1855_Goedsche_156_496.txt

ich habe einen Brief für ihn."

Die Offiziere und Soldaten traten zurückim Schatten der Brustwehr hatte einer der Sappeure rasch eine Laterne angezündet und an die Lafette gehängt.

"Den Brief, den Brief, Bursche!"

Der Junge brachte ihn sorgfältig aus dem Schuh zum Vorschein. –

"Man hat mich so lange an den Vorposten aufgehalten, Herrdie Zeit muss bald da sein, um elf Uhr greifen die Türken an."

Der Graf liess die Uhr repetiren, während der General-Lieutenant den Brief durchflog.

"drei Viertel auf elf! Schorte wos mi! auf welcher Linie soll der Angriff erfolgen?"

Der General sprang empor. –

"Lassen Sie, ich weiss genug! wir können heute einen tüchtigen Schlag tun, Orloff, und vielleicht das ganze Nest nehmen! – Ein Kosackenoffizier!"

Ein Kosack sprang vor.

"Dein Pferd?"

"Kaum hundert Schritt von hier, Väterchen!"

"Carriere zu den Schanzen des Generals Schilder an der Donaudie Türken werden um elf Uhr einen starken Ausfall vom Babadagh-Tor machen. Eine Rakete von der Citadelle das Signal. Pascholl und schone das Pferd nicht. Pepotoff!"

Ein zweiter Offizier stand bereit.

"Du hast gehört –: fort mit gleicher Meldung nach Girlitza zu Schilder und Chruleff."

"Wohl, Excellenz!"

Der Galopp des Kosacken klang bereits über die Ebene.

"Orloff!"

"Excellenz!"

"Welche Truppen haben wir auf den Umkreis einer Viertelstunde zur Disposition?"

"Nur das dritte Bataillon des poltawskischen Regiments, das dritte des alexopolskischen und das erste der samoszkischen Jäger."

"Es genügt. Michalowitsch!"

"Zu Befehl."

"Zu Oberst Daragan in die vorderste Linieer soll das Bataillon zum Sturm sammeln."

Der Offizier schwang sich über die Brustwehr und sprang querfeldein.

"Du, Komajeff, zu Boussayedas Bataillon muss in fünfzehn Minuten an der letzten Tranchee sein. Fort! – Lieutenant von Möller gleiche Ordre dem General-Major Golowaschewski!"

"Aber der Brief, Excellenz, der Briefer muss zum Fürsten!"

"Du hast Recht, Graf. Hier," – er warf dem Knaben seine Börse zu, – "sieh', wo Du bleibst. Lass ihn zurück über unsere Posten, wenn er will. Fürst Braginskischnell zu Pferde und nach Kanara zum Oberstkommandirenden diesen Brief und sage ihm, wenn der Ausfall sich bewahrheitet, was wir in zehn Minuten wissen werden, würde ich einen Sturm versuchen auf die südöstliche Front, die dann sicher nur schwach besetzt ist –"

"Excellenzbedenke –"

"Ich weiss, was Du sagen willst, Orloff, aber die gelegenheit ist zu gut, um zu zaudern. Ein ArmeeCorps oder eine KugelBeides ist zu gewinnen. sorge, dass Popoff mit den anderen vier Bataillonen in Reserve nachrückt und nicht zu spät kommt. Ich gehe voran nach dem Platzzehn Minuten nach dem Aufsteigen des Signals beginne ich den Sturm."

Der General eilte davonnach allen Seiten flogen die Boten und Ordonnanzen. ––––––––––––––––––––––––––––

Gleich dem dämonischen Reiter, der in den Sagen der Völker durch Nacht und Sturm braust, flog die graue Gestalt des jungen Kosacken-Offiziers auf dem kleinen wilden Pferde mit der langen Mähne und den feurigen Augen über die Ebene, jedes Hinderniss im rasenden Anlauf überspringend, über Stein und Sumpf, Graben und Buschwerknur ein Kosakenpferd konnte solchen Lauf unternehmen, nur ein Reiter der Steppe ihn ausführen! – Immer in gerader Linie fort auf die Trancheen zu, die sich in zweiter Linie bereits zwischen der Stadt und den Weinbergen weit in's Land über die Strasse nach Rassowa und bis zu dem Punkt erstreckten, wo der Oberst Graf Oppermann, der die arbeiten in den Trancheen leitete, den Bau der Redoute begonnen, von der man das Fort Abdul-Medjid im rücken beschiessen wollte.

Plötzlich tat das Pferd des Ordonnanzoffiziers einen furchtbaren Sturz, es war in eine der im hohen Grase angebrachten Schützengruben mit den Vorderbeinen gestürzt und hatte beide morsch gebrochen. Der Offizier flog aus dem Sattel über den Kopf des Pferdes hinweg, raffte sich aber, nur wenige Augenblicke betäubt, wieder empor; das hier mannshohe Gras versperrte ihm die Rundsicht, der bedeckte Himmel gestattete ihm nicht einmal, sich nach den Sternen zu orientiren.

Da knisterte und zischte es links in der Ferne vor ihm in die Höhehoch in den dunklen Nachtimmel stieg von der Citadelle der majestätische Strahlenschweif einer Rakete und streute auf dem Zenit seine glänzenden Leuchtkugeln in das Dunkel ringsumauf Augenblicke Tageshelle verbreitend.

"Heiliger Iwan, schütze sie!" Der Lichtstrom hatte ihm die Lage der Forts gezeigt, wie ein gejagter Hirsch brach er sich Bahn zur Rechten durch das Gestrüpp und Gras

Kaum zweihundert Schritt weit

"Stai! – die Parole!"

Victoriaer war an der Tranchee! – "Constantin und die Flotte! – Allarm, Allarm! Zu den Waffendie Türken machen einen Ausfall!" –

Ein Musketenschuss, dann eine Salve links in der Entfernung eines halben Wersts krachte bereits die Antwort, in der nächsten Minute brach der Allahruf der Moslems durch die Luft und eine KavallerieAttaque donnerte quer über das Feld.

"Festgestanden! – Fertig! – Feuer! – Drauf mit dem Bajonnet!"

Die Säbel und Handjars der Irregulären blitzten zwischen dem kleinen Posten. ––––––––––––––––––––––––––––

In dunklen massen