Tollkühnheit wir so viel gehört haben."
"Sie werden zur Stelle sein, wenn es gilt und der Kaiser befiehlt, Herr kapitän. – Da ist der Pascha."
Die vier Offiziere näherten sich dem Kreise, der sich auf dem platz an der Moschee der Barmherzigkeit um M u s s a -P a s c h a , den tapferen Kommandanten von Silistria, gebildet hatte. Er bestand aus fast allen oberen Offizieren der Besatzung, die in diesem Augenblick der Dienst nicht auf den Wällen gefesselt hielt, und schien mit einer Art von Kriegsrat beschäftigt. Neben dem Pascha standen der uns bereits bekannte kapitän Depuis, Muglis-Bei, der Anführer der Redifs, und Kiriki-Pascha, der Führer der Baschi-Bozuks.
Der französische Offizier, der so eben von den Schanzen hinzu kam, nahm offenbar eine geachtete Stellung ein, denn man machte ihm und seinen Begleitern sogleich Platz.
Der Pascha hielt eine Depesche in der Hand, ihm zur Seite stand ein türkischer Knabe von klugem, verschmitztem Aussehen, dessen Lebhaftigkeit jedoch durch den Anschein von Gleichgültigkeit unterdrückt wurde.
"Monsieur le Colonel," sagte der Kommandant höflich zu dem Franzosen, "ich habe Sie bei der Unterbrechung des Feuers hierher bitten lassen, weil mir vor einer Stunde eine Depesche von Schumla überbracht worden ist, welche auch ein Schreiben für Sie entält und die unsere ernste Erwägung fordert. Ihre Nachrichten stimmen wahrscheinlich mit den meinen überein?"
Der Zuaven-Colonel – Vicomte de M é r i c o u r t – hatte seine Depesche geöffnet:
"Man trägt mir auf, dahin zu wirken, dass die Garnison sich so lange als möglich hält. Eine combinirte Bewegung zum Ersatz der Festung ist vor Mitte des nächsten Monats nicht möglich, da Ihre Truppen zum teil an der Aluta engagirt sind, und Rustschuk selbst noch fortwährenden Angriffen ausgesetzt ist. Für jene Zeit wird jedoch eine Diversion zugesagt."
"Ich muss noch eher Beistand haben wenigstens eine Verstärkung der Besatzung und eine Zufuhr von Proviant," sagte missmutig der Pascha. "Sie kennen die unglücklichen Verhältnisse und dass unsere Vorräte in Cadassia lagern."
"Es war eine Torheit ohne Gleichen," warf kapitän Depuis ein.
"Was soll ich sagen, – es ist nun ein Mal so und wir haben kaum noch für 20 Tage Lebensmittel in der Stadt. Man meldete mir, dass die vorgeschobenen Werke am Babadagh-Kapussi nicht länger gehalten werden können, trotz der Alles vernichtenden Tapferkeit unsers Aga's. Mein Genie-Director, MehemedBei, ist jedoch anderer Meinung."
"Dein Genie-Director, Pascha," sagte brüsk der englische, Offizier, "ist ein Esel! Die Meinung des kapitän Grach hier ist vollständig die unsere. Die Werke sind kaum 24 Stunden mehr zu halten."
Der alte Bei schaute höchst gleichmütig zu der
Artigkeit des Engländers d'rein und strich sich den Bart. Die Türken begannen bereits dieser Art der Behandlung seitens ihrer Verbündeten gewohnt zu werden.
"Inshallah, wie Gott will! Mein Freund Mehemed
kann sich irren, und der Himmel hat Euch Franken ein scharfes Auge in solchen Dingen gegeben. Was ratet Ihr mir zu tun?"
"Ich habe bereits über den Fall mit den kommandi
renden Offizieren der Forts gesprochen," sagte der Colonel, "und unserer Aller Meinung ist, dass durch einen kräftigen Ausfall in dieser Nacht die arbeiten der Russen gestört werden könnten und Hussein-Aga Zeit erhält, morgen die vorgeschobenen Schanzen ohne Verlust zu räumen und sie unbrauchbar zu machen. Der Herr kapitän hat so vortreffliche Werke in der Nähe des Tores vorbereitet, dass der Besitz der beiden Forts den Feinden nur wenig helfen wird."
"Ich fürchte nicht die Beschiessung oder die Sturm
angriffe," sagte kapitän G r a c h – der türkische Artillerie-Offizier – "sondern die Minen des Generals Schilder, es ist seine Lieblingswaffe."
"Darum müssen wir ihn möglichst fern halten. In
unverhofften Ausfällen liegt die gelegenheit, seine arbeiten zu stören. Ich stimme für einen solchen in dieser Nacht."
Der wilde Kiriki – dem die französische Sprache der Beratung fremd war- erriet aus den Umständen, um was es sich handle und schaute mit dem Ausdruck eines Bullenbeissers auf den Kommandanten.
"Mashallah – es sei, wie Ihr sagt, ich habe auch daran gedacht. Wir wollen einen Ausfall machen diese Nacht auf die Flanke des Feindes an der Donau. Hussein-Aga soll ihn leiten und Kiriki mit seinen Bozuks und einer Tabor des Nizams ihn ausführen. Werdet Ihr teil daran nehmen, Effendi's?"
"Meine Befehle beschränken mich auf die Stadt," entgegnete der Colonel.
"Ich werde Hussein-Aga begleiten," bemerkte der englische Offizier.
"Pek äji – es komme auf Dein Haupt, – ich bin nicht verantwortlich für Dich. Ich werde meine Ordres erteilen. Dennoch muss ich Nachricht senden an den Sirdar – unsere Lage ist schlimm."
"Der kleine Halunke, der die Depeschen herein geschmuggelt," bemerkte kapitän Depuis, "kann sie wahrscheinlich auch wieder hinausbringen. Wo ist der Bursche?" –
Alles sah sich nach dem zerlumpten Jungen um, der beim Beginn der Unterredung hinter dem Pascha gestanden, doch vergeblich, denn der Bursche hatte die gelegenheit benutzt, sich zu entfernen, bis der türkische Offizier, welcher ihn von den Aussenposten zum Kommandirenden geführt, berichtete, der Knabe habe ihm gesagt,