um die Fremden gebildet hatten. Und wenn ein Tanz oder ein Lied beendet war, dann traten die Tänzerinnen und Sängerinnen näher zu den Gästen, knieeten nieder vor ihnen und breiteten ein weisses Tuch vor ihnen aus, in das Jene einige Piaster warfen; oder sie boten ihnen knieend Blumen zur Auswahl, und wenn die Hand der Wählenden glücklich die Blume getroffen, die sich die Darbietende zum Sinnbild erwählt, klatschte sie fröhlich in ihre hände und ihre schönen Gefährtinnen sandten ihr neidische Blicke zu.
An der Tür des bescheidenen aber zierlichen Hauses, das dem Deutschen zum Aufentalt bestimmt worden, stand der schwarze Knabe Nursah und schaute eifrig nach der Gruppe um seinen Herrn.
Sein Auge leuchtete mit einer gewissen Angst und Glut, – die Blume, die sein Herr zog, – das Jauchzen der Frauen, wenn er – was zwei Mal geschah, die richtige getroffen, schien wie ein scharfer Stahl durch sein Herz zu dringen, so zuckte die ganze Gestalt zusammen, und die kleine Hand presste fest in der ihren die welke des alten Weibes, das neben ihm stand und mit Luchsaugen die Vorgänge beobachtete, und bald anregende, bald beruhigende Worte dem Mohrenknaben in's Ohr flüsterte. Dazu klimperten die Finger der Alten lustig und gierig in ihrer tasche und der helle scharfe Klang verriet die Goldstücke.
Immer lustiger, immer munterer wurden die Kreise auf dem Platz. Der kapitän leerte seine Börse, um Putz und Schmuck sachen für die tanzenden und singenden Schönen zu kaufen, und die Mädchen und Frauen drängten ihm jubelnd die Blumen auf, ihm selbst die symbolischen Blüten in die Hand drükkend, dass der galante Franzose mit den duftigen Frühlingskindern wie überschüttet war. Die weissen hände der jungen Frauen und Mädchen kredenzten Wein in Schaalen und Bechern, den goldenen, süssen, milden Wein, der an den Höhen des Balkan und drüben auf den Hügeln der Walachei wächst, das dunkle Purpurblut von Gallipoli, den schwarzen Traubensaft vom Olymp, den milden Duft von Brussa oder das glühende Feuer von Chios und den Vulkanen Santorins. Und immer höher schwoll und stieg die Lust – bacchantisch rasten die Frauen, durch die schwarze Nacht summten leuchtend die glühenden lüsternen Käfer, aus dem Platanengipfel schlug die Nachtigal girrende, verlangende Töne, das Tambourin klang zum lustigen Tanze, die Düfte der Rosen, der Myrten und der hundert würzigen Kräuter verdichteten die Luft, – die bunten Papierlaternen, die den Gruppen geleuchtet, verloschen, – der Kiradschia war in sein Haus gegangen, – zwei Mädchen im Arm, das Kind eines Pascha's und das junge entwichene Weib eines alten Griechen, jubelte der kapitän und brüllte französische Opernarien und lockere Grisettenlieder, – stiller und stiller wurde es auf dem weiten Platz, – auf die ausgebreiteten Teppiche, in ihre Decken und Schleier gehüllt, lagerten die süssen Amazonen von Madara, oder legten ihr Haupt in den Gemächern und den Tschardaks auf weichen Polstern oder dem harten Holze zur Ruhe – stiller und stiller wurde es ringsum – nur einzelne verhüllte Gestalten nahten in der duftigen, warmen, üppigen Mailuft den vier Häuschen, die den Fremden zur wohnung angewiesen waren.
O, Madara, süsses phantastisches Madara, poetische Oase im Schmuz des Orients!
Lange schon hatte der Deutsche sich in sein Gemach zurückgezogen und ausgekleidet auf die weichen Kissen geworfen, die sein Lager bildeten. Er hatte es kaum bemerkt, wie sorgfältig die Jalousieen geschlossen waren, wie tiefes Dunkel rings um ihn herrschte, als er die Lampe ausgelöscht.
Er wusste, was folgen würde, er kannte jetzt die gesetz und Gebräuche der seltsamen Republik und er war kein prüder, engherziger Tugendprahler, der sich den Sitten und Gebräuchen des Landes entzog. Durch seine Adern rollte feurig und kräftig das unverdorbene Blut, die Phantasie malte ihm süsse köstliche Bilder des Naturgenusses und vor ihm gaukelten die dunkeln, feurigen, mandelförmigen Augen, die schmachtend in die seinen gesehen, die Reize, die zum ersten Male ihm unverhüllt erschienen waren.
Leise Schritte schlürften heran, ein Flüstern vor der Tür ward laut, dann hörte er, wie der Besuch die klappernden Pantoffeln als Zeichen der Anwesenheit vor der Tür stehen liess und hereinschlüpfte in das mysterienvolle Gemach.
Die Tür ward verschlossen, alles dichte Finsterniss, dichtes geheimnis ringsum.
Ein betäubender Rosenduft erfüllte die Luft des Gemachs – ihm war, als hörte er das wogende Atmen eines Busens, den leisen sehnsüchtigen und dennoch ängstlichen Seufzer, der über halbgeöffnete Lippen quoll.
Er hatte sich halb aufgerichtet auf dem Lager – seine Pulse wogten fieberisch!
Sein halb erstickter Ruf verkündete seine Erregung, – im nächsten Augenblick warf sich ein voller, weicher, warmer, üppiger Körper an seine Brust, zärtliche arme umfingen ihn, heisser Odem mischte sich mit dem seinen und glühende trunkene Lippen pressten ihm den Mund.
Dazwischen aber klang es wie leises Weinen und ängstliches Schluchzen.
Aber der Sturm der leidenschaft, der erregten Sinne liess ihn Nichts achten und hören, als deren glühende Befriedigung; Brust an Brust, Lippe auf Lippe sanken sie in die Kissen.
Er verwünschte das Dunkel der Nacht, das ihn hinderte, die leuchtenden Augen, die süssen Züge zu sehen, aber er wusste, dass sie jung und schön war, denn nur Jugend und Schönheit tragen den Hauch und Duft der Liebe. Voll glühender Zärtlichkeit umschlangen ihn ihre arme und dennoch fühlte er, wie er sie in den seinen hielt, dass sie zitterte in Schaam und Angst.
So vergingen die Stunden – wie Minuten flogen sie ihm dahin. Zwei Mal