Deine Mühe vergeblich, so siehe das Erbe als das Deine an. Besser in den Händen eines Dschaurs, als dieser tollen Weiber, deren Dienerin ich geworden bin. Allah beschütze Dich und gebe mir ein gutes Ende. Am fünften Tage des Monats Zilkadé, im Jahre Zwölfhundertundneunundsechszig21. Unterschrieben von Zulmah, der Frau des Melek-Ibrahim."
In dem Kästchen lagen ein Menge sehr wertvolles Geschmeide, Rosenkränze und Amulets, nebst einer nicht unbedeutenden Anzahl Goldstücke.
"Beim Henker!" sagte der kapitän, "ich möchte der Erbe der alten Verräterin sein. Schade, dass meine Abkunft auf der Mairie registrirt ist! Was wollt Ihr nun tun in der Sache, würdiger Kiradschia?"
"Was ich tun will, Signor Capitano?" fragte erstaunt der Bulgare. "Was kann ich anders tun, als meinem Freunde Ibrahim sein Eigentum zustellen. Es kann Sonnenstrahlen werfen auf die Tage seines Alters. Mögen die Märtyrer mir beistehen, dass ich ihm von seinem Sohne einst Kunde bringen kann!"
"Das möchte etwas schwer werden, alter Freund, nach achtundzwanzig Jahren und in dieser Völkerwanderung dreier Weltteile. Wer weiss, an welchem Galgen der Bursche längst hängt, oder wo er gespiesst worden. Ich rate Dir, mach' Dir keine vergebliche Mühe und Kosten, sie sind weggeworfen." "Wie Gott will," sagte der Kiradschia treuherzig und fromm. "Die Wege der Heiligen sind wunderbar, und ich werde sein Erbe bewahren. Lasst uns aufbrechen, Freunde." Nach wenig Augenblicken waren sie in den Sätteln und auf dem Wege nach Schumla. Hinter dem filmenden Gebieter ritt der Knabe Nursah und sein Auge hing mit seltsamem, fast zärtlichem Ausdruck an der Gestalt seines Herrn.
Fussnoten
1 Unsere Leser, denen nicht gleich eine Karte zur Hand ist, wollen sich erinnern, dass die in der Aufwärtsbiegung der Donau von Silistria zwischen dieser und dem Meer liegende Dobrudscha von Silistria ab durch folgende befestigte Punkte verteidigt wurde:
Rassowa, Tschernawoda, Hirso
wa, Matschin, Isaktscha, Tultscha. 2 Gouverneur. 3 Das türkische dolce farniente. 4 Lieutenant. 5 Die Janitscharen zerfielen in 4 Hauptabteilungen, deren jede eine Anzahl Orta's oder Unterabteilungen zählte. 6 Suppenkoch – der Hauptmann der Orta, so genannt, weil er die Suppe verteilte. 7 Eine Vorstadt Constantinopels auf der nördlichen Seite des Horns. 8 Gouvernement. 9 Artilleristen. 10 Die Hauptabteilung, bei der der Grossherr selbst als Janitschar eingeschrieben war. 11 Kaserne. 12 1826. 13 Der zweite Befehlshaber. 14 Sein Lieutenant. 15 Am 13. Juni. 16 Die Artillerie-Kaserne steht jetzt an dieser Stelle. 17 Die kupfernen Kessel, zum Kochen des Pillaw dienend, wurden zum Zeichen einer Versammlung der Janitscharen ausgestellt und ihr Verlust durch den Feind galt als Schimpf. 18 Befehl. 19 Name der Janitscharen, die in Constantinopel standen. 20 Aya-Sophia. 21 1. Juli 1853.
Der Kampf um Silistria.
Das Schlussspiel an der Donau sollte das zitternde Europa auf die Schreckenstragödie in der Krimm vorbereiten.
Silistria war das blutige Morgenrot der Tage von Sebastopol.
Wir haben die Uebergänge der Russen über die untere Donau nach der Dobrudscha und das Andringen der einzelnen Corps gegen Silistria unsern Lesern bereits gezeichnet. Einen kurzen Aufentalt gewährten die für die Türken nicht bloss glücklichen, sondern selbst glorreichen Gefechte von Kastelli, Küstendsche und Tschernawoda, das Letztere am 25. April; aber wie gross auch die Verluste und Opfer der Russen bei ihrer Besetzung der Dobrudscha waren, der fast allmächtige Wille, der dies Volk beherrscht und als blosse Masse für seine Zwecke verwendet, fragte nicht nach diesen Opfern, und die massen drängten, den Tod in den eigenen Reihen, vorwärts bis zum Trajanswall.
Die Anstrengungen und die Preise, welche die Besetzung der Dobrudscha forderte, waren kolossal. Ein ungeheurer Train von Kibitken und schweren Lastwagen musste den Truppen in dies wilde, nur vom flüchtigen Tataren und kosacken, den Adlern, den Trappen, den wilden Gänsen und Schwänen bewohnte Land folgen, auf dessen 200 Quadratmeilen kaum 20,000 Einwohner kommen, dem trotz der Sümpfe und Moräste das belebende Element des Wassers fast ganz zu fehlen scheint. So weit das Auge trägt, sieht man nirgends einen Baum oder Strauch; die stark gewölbten Hügelrücken sind mit hohem, von der Sonne gelb gebranntem Grase bedeckt, das der Steppenwind in Wellen schlägt; weite Strecken reitet man über die einförmige Wüste, bevor man ein elendes D o r f ohne Gärten, ohne Bäume, in einem wasserlosen Tal entdeckt. Der Mensch hat den Menschen aus jenen unwirtbaren Gegenden verscheucht, und sie sind dem Reich der Tiere anheimgefallen.
In ungeheuren Zügen kam und ging dieser Train, neue Provisionen holend und Hunderte von Verwundeten, Tausende von ruinirten Waffen, Monturen und Rüstzeugen zurückschleppend. Die Zahl der Verwundeten und Kranken überstieg zu Ende April bereits 2600, bei Karassu allein gab es über 500 Blessirte; die Zahl der toten betrug über 3000. In Braila, Gallacz und Reni wurden zu den bereits bestehenden sieben Lazareten neue improvisirt, so gut es gehen wollte. Die Ambülancen füllten sich Tag für Tag dermassen, dass die Transporte nach Hirsowa, Matschin und zum linken Donauufer täglich zwei Mal erfolgen mussten. Aber nicht bloss der Verlust an Menschenleben war ungeheuer, die Erfordernisse an Pferden, Bagage und Munition waren noch kolossaler.
Auf den Befehl des Feldmarschalls rückte zu Anfang Mai das Corps des General Lüders, am 6. Rassowa nach hartem Kampfe nehmend,