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dem widerstanden und man ihm fälschlich hinterbracht, dass Viele aus den Orta's der Buluk10 den Glauben des Propheten schmähten und heimliche Christen wären."

"Fluch über die Gräber der Lügner!"

"Ich wohnte, wie ich gesagt, im eigenen Haus, wie viele meiner Brüder, und nicht in der Oda11 unsers Corps. Aber täglich war ich bei meiner Orta und wusste, was vorging. Es war im selben Mond, den wir jetzt schreiben, im Jahre Zwölfhundertundvierundvierzig der Hedjira12, als der Bluttrinker die neuen Krieger machte, die man Askeri-Muhammedije nannte. Wir sollten unsere Kaserne hergeben oder Alle in ihr wohnen, keine Reisskuchen mehr vor den Toren des Divans erhalten, und andere Führer haben, als die wir selbst erwählt.

Der Aga der Ienettschjeri war ein Verräter, ohne dass wir es wussten, unb er hatte uns dem Hunkiar längst verkauft, bevor wir es ahnten. Aber der Kjetchuda-Bei13 Mohamed und sein KulKjetchuda14 waren treue Ienkridschari's und standen zu uns mit ihrem Blut. Es war am Abend des dreizehnten Tages im Monat15, als ich zu meiner Oda vor dem Tore von Pera kommend, das nach Terapia führt16, die kupfernen Kessel ausgehängt und die Männer des Buluk in wilder Aufregung fand17. Ein Hat18 war verkündet worden, worin uns Hussein-Aga befahl, die Waffen, die wir schon längst nicht mehr tragen durften in den Strassen Istambols, abzuliefern in's Arsenal, und dass ein Jeder sich einschreiben lassen solle in die Bataillone der Askeri-Muhammedije, oder keinen Sold empfangen werde, wie Sultan Orkan seligen Andenkens doch bestimmt hat. Da zerrissen wir unsere Jacken und schwuren bei den Kesseln, dass wir den Schimpf und die Unterdrückung nicht länger dulden wollten. In allen Oda's Constantinopels waren die Koridschi's19 diese Nacht versammelt und es gingen und kamen Boten von einer zur andern. Als der grosse Halbmond der Aya20 gerötet war vom ersten Sonnenstrahl, da zogen von allen Seiten herbei die Orta's: die Zagrandschi's oder Aufseher über dir Hunde, die Samsondschi's, die Aufseher über die Bullenbeisser, die Tumandschi's, die Wächter der Windhunde und Falken, und die Orta's der Sumangs, der Schützen. Am Platz der Oda, welche der gesegneten Moschee des Fürsten Schekzade gegenüberlag, stiessen die Orta's zusammen und die Strassen waren von mehr als zwanzigtausend Ienettschjeri's gefüllt. Dann erhob sich eine stimme aus der Menge und rief uns auf, zum Palast des Hussein-Aga zu ziehen, der uns verraten, und von ihm unsere Rechte zu fordern. Der Palast lag unsern des Turmes der Feuerwächter und wir zogen dahin und zerstörten ihn, bis er der Erde gleich war. Dann nahmen wir den Weg gegen das Serail und lagerten vom Horn bis zur goldenen Pforte und forderten Gerechtigkeit von dem Grossherrn.

Wir waren die Herren von Constantinopel, aber wir waren Kinder in unserm Willen und Staub vor dem Hauch der Verräter. Die Boten des Sultans erschienen vor uns und verkündeten uns, dass alle Beschwerden untersucht und abbeholfen werden sollten, wenn die Orta's sich in ihre Kaserne zurückziehen und dort verhandeln wollten. Wir glaubten den Versicherungen lind gingen, die Becken schlagend, nach unseren Oda's zurück, obgleich Viele von uns ein bedenkliches Gesicht machten, denn wir wussten, dass die Topschi's, unsere Feinde, bereit standen, und die Schiffe des Kapudan, mit dessen Galiondschi's wir stets in Streit lagen, hatten sich vor die Stadt gelegt. Dennoch gehorchten wir dem Befehl unserer Führer; Fluch dem Teufel, der uns blendete, es war unser Verderben. Das Schicksal wollte den Untergang der Ienettschjeri's.

Während wir in den grossen Höfen der Oda's lagerten, kamen Boten des Grossherrn zu uns und redeten mit uns, Bismillah! Einer so und der Andere anders, Alles Wind, was von ihren Lippen kam. Sie sollten uns nur hin halten, bis die Mörder bereit waren: was kann ich sagen, – sie brachten uns einen Sack voll Lügen und auf dein grund war der Tod.

Auf dem Atmeidan hatte der Sultan indess die geheiligte Fahne des Propheten erhoben gegen die Ienettschjeri's, und das Volk glaubte der Verläumdung, dass wir heimliche Christen wären, und war gegen uns. In grossen Haufen zogen sie heran, an ihrer Spitze die Topschi's mit den Kanonen, und der Scheik ul Islam schleuderte seinen grimmigsten Fluch gegen unsere Häupter.

Zu spät sahen wir ein, dass wir Toren gewesen und wir beschlossen, wenigstens als Männer zu sterben. Ich habe nicht das Verderben meiner Brüder in Stambul geschaut, wie sie niedergemetzelt wurden, gleich einer Heerde von Schlachtvieh, aber wir hörten das Geheul der Schlächter bis zu uns dringen auf den Höhen der Griechenstadt. Durch die Strassen Stambuls stoss das Blut in roten Strömen und auf dem Atmeidan, der so oft unsere Spiele gesehen, lagen die Leichen der Tapfern hoch übereinander, und das Volk spie sie an und verunreinigte die Gräber ihrer Väter.

Inshallah! es war um die Stunde, da der Imam am Abend den Azam vom Minaret singen soll, – aber es dachte Niemand der heiligen Pflicht, – als die Würger sich gegen uns kehrten. Wir hatten selbst das grosse Tor der Oda verrammelt und hielten uns in den Gemächern und auf dem Hof, als sie vier Kanonen herbeiführten und vor dem Tor aufstellten. Schande, Schande! es waren ihrer