmmarsch dicht schon an den wilden türkischen Reitern General-Major Inseroff mit dem zweiten Bataillon des Jeletzkischen Regiments.

Das "Hurrah!" der Russen überdonnerte den Donner, von Kanara her gellte das "Kuli!" des Tamanskischen Kosacken-Regiments, das der Oberfeldherr zu Hilfe sandtevon den Weinbergen herab drängte in dunklen massen mit den im Blitzstrahl blitzenden Bajonnetten die Infanterie-Colonnen General Chruleffs.

Das rollende Hurrah mischte sich mit dem wütenden Allahruf, mit dem Donner des himmelsder zuckende Blitzdas blendende Licht der Raketen und Leuchtfeuerzeigte den grimmigen Gegnern das Weisse im Auge, glänzte auf dem blinkenden Stahl, spiegelte blutrot im strömenden Blut. Dazu schien der Himmel seine Schleusen zu öffnen und vom sich erhebenden Wirbelwind gepeitscht, stürzte ein dichter Gewitterregen herab.

Alle Schrecken der Hölle schienen vereint auf diesem blutigen Flecke von des Allmächtigen lieblicher Erde!

Rattatrattattat! Neue Regimenter der Russen im Sturmschritt herbeidurch die engen Wege der auslaufenden Donausümpfe von Girlitza schmetterten die Trompeten der Prinz-Friedrich-CarlHusaren heran zum Angriff.

Hussein-Aga gab das Zeichen zum Rückzug; über die Kämpfenden hinweg zischten bereits die Passkugeln des kapitän Grach aus dem Tschengell-Labiassi in die russische Stellung, und die Müftirieh-Batterie donnerte mit schweren Kanonen.

Kiriki's Reiterei hatte längst den Rückzug begonnen. Schritt um Schritt schlug man sich jetzt mit dem drängenden Feinde; Muchlis-Pascha am CommandoKiriki durch den Leib geschossen, vom Arm des englischen Capitains unterstützt, während seine Bozuks sich Bahn hieben, nahte man schon den Forts!

"Hier ist der Hekim-BaschiAllah sei gepriesen und sein Prophet!"

"Goddam! Das ist ein Glück, dass Sie hier sind, Doctor. Ich fürchte, der Pascha ist schwer verwundet!"

Er hob mit Hilfe einiger Männer den Verletzten vom Pferde, das selbst von einem Bajonnetstich blutete.

"Es ist in diesem Getümmel wenig zu machen," sagte Welland, den der Eifer seines Berufs aus