traf ihn dort in interessanter Gesellschaft."
"Es war nicht das letzte Mal, Sir, dass Sie mich gesehen," sprach bitter der Arzt.
"Richtig, Sir, ich vergass! Sie secundirten am Scamander einen Freund, den Bundesgenossen von Wegelagerern und Banditen!"
"Den Bruder Ihrer rechtmässigen Gattin, Sir!"
"Lassen wir das, wir wollen darum nicht streiten. Es wäre besser für uns Alle gewesen, Sie hätten damals meinem erstem Wunsch entsprochen. – Haben Sie von Herrn Caraiskakis gehört? Ich glaube, er ist in dem letzten Aufstand zu Constantinopel ein Opfer seiner Leidenschaftlichkeit geworden."
Der Arzt schaute ihn finster an.
"Mein. Freund, Sir, hatte als Mann von Ehre seine Schwester zu rächen."
Ein unbestimmtes Gefühl verhinderte ihn, zu erwähnen, dass er so eben von ihm Nachricht erhalten habe, und er hatte noch nicht Zeit gehabt, die Einzelnheiten seiner Mitteilungen zu lesen.
"Die Sache ist vorbei, lassen Sie uns nicht streiten darüber," sagte der Baronet. "Wir sprechen vielleicht später noch über Dinge, die mich interessiren. Ich sehe, Morton und kapitän Grach werden ungeduldig."
"In der Tat," meinte der Letztere, "meine Zeit ist gemessen und ich habe der Vorbereitungen noch viele zu treffen. Ich werde Sie um 9 Uhr abholen in die Festungswerke. Halten Sie Ihr Verbindezeug bereit, Doctor, und nehmen Sie einen Gehilfen mit. Es wird einen harten Tanz geben. Wie viel Verwundete hat man Ihnen von dem gestrigen Bombardement gebracht?"
"Dreiundsechszig, kapitän. Wir zählten vierzig tote."
"Einen Verlust von Hundert – Das passirt, aber ich fürchte, es wird schlimmer werden."
"Mit wie viel Mann greifen Sie an, kapitän."
"Zwei Bataillone Nizam und die Boschuks. etwa dreitausend Mann!"
"Und die Stunde?"
"elf Uhr – bei Aufgang des Mondes. Depuis und der französische Offizier bleiben in den Forts am Basardschik-Tor. Auf Wiedersehen, Doctor, vor dem Kampf, ich muss zu meinen Arbeitern. hören Sie – der Feind beginnt wieder seine Kanonade."
Das dumpfe Dröhnen des schweren Belagerungsgeschützes erschütterte auf's Neue die Luft und die Offiziere entfernten sich eilends, wobei der kapitän ganz vergass, nach dem Knaben weiter zu fragen, den er beim Eintritt flüchtig gesehen.
Nursah war allem in dem Gemache ab- und zugegangen während. Besuchs, indess sich Jussuf und Mauro entfernt hielten. Diese suchte er jetzt eilig auf, während sein Herr sich mit dem Briefe des Freundes beschäftigte und über das Zusammentreffen mit dem Briten nachsann.
Nursah zog die Beiden in einen Winkel.
"Eine Stunde vor Mitternacht," berichtete er hastig, "werden dreitausend Türken einen Ausfall gegen das Lager an der Donauseite machen. Unsere Freunde müssen benachrichtigt werden."
"Kannst Du dem Winde die Botschaft geben?" fragte ärgerlich Jussuf. "Olmas! Es ist Nichts – die Wälle werden zu gut besetzt sein und der Zigeuner, Eblis verdamme, ihn! hat sich seit Tagen nicht blikken lassen."
"Ich sage Dir, es muss geschehen, die Nachricht muss hinaus," sagte der jüngere Bruder mit einer offenbaren Autorität, die er über den älteren übte. "Wofür wäre dieser Knabe uns zu Hilfe gesandt, wenn er uns in solchen Fällen nicht nützen sollte?"
"Wird das Blut der verfluchten Moslems fliessen, wenn ihr Unternehmen den Russen bekannt wird?" fragte mit einer teuflischen Neugier der kleine Spion.
"Haben sie Zeit, ihre Vorbereitungen zu treffen, dann kann die ganze Colonne abgeschnitten werden und ein Sturm die Wälle erobern, Kind."
Die Augen des Knaben blitzten.
"Viele, viele! Ein ganzes Meer von Türkenblut für meinen gemordeten Oheim!" sagte er giftig. "Bringt mich nur hinaus und gebt mir Euren Auftrag, Mauro ist schnell und was er will, das tut er."
"Von der Schnelligkeit Deiner Füsse, Knabe, wird mehr als von Deinem Mute abhängen. Wir werden wie gewöhnlich die Wälle an der Abendseite zu bewachen haben und ich vermag Dich nicht eher hinaus zu lassen, als bis die Nacht eingetreten ist. Du hast dann einen weiten Weg bis zum Luger der Russen. Schreibe Deinen Brief, Nursah, der Prophet sieht zwar übel auf mein Beginnen, aber ich habe geschworen, Dir zu gehorchen, bei Einer, die nicht mehr ist."
Der Ruf des Arztes, der nach dem Knaben verlangte, um durch ihn von dem Freunde zu hören, trennte sie.
In einzelnen Interwallen dauerte während des ganzen Tages das Geschützfeuer der Belagerer fort, von den vorzüglich bedienten Kanonen der Festung erwidert. Der kapitän Grach war überall und in der Tat die Seele der artilleristischen Verteidigung, die um so höher anzuschlagen ist, als sie einem so alten und berühmten Genie-Offizier wie General Schilder gegenüber geschah.
Die Tapferkeit der Türken in Verteidigung fester Plätze, ja, Schanzen, ist unbestritten und oft erprobt, sie bewährte sich ebenfalls wieder glänzend hinter den Mauern von Silistria.
Es war am Abend gegen 10 Uhr, als die zum Ausfall bestimmten Colonnen sich am Babadagh-Tor zu sammeln begannen. Still und geräuschlos hielten die Reihen der Irregulairen auf ihren meist weissen Pferden hinter den Wällen, während die Bataillone des Nizams wie dunkle Schlangen durch das geöffnete Tor in die beiden vorgeschobenen Forts strömten.
Mussa-Pascha, der während seines Kommando