und unterwarfen die Gefangenen den furchtbarsten Leiden. An Pfähle gebunden, der Kleider grösstenteils beraubt und bei dem Mangel an Lebensmitteln im Lager selbst oft die notdürftigste Nahrung entbehrend, mussten sie die kalten Wintertage und Nächte zubringen. Der Brand trat bei Vielen alsbald zu den Wunden und endete ihre Leiden. Es ist historisch, dass einem Bruder des Wojwoden d a s B e i n a b f r o r . Der Wojwode selbst starb im März an den Folgen der erlittenen Behandlung. In einer Nacht war es jedoch vier der Gefangenen, darunter den beiden Freunden, gelungen, während eines furchtbaren Unwetters zu entfliehen und sie gelangten durch das österreichische Gebiet glücklich zu den Ihren, wo ihnen jedoch nur kurze Erholung gegönnt war; denn der Kampf wütete auf allen Seiten und sie nahmen alsbald wieder teil an demselben und rächten die Leiden ihrer Gefangenschaft bei dem siegreichen nächtlichen Ueberfall an der brücke Uzicki Most und bei Frutack, wo die Türken über 500 Gefangene, 400 tote und eine grosse Beute mit der Kriegskasse selbst verloren. Im Gedräng des Kampfes waren hier jedoch die Freunde von einander gekommen, und Gabriel der Zagartschane, von seiner heimischen Pleme in der KatunskaNahia also genannt, fiel auf der eifrigen Verfolgung der Feinde nach Spuz, am Bein verwundet, in ihre hände und wurde von dem Heere auf dem Rückzug nach Scutari mitgeschleppt, während seine Waffengefährten glaubten, dass er im Kampfe geblieben. Grivas, dessen Suchen nach der Leiche des Freundes vergeblich gewesen, brachte die traurige Kunde seiner Frau, die während des Zuges nach Grahowo zu ihrer Familie in der Nahia Rietschka zurückgekehrt war. Nur der Ruf der bewiesenen Tapferkeit und Aufopferung schützte den jungen Griechen hier vor Schmach, da er ohne sichtbare Beweise vom tod des Blutbruders und der für ihn geübten Rache heimgekehrt war. Dennoch sah er sich überall von missachtenden Blikken angeschaut und kehrte bald zurück nach Cetinje, wo er im Stabe des Fürsten mit seinen auf der Militairschule zu Aten erworbenen Kenntnissen schon früher Hilfe geleistet. Plötzlich, gegen das Ende des Monats Juni, rief ihn eine Botschaft der witwe des Freundes zurück nach der im unwirtbarsten Gebirge belegenen Kula19 des alten Martinowitsch. Zu seinem freudigen Staunen vernahm er hier die Nachricht, dass ein aus Scutari wegen eines begangenen Todtschlags geflüchteter Arnaut der Familie, um sich bei ihr die Gastfreundschaft zu sichern, die Kunde gebracht hatte, dass Gabriel am Leben und unter den Gefangenen in Scutari sei. Die Familie hatte alsbald die heilige Pflicht geübt, dem Blutbruder als dem Nächstverpflichteten Kunde zu senden, und Grivas war sogleich bereit, das Werk der Befreiung zu wagen. Eine Tscheta aus den engeren Mitgliedern der Familie wurde hinab zum See von Skadar beschlossen und man lagerte bereits seit acht Tagen auf einer der von den Montenegrinern den Türken entrissenen Inseln des prächtigen Gewässers. Von hier aus hatte der junge Grivas bereits ein Mal sich nach Scutari gewagt, um das Terrain zu recognosciren, denn offenbar konnte hier zur Befreiung des Gefangenen nur List, nicht Gewalt helfen.
In der Tat war es ihm auch durch die Andeutungen, die der Arnaut und der Beg ihm gegeben, gelungen, sich über das gefängnis des Freundes zu orientiren, und glücklich kehrte er wieder zu den Genossen zurück, um mit ihrer Hilfe die Befreiung selbst zu versuchen. –
Nachdem das Mahl eingenommen, waren die Vorbereitungen zur Abfahrt des verwegenen Abenteurers, der auch dies Mal die Fahrt allein unternehmen sollte, bald getroffen. Unter der Fustanelle20 trug er einen langen, mit Knoten und Haken versehenen Strick um den Leib, ein Feile und ein scharfes Messer in den Gamaschen der Füsse eingeknüpft, im Gürtel die gewöhnlichen Waffen der Albanesen. Während der einäugige Greis mit dem Moslem hinunter ging zum Ufer, den schmalen Kahn vom Segelboot zu lösen, in dem die Gesellschaft gekommen war, trat Stephana zu dem jungen Mann.
"Der heilige Johannes schütze und segne Deine Fahrt und Dein Unternehmen, Nicolas Grivas," sagte sie feierlich. "Gern möchte ich an Deiner Seite stehen, und wahrlich, ich wollte Dir kein schlechter Beistand sein im Augenblick der Gefahr, aber ich fühle, meine Gegenwart könnte Alles verderben. Doch hilft List und Mut oft nicht allein, wirksamer als Kugel und Stahl ist das gelbe Metall. Hier, Freund meines Gatten, nimm, was mein davon ist. Ohne den Teuren nützt mir der Schmuck Nichts; gewinne ich ihn wieder, so ist er mein bester Schmuck. Nimm!"
Sie drang ihm eine jener Schnuren von zusammengereihten kleinen Goldmünzen auf, welche die slavischen Frauen so häufig zum Schmuck des Hauptes benutzen und in die Haare flechten. Grivas fühlte die Wichtigkeit der Gabe für seinen Zweck und nahm sie dankend.
"Noch Eines frage ich Dich," fuhr Stephana fort und legte freundlich die Hand auf seine Schulter. "Vertraue mir, der Frau, was Dich sichtlich drückt, seit Du von Skadar zurückgekehrt bist. Hast Du Etwas Schlimmes von Gabriel, meinem Gatten, erfahren, oder ist die Vermutung des Khan wahr und hat die Liebe Dein Herz getroffen?"
Der junge Mann bedeckte die Augen mit der Hand. "Liebe, Stephana? ich weiss es nicht, aber wenn es die Liebe ist, so muss sie etwas Schreckliches sein. O, dass ich Dir diese Augen beschreiben könnte, die ich nur ein einzig Mal geschaut und die sich für ewig glühend in mein Gehirn gebohrt haben, dass ich nicht mehr fühlen und denken kann. Kennst Du die grauenvolle Sage Deiner Heimat vom Vampyr, Frau, der