Viele und sie umgaben das ganze Haus mit einer langen Reihe.
Wir hatten zwar Waffen, die Pistolen in unseren Gürteln, die Flinte auf unserm Nacken – aber das Pulver hatte man längst aus den Oda's geholt und es blieben uns wenige Schüsse zur Verteidigung des Lebens.
Man forderte uns auf, einzeln herauszukommen und die Waffen abzulegen. Viele von uns glaubten ihnen und gingen heraus, aber als sie entwaffnet unter ihnen standen, fielen die Topschi's über sie her und schnitten ihnen die Köpfe ab.
Da beschlossen wir zu sterben – tausend tapfere Krieger, tausend Männer voll Kraft und Mut!
Wir schlugen auf die Becken und häuften Kot auf die Gräber ihrer Väter. Darauf befahl Hussein-Aga, der Verräter, der selbst herbeigekommen, Feuer anzulegen an die Oda des Buluk.
An vier Seiten wurde das Feuer gehäuft und die rote Flamme stieg lustig in die Höhe, wie grimmig wir auch gegen die Mordbrenner kämpften. Viele versuchten, aus den Fenstern zu entkommen, aber die Kugeln und die Bajonnete unserer wachsamen Feinde tödteten sie. Immer unerträglicher wurden die Hitze und der Qualm, und die Flammen füllten jeden Raum. Gar viele tapfere Ienettschjeri gingen im Feuer in des Propheten Schooss.
Dann räumten wir selbst die halbverbrannten Balken fort, mit denen wir das Tor verrammelt, und öffneten weit die Pforte. Ein dichter Haufe von Kriegern ergoss sich hinaus, um den Weg der Rettung mit dem Säbel in der Faust sich zu bahnen. drei Mal versuchten wir es, drei Mal warf der Strom der Kartätschen aus ihren Geschützen den Strom der Menschen zurück und hohe Wälle von Leichen türmten sich vor dem Tore.
Ein altes Gesetz heisst die Ienettschjeri drei Mal gegen den Feind anrennen. Als wir es zum dritten Male vergeblich versucht, ohne dass Allah uns Sieg und Rettung gegeben, fügten die Meisten sich in das unabänderliche Schicksal und erwarteten ruhig das Ende.
Denn die Mörder wollten uns nicht lebendig, und während die Mauern umher brannten, sandten fort und fort die Kanonen ihren eisernen Hagel durch das Tor und die züngelnden Flammen.
Aman! Aman! In Bergen lagen die Leichen umher und der Gestank der verbrennenden Leiber und die Hitze waren fürchterlich! –
Was soll ich noch sagen? – Wir waren unserer an Zwanzig, die sich im Schutz einer Mauer im inneren des Hofes zusammengefunden, Viele, darunter auch ich, zu Pferde, wie wir in die Kaserne gekommen. Wir beschlossen, fechtend zu sterben oder uns durch die Feinde zu schlagen, und als das Feuer der Kanonen einen Augenblick schwieg, brachen wir durch ein Seitentor über Leichenhaufen und Trümmer hervor. Rauch und Qualm umgab uns und wir waren mitten unter ihnen, ehe sie es wussten. Was soll ich Euch erzählen von dem Schlachten, das erfolgte, – Mashallah! es war ein Meer von Blut, von blitzenden Säbeln, von Bajonneten und pfeifenden Kugeln um mich her, – was kann ich sagen? als ich wieder von mir selbst wusste, jagte ich über die Felder von Demetri mit einer tiefen Wunde in der Schulter, ohne Mütze und Waffen, und um mich war Nacht, nur in der Ferne erhellt durch die Feuerströme gegen Himmel, in denen der Grossherr die alten Stützen seines Reiches verbrannte. Auf dem Campo zwischen den weissen Gräbern stürzte mein Pferd – Bismillah! – es war ein treues Tier und hatte mich aus der Gefahr getragen. Ich setzte den Weg zu Fuss fort nach meinem haus – und es war mein Glück, dass Angst und Furcht noch alle Türen und alle Fenster verschlossen hielt. Der Morgenstern begann bereits zu erlöschen, als ich in die Nähe meiner wohnung kam, aber ich war so schwach, dass ich auf einen Stein niederfiel. In der Ferne hörte ich wilden Lärmen durch die Strassen und meine Eingeweide erzitterten. Da stand plötzlich ein Mann vor mir und rief meinen Namen. Ich wusste, dass ich verloren und beugte mein Haupt dem Todesstreich. Aber eine freundliche Hand half mir empor und zog mich fort. Es war Paswan, der Kiradschia, der jetzt an meiner Seite sitzt. Sein Haar war damals schwarz, seine Haut jung und glatt, und obschon er ein Dschaur war, hatte er doch das Herz eines Gläubigen."
Der greise Janitschar unterbrach seine Erzählung und nickte freundlich mit dem Haupt nach dem Genannten.
Dann fuhr er fort:
"Zwei Jahre vorher hatte das Kismet es gewollt, dass ich dem Kiradschia begegnete und ihn aus der Hand schlimmer Albanesen befreite, die seine Waaren in Beschlag genommen und ihn tödten wollten eines Zankes halber. Seitdem waren wir Freunde geblieben und er kam zu mir, so oft seine Geschäfte ihn nach Stambul führten.
'Unglücklicher, wo willst Du hin?' fragte mich mein junger Freund, 'weisst Du nicht, dass Tod für Dich lauert aus jedem Schritt?' – 'So will ich Abschied nehmen von den Meinen und sterben. Der Zorn des Würgers ist über uns.' – 'Komm,' sagte Paswan, 'ich werde Dich retten. Man wird die Häuser aller Ienettschjeri durchspähen und Dein und der Deinen Verderben wäre dann sicher. Ich war bereits an Deinem haus, um Dich zu warnen, und will Dir jetzt helfen, da Gott Dich bewahrt hat.' –
Er verband, so gut es ging, an der einsamen Stelle, an der wir uns befanden, meine Wunde, hüllte mich in seinen Mantel und setzte mir seine Mütze auf. So führte er mich in die engen