Gassen des Griechenquartiers bis zu dem Schuppen eines Handelsfreundes. Dort verbarg er mich zwischen Ballen und Koffern.
Es war ein böser Tag, den ich da zubrachte, und wohl zehn Mal wollte ich mich herausstürzen, um das Verderben meiner Brüder zu teilen, das noch immer, gleich dem schwarzen Engel, seine Flügel über Stambul breitete. Ich hörte das Umherziehen der Würgerschaaren, wie sie die Häuser erbrachen, um die versteckten Ienettschjeri aufzusuchen, und das Geschrei der Weiber und Kinder. Christen, an diesen drei Tagen, denn ich blieb zwei Tage und zwei Nächte in meinem Versteck, waren achtzehntausend Ienettschjeri im Kampf umgekommen und hingerichtet worden. Der Scheik ul Islam hatte durch einen Fetwa den Fluch aus unser Geschlecht geworfen.
Zwei Mal im Laufe der zwei Tage erschien Paswan in meinem leichten Versteck, aus dem er ohne Gefahr mich doch nicht fortführen konnte, wusch meine Wunden und brachte mir Nahrung. Mein Herz dürstete aber nur nach Kunde von den Meinen. Endlich am dritten Morgen kam er und sein Auge war trübe, sein Antlitz bleich.
'Freund Ibrahim,' sagte er zu mir, 'die Stunde ist da, wo Du zeigen musst, dass Du ein Mann bist. Ziehe diese Kleiner an, färbe Deine arme und Dein Gesicht mit dieser Schwärze und lass mich Deinen Bart abschneiden. Die Soldaten des Grossherrn halten scharfe Wache und ein Zucken Deines Auges kann mich verderben, wenn Du nicht genau meine Worte erfüllst.'
Aber meine Frauen und meine Kinder! Ich schwöre bei meinem Bart, dass ich Stambul nicht verlassen will, wenn ich nicht zuvor mein Haus wieder gesehen." –
"'Wenn Du bei den Kesseln der Orta gelobst,' entgegnete Paswan, 'dass Du damit zufrieden sein und erst weiter forschen willst, wenn wir Stambul im Rükken haben, soll Dein Verlangen erfüllt werden.' –
Ich gelobte und litt geduldig die Schmach, dass der Christ meinen Bart abschor und mir die Kleidung eines schwarzen Sclaven anlegte. Dann führte er mich heraus aus meinem Versteck und bis zu einem entfernten hof, in dem zwei beladene Pferde standen, nebst zwei anderen für uns bestimmt. Wir schwangen uns in die Sättel und nahmen Jeder den Zügel eines der Packtiere; so ritten wir auf die Strasse.
Es war ein schlimmer Anblick für mich. Auf den Plätzen, über die wir kamen, sah ich überall die abgeschlagenen Köpfe meiner Brüder aufgesteckt und hörte die Verwünschungen des betrogenen Volkes gegen uns. Meine Eingeweide zitterten, als mein Freund zur Strasse einbog, die zu meinem haus führte. Ein blick von ihm mahnte mich zur Vorsicht, aber obschon ich ein Mann war und in Schlachten geprüft, schrumpfte mein Herz zusammen, als ich von Ferne vieles Volk um die Stätte versammelt sah, da mein Haus gestanden hatte. Denn meine Augen suchten vergeblich nach ihm, es war von der Erde vertilgt und nur eine Brandstätte noch, von der der Dampf empor qualmte. Zwischen den rauchenden Trümmern stand auf einer Stange eine Tafel mit den Worten:
'Melek-Ibrahim, der Oda-Baschi der verfluchten Ieuettschjeri, ist verflucht mit Allen seines Geschlechts!'
Das Kismet hatte mich schwer getroffen und ich wollte mich herabstürzen vom Pferde und die Asche meines Glückes streuen auf mein Haupt, aber Paswan war an meiner Seite und mahnte mich an mein Gelöbniss, und seine Hand fasste die Zügel meines Pferdes und führte mich davon. Inshallah! es war mein Schicksal und das Unglück über mir. Erst als wir die süssen Gewässer hinter uns hatten und auf der Strasse von Edrene davonritten, die wir bald wieder in's Land hinein verliessen, um aller Verfolgung zu entgehen, erzählte mir der Bulgare von dem Schicksal der Meinen. Die Khanum, die ich an meinem Herzen gehabt, mein rechtmässiges Weib, war der Teufel gewesen, der mein Glück zerstört hatte. Schon lange hatte sie still in der Brust, ohne dass ich es bemerkt, Eifersucht und Hass getragen gegen die griechische Sclavin, die mir zwei Kinder geboren, und als die Verfolgung der Jenettschjeri begann und sie wusste, dass sie Nichts von mir zu fürchten hatte, da war sie davongegangen und hatte mich angeklagt als heimlichen Christen und die Würger selbst in mein Haus geführt. Die Mutter meiner Kinder hatten die Henker als Sclavin verkauft, meine Diener waren verjagt und meine Kinder verschwunden, verkauft vielleicht auf einem fernen Slcavenmarkt, trotz des Propheten Gebot, und Keiner wusste ein Wort von ihnen zu sagen, ich war ein entblätterter Stamm.
Was soll ich weiter sagen – mein Schicksal ist besiegelt. Mein Retter führte mich glücklich durch den Balkan und ich fand Schutz bei Mollah-Pascha, dem Vali von Widdin, der den Jenettschjeri heimlich Freund war und gegen die Neuerungen des Grossherrn kämpfte. Aber der Würger meines Stammes selbst kam in's Land, Hussein ward vom Sultan zum Dank für die Vernichtung meiner Brüder zum Pascha von Widdin gemacht und ich musste nochmals fliehen aus meinem Spahilik vor meinem grimmigsten Feinde. Wiederum war es Paswan, der mir die Kunde der Gefahr brachte und mich zu seinen Verwandten in's Gebirge führte. Mein Schicksal wollte es, ich habe mit ihnen gefochten gegen die Krieger des Grossherrn, bis ich alt geworden bin und das, was Ihr von mir sehet. Ich werde bald eingehen zum Paradiese des Propheten, denn siebenzig Winter liegen auf meinem haupt, aber, wenn ich ihrer noch siebenhundert lebte, das Herz Ibrahim's, des Jenettschjeri, würde dankbar bleiben für Paswan