1855_Goedsche_156_488.txt

Feldzug von 1828 fesselte es die Russen 4 monat vor seinen Mauern, ohne dass sie es zu erobern vermochten, und auch nachdem Varna gefallen, bildete es ein wichtiges Hinderniss, und der Feldzug des Jahres 29 musste mit einer Belagerung des an und für sich nicht starken Platzes begonnen werden, die auch damals General Schilder leitete und welche 43 Tage dauerte.

So wichtig die Lage Silistria's in strategischer Beziehung, so ungünstig ist sie es in fortificatorischer, indem die Südseite durch das 200 Fuss hohe Balkanplateau beherrscht wird, das bis auf 1500 Schritt an den Hauptwall herantritt und dem Belagerer zur terrassenförmigen Aufstellung seiner Geschütze gelegenheit gibt. Man übersieht von hier aus das ganze Innere der Stadt. Die drei östlichen und zwei westlichen Fronten werden von dieser Höhe aus bestrichen, und da, wie bereits erwähnt, das Donaubett nur 1000 Schritt breit, kann auch die Wasserfront von dem gegenüberliegenden Ufer beschossen werden. Die Stadt selbst bildet einen Halbkreis von etwa 2000 Schritt Länge in Form eines Zehnecks, jede der Fronten ist 550 Schritt lang, und zwar befinden sich vier Bastionen auf der Donauseite, drei auf der östlichen, zwei auf der westlichen. Das östliche Tor ist von den Aussenwerken Tschengell- und Limân-Labiassi gedeckt. Zur Sicherung der zwei Tore auf der Landfront nach Schumla und Basardschick wurde bei Beginn des Krieges die bisher sehr unvollständige, aus unbedeutendem Erdwerk bestehende Verteidigung durch Anlegung eines festen Forts auf der Höhe Oskardscha zwischen beiden Strassen vermehrt, das zugleich die Gefahr der Beherrschung vom Plateau aus paralysiren sollte. Unter Leitung eines früheren preussischen Offiziers, des Artillerie-Capitains Grach ward diese durch dreifaches Mauerwerk aus Felsengestein hergestellte Nebenfestung, die den Namen Abdul Medjid erhielt, binnen 8 Monaten hergestellt, indem man Tag und Nacht daran arbeitete.

Durch zwei TürmeArab-Tabia und Yaniaflankirt und mit 60 Kanonen bewaffnet, bildete das Fort jetzt mit dem festen Stadtschloss die Hauptverteidigung der Festung, nach welcher der Besatzung die Rückzugslinie vom Fort durch eine Reihe von Batterieen gedeckt war, von deren letzter ein unterirdischer gang zur Festung führte. Die Ringmauern der Stadt sind ziemlich niedrig, das Glacis hinter dem 12 Fuss tiefen, 30 Fuss breiten Graben wird von der 20 Fuss starken Brustwehr des Hauptwalls nur um 8 Fuss überragt. Dies wann die Hilfsmittel der tapfern Verteidigung von Silistria.

Am 25. Mai endlich erhielt General-Lieutenant Pawloff, der, wie erwähnt, von Oltenitza aus bisher vergeblich den Uebergang versucht und nur eine zwischen beiden Ufern liegende Insel besetzt hatte, die Nachricht, dass die Türken sich von Tuturkai zurückgezogen, und bewirkte am 26. seinen Uebergang, so dass nunmehr auch die Verbindung mit Rustschuk abgeschnitten werden konnte.

Es war am Mittag des 28. Maieines Sonntagsals die Geschütze der russischen Batterieen, die während des ganzen Morgens gespielt und einen wahren Hagel von Bomben und Vollkugeln auf die Werke der Ostseite und bis in die Stadt geschleudert hatten, eine kurze Pause machten. Von dem Babadagh-Tor her, vor dem die hart bedrängten, vorgeschobenen Forts Tschengell-Labiassi und Limân-Labiassi1 liegen, kam in eifrigem Gespräch eine Gruppe von Offfzieren, von denen mehrere auch ihrer Kleidung nach Europäer waren. Der Eine von ihnen trug die Uniform der Zuaven, jenes berühmten Corps, das in diesem Augenblick auf den blauen Wellen des mittelländischen Meeres seine Ueberfahrt nach Gallipoli und Varna vollendete, – eine hohe prächtige Gestalt von soldatisch-kühnem ernstem Gesicht; – zwei Andere waren offenbar Engländer, der Eine in der Uniform eines Capitains der schottischen Garde, der Andere in Civil.

"Hussein-Aga," sagte der ältere Türke zu seinem Begleiter, "schwört beim Propheten, dass er die Schanzen gegen den nächste Sturm der Moskaws zu halten vermag. Sage mir Deine Meinung, Jüs-Baschi."

"Ich vermag Dir nur zu wiederholen, M e h e m e d -B e y , was ich bereits dem Pascha berichtet und was mir diese Herren bestätigen. Der Aga kann die Forts nicht länger als einen Tag noch halten. Die Trancheen des Generals Schilder sind uns bis auf halbe Büchsenschussweite nahe."

"Wir werden sie heute oder morgen mit Allah's Hilfe zerstören."

"Ich zweifle nicht an unserm Sieg, Bei, aber er kann uns Nichts nützen. Unsere Hilfe muss von Schumla oder Rustschuk her kommen."

"Wallah!" sagte ärgerlich der alte Türke, "Du weisst, o Brennibor2, was uns gestern dieser Hund von Jude gemeldet hat. Die Russen sind bei Tuturkai über die Donau gegangen. Was tun wir mit diesen Franken, wenn sie müssig stehen in Varna und Gallipoli. Ich spucke auf ihre Hilfe und bin selbst ein Mann."

Der kapitän lachte.

"Lasse solche Worte die Herren an unserer Seite nicht hören, Bei, und bedenke, dass gerade die Franken, meine Landsleute, diese Wälle und Forts gebaut haben, mit deren Hilfe wir jetzt den Russen widerstehen, zu Deinem eigenen Ruhme, der Du doch GenieDirector von Silistria bist, während Du recht wohl weisst, dass Du kein Dreieck von einem Quadrat zu unterscheiden verstehst."

"Wissen Sie, Herr Kamerad," fragte der französische Offizier in seiner Sprache, "was die Botschaft des Pascha's bedeuten soll?"

"Einen Ausfall, hoffe ich, es ist unbedingt nötig, dass wir uns Luft auf dieser Seite verschaffen. Ich wünschte, wir hätten dazu einige Compagnieen Ihrer Zuaven hier, von deren