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's eine den Türken sonst sehr ungewöhnliche Tätigkeit und Einsicht an den Tag gelegt hatte, die ihn auch dem Einfluss und Rat der europäischen Offiziere zugänglich machte, war überall, seine letzten Befehle erteilend. Hussein-Aga, der Kommandeur der beiden Forts, ein wilder aber tapferer Offizier, sollte den Ausfall befehligen, den kapitän Morton mitzumachen beschlossen hatte. Die Müftirieh-Batterie, welche allein von den Schanzen an der Donau die rechte Flanke der russischen Stellung bestreichen konnte, wurde von Mehemed-Bei kommandirt, indess hier und an den vorgeschobenen Werken die wahre Leitung dem On-Baschi Grach überlassen blieb.

Der Kommandant selbst wollte durch eine Kanonade von den südlichen Toren und dem Abdul-MedjidFort her die Aufmerksamkeit des russischen Centrums und der linken Flanke beschäftigen, nachdem er vom Fort aus durch eine Rakete das Zeichen zum Angriff gegeben.

An dem hohen Bogen des Tores, durch das sich jetzt im geräuschlosen Marsch die wilde Reiter-Colonne drängte, standen die Führer, Kiriki-Pascha, ungeduldig, an die Spitze seiner Bozuks zu eilen, der französische Colonel nochmals an den Kommandanten für die Infanterie-Attaque einige Ratschläge erteilend, und kapitän Morton, die Zügel des Pferdes in der Hand, da er unter den Reitern den Angriff mitmachen wollte, noch einige Worte mit den beiden Preussen wechselnd.

"Sie setzen sich unnütz einer Gefahr aus, kapitän," sagte der Arzt, "von der Sie im besten Fall wenig Ruhm ernten können. Sie sollten Ihre Mission an des Pascha's Seite bedenken und Ihr Leben nicht zwecklos auf's Spiel setzen."

"Sie sind und bleiben ein alter Moral-Prediger, Doctor," lachte der Offizier, "vordem am Spieltisch und jetzt wieder bei der Lust des Kampfes. Ich habe eine für die andere eingetauscht und es ist Zeit, dass ich die russischen Truppen kennen lerne. Das Corps, dem wir gegenüber stehen, trägt doch nicht etwa hellblaue Uniformen?"

"Wie so? – die Uniform ist grün."

"Dann werden Sie mich unzweifelhaft unverletzt wieder erhalten. Gefahr droht meinem Leben nur von einem hellblauen Feind. Hellblau und WeissSie wissen, Doctorich bin ein Faulconbridge, die ihre Ahnungen haben, und auch ich habe von dem Familienvorzug profitirt."

"Sie meinen die Erscheinung des Lords, Ihres Vaters, – was ist Ihnen begegnet?"

"Ein ander Mal davon, Doctorder Pascha scheint fertigleben Sie wohl, meine Herren!" Er schwang sich auf's Pferd. Zugleich wandte sich der Kommandant.

"Es ist Zeit, Effendi's, – Alle auf Eure Posten, in einer Stunde erwartet das Signal. Allah gebe uns Sieg."

Das Gedränge der Davoneilenden verschlang den letzten Gruss. Jeder nahm seinen Posten ein und nach wenig Minuten, als der Galopp des Kommandanten und seiner Begleitung verklungen war, lag tiefes Schweigen auf den Werken.

Der Pascha nahm seinen Weg innerhalb der Wälle um die Stadt, um noch ein Mal die Wachsamkeit der Mannschaften zu prüfen, ehe er seinen Posten auf den Werken an der Südseite einnahm. Die Wälle der Westseite waren von den Compagnieen besetzt, die der Kommandant bei den geringen Hilfsmitteln der Verteidigung als eine Art Freicorps aus den Bewohnern Silistria's und dem Tross von Gesindel gebildet hatte, das mit und ohne Herrn, so wie aus Deserteuren, Abenteurern, Flüchtlingen und entlaufene Sclaven bestehend, sich in die Festungen eingedrängt hatte, und dass er wenigstens auf diese Art nutzbar zu machen suchte. Auch Jussuf, der ehemalige Courier, gehörte hierzu und stand jetzt auf einem der äusseren Posten des Walls in der Nähe des Tores von Schumla.

Es war zehn Uhr, der Mond noch nicht aufgegan

gegen und ein leichter Sprühregen fiel von Zeit zu Zeit. Zu seinen Füssen im Schatten des Walles lag es wie ein Ball zusammen gerollt, jedem zufälligen blick verborgen, – Mauro, der anatolische Knabe, gewöhnt an solche Unternehmungen und erst vor wenig Tagen mit Nicolas Grivas aus den blutigen Bergen Metzowo's zurückgekehrt zu dem Mann, dem ihn der sterbende Oheim zugewiesen, zu Gregor Caraiskakis nach Varna.

"Allah möge mir vergeben, wenn ich Unrecht

tue," murmelte der Courier vor sich hin, "aber es ist mein Schicksal, Mariam zu gehorchen. Was gehen mich, diese Türken anpuf, – sie sind Hunde, ich bin ein Abyssinier und meine Väter waren Christen! Jawaschwir wollen es tun! steh' auf, Knabe, es wird Zeit für Dich!"

Der Junge sprang rasch auf die Füsse:

"Ich bin fertig, Jussuf."

"Hast Du den Weg gemerkt, den man Dir beschrieben?"

"Wie von der Hand zum Mund! ich kreuze die Strasse von Schumla eine Viertelstunde von der Festung und gehe dann immer nach Aufgang, bis ich an die Vorposten der Russen komme."

"Du hast den Brief?"

"In den doppelten Sohlen meiner Pantoffeln und diese im Gürtel."

"Und Du weisst, nach wem Du fragst?"

"Nach dem General selbst. sorge nicht, ehe der Morgen graut, bin ich wieder an dieser Stelle."

"Zwei Stunden nach Mitternacht stehe ich wieder auf diesem Posten. Allah oder der Gott der Christen geleite Dich. Du kannst doch schwimmen?"

"Ich tauche wie die Ratten."

"Desto bessereile Dich."

Er hatte dem Knaben eine