im Mondlicht bleich umherstreift und sich an die Herzen der Lebenden sangt, jeden Blutstropfen unersättlich verschlingend? So saugt allnächtlich dies Bild mit den glühenden Augen an meinem Herzen. Stephana – ich liebe – einen Vampyr!"
Die junge Frau schlug das Kreuz. "Um der Heiligen willen, Mann, fasse Dich – Du redest ruchlosen Wahnwitz!"
"Wahnwitzig möchte' ich werden, und der Wahnwitz hätte mich gegen Skadar getrieben, auch wenn die Pflicht gegen den Freund mich nicht dahin geführt!"
Der Ruf des Alten ertönte vom Ufer herauf – der Nachen war bereit, die Sonne im Untergehen.
"Bete für mich – bete für meine arme Seele! Nur der Himmel kann retten, die den Unterirdischen verfallen sind!"
Wenige Worte noch mit den gefährten, und die kräftigen Ruderschläge entfernten ihn vom Ufer.
Es war nach Mitternacht, im Silberglanz des Mondes, als Nicolas Grivas eine halbe Stunde entfernt von den Wällen von Scutari, östlich vom Hafen der Festung, unter wildem Felsgestein und Gebüsch nach angestrengtem Rudern landete und den Nachen, so gut es die gelegenheit bot, dort verbarg. Dann ging er eine Strecke landein, suchte sich einen vor den schädlichen Mondstrahlen geschützten Platz und legte sich nieder zum Schlaf. Mit Sonnenaufgang war er munter, nahte sich vorsichtig der Stadt und schlenderte dann mit den zahlreichen Gruppen der albanesischen Landleute und Arbeiter sorglos durch das geöffnete Tor.
In einem der türkischen Caffeehäuser in der Nähe der Befestigungen des Hafens, in denen, wie er von Hassan wusste, Andreas gefangen sass, nahm er sein Morgenbrot und verweilte, bis ein regeres Treiben die Strassen belebte.
Die rote Tracht der G u e g u e n oder Myrditen mit dem Waffen-Arsenal im Gürtel, oder dem malerischen Harnisch, der an die Ritterzeiten und die Tscherkessen erinnert; die Toja der T o x i d e n mit dem Waffenrock, dem Gürtel und den Sandalen aus der Römerzeit, während der schlanke, erhabene Wuchs ihrer Frauen, das rein griechische Profil und die grossen, blauen, seelenvollen Augen unter den lang herabhängenden, blonden oder kastanienbraunen Haaren ein Bild klassischer Schönheit gibt; die Frau von den Ufern der D r i n n a , die Flinte auf der Schulter, den Handjar im Gürtel und den Korb mit den Früchten oder Geflügel, die sie zu Markte bringt, auf dem Kopf; dazwischen die kleine, dunkle Gestalt des J a p i s aus den Schluchten und Felsen am adriatischen Meere; die Männer von S u l i mit dem Adlerblick und der stolz emporgetragenen Stirn; der türkische Soldat des N i z a m in seiner dunkelblauen unkleidsamen Tracht mit dem flachen Fez; der geschäftige G r i e c h e und J u d e und dazwischen der gravitätische M o s l e m , – alle diese hundert bunten Gestalten mit dem den Griechen-Slaven eigenen lebhaften Drängen und Schreien gaben ein überaus lebendiges buntes Bild, durch das sich Grivas zum Khan des Maltesers Girolamo drängte, in dem, nahe am Bazar gelegen, die Müssiggänger der Festung, die Fremden und die Offiziere der Besatzung zu verkehren pflegen. Gegenüber dem Khan war der Aufgang zur Citadelle, in deren Ringmauern sich die Gebäude des Paschalik befanden. Nicolas nahm vor dem Khan einen Sitz ein, und statt mit einem oder dem Anderen ein seine Zwecke vielleicht förderndes Gespräch anzuknüpfen, schaute er unverwandt nach dem Tor der Citadelle, an dem die Wachen müssig lehnten.
So hatte er bereits zwei Stunden gesessen, als durch das Tor zwei Frauen in türkischer Kleidung die Festung verliessen, die Gestalt in den verhüllenden Feredschi21 verborgen, während das Haupt unter dem weissen Schleier, Yaschmack genannt, verschwand, den, aus einem langen Streifen Mousselin bestehend, die muhamedanischen Frauen, sobald sie ihre Gemächer verlassen, um den Kopf wickeln und unter dem Kinn befestigen, so dass er das ganze Gesicht verbirgt und nur einen etwa drei Finger breiten Streifen für die Augen frei lässt. An der grünen Farbe des Mantels war leicht zu erkennen, dass die Eine die Herrin, die Andere eine Sclavin war. Die Gestalt der Ersteren erschien trotz der verhüllenden Kleidung gross und stolz und hatte nicht den durch die doppelten Pantoffeln gewöhnlich hervorgebrachten schleppenden und unsicheren gang. Die Dame trug vielmehr unter den weiten türkischen Beinkleidern rote mit Gold gestickte Stiefel, und jede ihrer Bewegungen zeigte eine bei den Orientalen ungewohnte Rastlosigkeit und Energie. Die beiden Frauen gingen allein, aber deshalb nicht unbegleitet. Ein seltsamer und schauerlicher Gefährte bewachte jeden ihrer Schritte, – ein gezähmter Wolf, der gleich einem Hunde, die rote lechzende Zunge aus dem Rachen hängend, neben ihnen her trottete.
Die Erscheinung war zu auffallend, um unbemerkt vorüber zu gehen, und obschon der Grieche eben nur Augen für sie hatte, konnte er doch wahrnehmen, wie die Besucher des Caffeehauses sich von ihr unterhielten, und mehrmals hörte er den Namen Fatinitza aussprechen. Er hatte sich vom Sitz erhoben, als er die beiden Frauen bemerkt, und stand dicht an der Strasse, die sie vorüberführte. Schon von Weitem hatte ihn in dieser Stellung der blick der Türkin getroffen, der mit einem seltsamen verzehrenden Ausdruck auf ihm haften blieb. Starr und ruhig, lag doch eine wahrhaft unheimliche Glut im Hintergrunde dieses schwarzen Auges, das sich förmlich an ihn festzusaugen schien. Seine ganze Kraft und Selbstständigkeit schien unter dem Ausdruck dieses Blickes zu schwinden, und dennoch vermochte er nicht, den seinen davon abzuziehen.
Wenn das unheimliche Auge dieser Frau