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Trotz, eine verlockende Beschreibung in den Moniteur einrücken lasse. Ich bin überzeugt, die Sitte findet in Frankreich Nachahmung."

"Gut für Ihre orientalischen Hilfstruppen, kapitän, dass es nur e i n Madara in der Türkei gibt. Sie könnte sonst ihr Capua finden, nach Ihrer eigenen Miene zu urteilen."

"Pahes sind wahre Teufelsweiber, eine pariser Grisette ist eine Vestalin dagegen. Aber sorgen Sie nicht, Doctor, unsere Soldaten werden aus den wohlverbarrikadirten Harems unserer werten Bundesgenossen Madara's genug zu machen verstehen, trotz aller Tagesbefehle des Marschalls. Tausend Donnerwetter, ich denke mir ein Regiment unserer Jäger oder der Zuaven in unser eben verlassenes Nachtquartier einmarschiren. He, Monsieur Kiradschia, alter Sünderwie ist's Euch ergangen in dieser Nacht?"

"Hast Du Etwas erfahren in Betreff des Auftrags Deines Freundes, des Janitscharen-Baschi's?" fügte der Arzt hinzu.

"Wenig genug, Signoris," sagte der Führer, "und dennoch hat uns das Gerücht nicht getäuscht. Das alte Weib von dem wir hörten, dass es in Madara gestorben, muss in der Tat das verräterische Weib Melek Ibrahim's, meines Freundes, gewesen sein. Sie war seit länger als zwanzig Jahren in Madara und muss mich oft dort gesehen haben, wenn ich sie auch nicht wieder erkannte; denn der Oda-Baschi hielt streng auf das geheimnis seines Haremliks und ich habe sein Weib nur in dichtem Schleier geschaut."

"Woher schliessest Du dies Alles?"

"Höre weiter, Signor. Das Weib hatte einen bösen Ruf, selbst in Madara, und war zänkisch und boshaft. Die jungen Frauen fürchteten sie wie den Teufel. Sie war schwer erkrankt und mochte ihr Ende fühlen, obschon sie zwanzig Jahre weniger zählt, als der Jenettschjeri, ihr Gatte. Ich weiss nicht, ob sie je erfahren hat, dass er gerettet wurde aus dem Gemetzel zu Constantinopel, aber ich vermute es jetzt, dass sie Kunde bekommen von unseren späteren Nachforschungen und deshalb sich nach Madara geflüchtet hat. Als der Tod ihr auf der Zunge sass, hat sie einen Schreiber aus der Nachbarschaft kommen und ihn einen Brief schreiben lassen. Diesen und ein Paket hat sie den Aeltesten des Dorfes übergeben, die sie mir aushändigen sollten, wenn ich wieder nach Madara käme. Also ist es geschehen."

"Zum Donner! die Sache wird ja ordentlich romantisch. Und was entält der Brief, Freund Kiradschia?"

"Gott weiss es, wie die Moslems sagen," entgegnete der Alte, "ich habe ihn noch nicht geöffnet, es hat Zeit, bis unsere Pferde Rast halten in der Mittagsstunde. Die Botschaft eines Unheils kommt immer noch früh genug, und was kann ein altes Weib anders bringen als Schlimmes!"

Mit diesem Trost mussten seine beiden gefährten sich denn auch begnügen bis zu der festgesetzten Zeit. Als sie in der brennenden Mittagssonne im Schatten riesiger Kastanienbäume an einer Quelle die Pferde fütterten und, im Grase ausruhend, ihr einfaches Mahl verzehrten, öffnete der Kiradschia sein in ein Lammfell gebundenes Paket.

Es entielt ausser dem erwähnten Briefe ein Kästchen von jener Art, wie sie in Constantinopel so vorzüglich gemacht werden. Der Schlüssel lag in dem Brief, dieser aber lautete:

"An Paswan, den Kiradschia, einen Bulgaren und in

Ewigkeit verfluchten Christen!

Vernimm meine Worte, o Paswan, der Du ein Freund meines Gatten warst und, wie ich vor Jahren gehört habe, ihn gerettet hast vor dem Zorne des Padischah und der Vernichtung der verfluchten Jenettschjeri. Auf Dein Haupt komme es. Ich weiss nicht, ob der Höllensohn noch lebt, aber ich glaube es nicht und setze Dich darum zu meinem Erben ein, statt dieser alten Weiber, die mich schlecht behandelt haben und nun nur behalten mögen, was wertlos ist. Ich habe Melek-Ibrahim, den Oda-Baschi gehasst und dies mit Recht, denn er hat mir viel Uebels getan, und die schlechte Sclavin war über mir in seinem haus, bloss weil sie ihm Kinder geboren hat. Wah! war ich nicht seine rechtmässige Freude? Er hat meine Rache empfunden. Nun aber will der Prophet, dass man Böses gut mache vor seinem tod und ich habe mich dazu entschlossen, da Eblis, der schlimme Engel, hinter mir sitzt. Ich habe den Kindern meines Gatten Uebles getan, aber das Schicksal wollte es so. Sie sind verkauft worden als Sclaven, Jussuf, der Knabe, der zehn Sommer zählte, auf ein maltesisches Schiff, das die Rosalba hiess, und ich weiss nicht, wo er geblieben ist. Aber der Wille Allah's kann Dich ihn finden lassen und ich sage Dir, dass er ein Kennzeichen hat, die Anfangsbuchstaben des Namens seines Vaters auf der linken Schulter, eingezeichnet mit einer Nadel und eingerieben mit Pulver und Salz, dass sie fortwachsen mit seinem Leben. Das Mädchen, Zuleika, zählte erst vier Jahre, und ich hörte, dass sie gestorben sei. Was aus ihrer Mutter geworden ist, weiss ich nicht, – Fluch über sie und die Gräber ihrer Eltern. Aber die Habe, die ich mitgenommen, gehörte nach dem Gesetz den Kindern meines Mannes, und so gebe ich sie Dir, o Kiradschia, von dessen Redlichkeit die Leute Grosses erzählen, obgleich Du ein Dschaur bist, damit Du sie dem Knaben wiedererstattest, wenn er sich finden sollte. Gott ist gross und in seiner Hand ruht Alles. Ist