mit einander spielten. Wir berieten, ob wir nicht lieber mit diesem Fang uns begnügen und eilig das Weite suchen sollten, und waren schon dazu entschlossen, als uns ein leises Brummen vom fuss des Felsens herauf die Gewissheit gab, dass die Bärin in der Nähe und uns also der Rückweg abgeschnitten war. Es blieb uns demnach Nichts übrig, als an unserm ersten Plan festzuhalten und nach der Bärin zu schiessen. Wir sahen uns zunächst nach einer geeigneten Stelle um, von der wir unbemerkt das Tier belauschen und unseren Schuss anbringen könnten, und glaubten eine solche hinter einem Felsblock gefunden zu haben, an dessen Seiten ein junger Wallnussbaum in die Höhe wuchs. Schon vorher war grosser Streit zwischen uns gewesen, welcher von uns Beiden den gefährlichen Schuss tun solle; ich behauptete, das Anrecht darauf zu haben, weil ich das Gewehr geschafft, Weliko dagegen, weil er Pulver und Blei geliefert und der Aeltere war. Trotz unserer wenig sicheren Lage zankten wir uns daher jetzt auf's Neue, als plötzlich ein lautes Brummen, eben nicht mehr sehr weit von uns entfernt, dem Streit ein Ende machte, und ich erschrocken das Gewehr fahren liess, das in Weliko's Händen blieb. Wir waren kaum hinter das Felsstück gekrochen, als wir von der anderen Seite die Bärin herauftraben sahen, die zuerst nach ihren Jungen ging, gleichwie eine Baba besorgt nach den Kindern schaut, dann aber schnüffelnd auf unsern Versteck zukam. Ich rief Weliko zu, fest zu zielen und sich nicht zu übereilen; doch die Furcht mochte ihn in diesem Augenblicke auch wohl stark erfasst haben, und die Trombole entlud sich alsobald mit einem grossen Knall und mit einem durch die unvernünftige Ladung so heftigen Stoss, dass er uns Beide, die wir dicht an einander kauerten, zu Boden warf. Der Bär zuckte zusammen und hob sein linkes Vorderbein in die Höhe, das von dem, Schuss ganz zerschmettert war; ausserdem hatten wir ihn aber auch nicht weiter verletzt. Zugleich sprang Weliko auf, warf die Flinte von sich und begann so eilig als möglich das Felsstück und den jungen Wallnussbuam hinaufzuklettern; ehe ich aber noch aufstehen und ihm folgen konnte, war das Tier bereits zur Stelle und hob sich an den Hinterfüssen an dem Baum empor. Sie können denken, dass dies nicht wenig dazu beitrug, die Schnelligkeit meines Vetters zu vermehren, der mich so kläglich im Stiche liess. Meine Lage war in der Tat schlimm genug, denn jede Bewegung musste sofort die Aufmerksamkeit der Bestie aus mich ziehen. Der Bär gab auch bald den Versuch auf, den Baum zu erklettern, wahrscheinlich, weil er mit seiner zerschossenen Pranke nicht fort konnte, und er wandte sich nun gegen mich. In diesem Augenblicke, Gott allein weiss es, wo ich ganz rat- und hilflos war, fuhr mir plötzlich die oft gehörte Erzählung durch den Sinn, dass der Bär nie einen toten odemlosen Menschen berühren soll, und indem mich das Tier bereits mit der Schnauze anstiess, beschloss ich, mich tot zu stellen und hielt den Atem an. Die Bestie stellte sich nun quer über mich und begann mich von oben bis unten zu beschnüffeln. Ich konnte, indem ich die Augen geschlossen hielt, den heissen Atem des Tieres und seine feuchte kalte Schnauze auf meinem Gesicht fühlen, und mir mit Anstrengung aller Willenskraft gelang es mir, die Augen geschlossen zu halten. Schon fing die Kraft, den Atem zu halten, an, mir auszugehen, als ich mich plötzlich von der gesunden Tatze der Bestie gestossen und mich um und um gerollt fühlte. Dies wiederholte sich mehrere Male, bis mir die Luft völlig ausging und ich es nicht länger auszuhalten vermochte. Ich öffnete daher zugleich Mund und Augen und sah mich zu meinem Entsetzen dicht am Abhange des Felsens, der hier in einer fast senkrechten Wand wohl über 50 Ellen tief in eine Schlucht fiel. Das boshafte Tier hatte, keinen Atem an mir spürend und dennoch misstrauisch, versucht, mich mit seiner gesunden Tatze an den nahen Abhang zu rollen und gab mir eben den letzten Stoss, der mich hinunter werfen sollte. In der Todesangst fasste ich zu und ergriff im Fallen glücklich die wunde Klaue der Bärin. Der Ruck meines Falles war so heftig, dass ich meinen dicht am Abgrund stehenden Feind mit hinunter riss und er nur noch Zeit hatte, sich mit der rechten gesunden Klaue an einer vorlaufenden Wurzel des Randes festzuklammern. Er brüllte grimmig vor Schmerzen in dem wunden Bein, an dein ich mich festielt, und versuchte vergeblich, nach mir zu schnappen, oder mit seinen Hinterfüssen an der glatten Felswand einen Halt zu fassen; während dem gelang es mir, mit den Beinen und Armen den rücken des Bären zu umklammern, und so einen bessern Halt zu gewinnen. Ich rief Weliko aus allen Kräften zu, mir zu Hilfe zu kommen, sah ihn aber nur von dem Wipfel seines Baumes herunterrutschen und hörte ihn dann eilig davonlaufen, ohne auch nur den geringsten Versuch zu machen, mir in meiner gefährlichen Lage beizustehen. Der Bär bemühte sich nun, mit seiner linken Pfote gleichfalls den Felsrand zu fassen, doch liess ihn der Schmerz der zerrissenen Muskeln nicht dazu kommen. Dagegen sah ich, dass seine Kraft unmöglich lange die doppelte Last an einer Tatze würde tragen können und glaubte uns Beide in wenig Augenblicken schon zerschmettert auf dem grund der Schlucht. Meine Augen rollten in der verzweifelten Lage hilfesuchend umher, als sie plötzlich etwa 6 Fuss unter mir und etwas zur Seite