, Suliman-Pascha erstürmte Radowan, so dass Ende des Monats die Türken Herren des grüssten Teils der kleinen Walachei waren. –
Am 27. April war Fürst Paskiewitsch in Kalarasch eingetroffen und die Bewegungen zur Cernirung von Silistria, in der letzten Hälfte des April von General von Schilder begonnen, concentrirten sich. Nachdem die Verbindung zwischen Kalarasch und den Donauinseln hergestellt worden, beschossen die Russen die türkischen Uferbatterieen und die türkische Flotille vor Silistria. Die Festung, die zwar 179 Geschütze, aber keine Feldbatterie zur Disposition hatte, wurde von Mussa-Pascha anfangs mit mir 9000 Mann verteidigt. Der Sirdar eilte daher, Verstärkungen von Schumla her hinein zu werfen und ein teil der Corps aus Kalafat und Widdin wurde zum Ersatz eilig herangezogen.
Am 3., 4. und 5. waren bereits Truppen der Westmächte in Varna eingetroffen.
Nachdem wir hiermit die Kriegsereignisse im Allgemeinen bis zum Mai nachgetragen, nehmen wir den Faden unserer Erzählung wieder auf. Es war in der ersten Hälfte des köstlichen lieblichen Mai, des Wonnemonds, von dessen Wonne und Köstlichkeit wir Nordländer gewöhnlich Nichts erfahren und von dein wir allein die Erinnerung haben, dass der Hexentag auf dem Blocksberg ihn eröffnet.
Anders ist es im Süden – da quellen die Wonnen wirklich aus Busch und Strauch, von Matte und Baum, von Tal und Berg, da öffnet die natur in voller Milde und Lieblichkeit den Busen, und der balsamische Hauch des neuen Blumenlebens, die milde Luft des blauen himmels schwellt die Herzen.
Der helle Mondschein goss sein Licht über eine rauhe wilde Gegend am Pass nach Ternowo aus der Höhe des Gebirges. In tiefen Uferwänden sprudelte ein lebendiger kleiner Gebirgsfluss, – üppiges Rankengewächs überdachte die springende von Stein zu Stein fallende klare Flut, kolossale Felsblöcke rahmten das Ufer ein und zogen sich bis zur hohen Basaltwand, die, mit dichtem Gesträuch bekleidet, emporstieg. Ahorn-, Wallnuss-, Feigen- und Maulbeerbäume, umrankt und verbunden durch den kleinblättrigen wilden Wein füllten mit ihrem frischen Laub die Umgebung, und ihre Blätter zitterten und spielten in phantastischen Effecten, bald im Mondstrahl, bald im langen Lichtschein, der von einer Stelle zwischen zwei mächtigen Feldstücken hervorbrach. Dort lagerte um ein Feuer eine bunte Gesellschaft, wie sie die wilden Verhältnisse des Gebirges und der Zeit zusammengeführt – eine Anzahl Männer und zwei Frauen, letztere hinter dem Kreis der Männer mit einem jungen Mohren an den Resten des Mahles beschäftigt, das ihre Herrn und Gebieter eben gehalten.
Acht oder neun der wilden Gestalten, die um das Feuer sassen, behaglich den Schibuk im Mund und von Zeit zu Zeit die Rakihflasche im Kreise umhergehen lassend, gehörten offenbar ihrer Kleidung und Bewaffnung nach zu den freien Bewohnern der Berge, den kühnen und unermüdlichen Feinden der Türken, den Haiducken, mit den weissen wollenen Röcken und dem in zwei lange Flechten geheilten Haar des Hinterkopfes. Um so mehr fiel zwischen ihnen, und augenscheinlich ihnen befreundet, die Gestalt eines greisen Moslems auf, in blauen weiten Halbbeinkleidern und roten Strümpfen, blauer Aermeljacke und einer hohen, oben breiten, weissen Mütze, mit dem langen roten Sack. Wer vor dem Juni 1826 Constantinopel besucht, kannte die Tracht sehr wohl, – es war die der Ienettschjeri oder Janitscharen, der alten gefürchteten Krieger des Reiches.
Zur Seite des Buluk-Baschi's oder Capitains der Haiducken, sassen zwei Europäer, Doctor W e l l a n d , der Arzt des Lazarets von Widdin, und ein französischer Genie-Offizier, kapitän D e p u i s , aus der Begleitung des Seraskiers, der in letzter Zeit wieder nach Kalafat gekommen war, um die Verschanzungen gegen die vorrückenden Russen zu verstärken.
Beide waren, bei dem Rückzug der Russen von Kalafat und der Auflösung der dortigen türkischen Stellung, auf dem Marsch nach der ersten Bestimmung des Arztes, nach Silistria, begriffen und hatten den Weg durch die Gebirge auf Schumla eingeschlagen. Ihre heutige Tagereise hatte jedoch bereits am Nachmittag ein unerwartetes Ziel gefunden, denn der Saptieh, jene Sorte türkischer Spitzbuben von Gensd'armen, die als bewaffnete Wachen und Wegführer den Reisenden von Station zu Station begleiten, gewöhnlich aber, wenn ihnen nicht ein grösserer Vorteil durch die Ehrlichkeit in Aussicht steht, mit den Räubern des Gebirges zur Plünderung ihrer Schutzbefohlenen im besten Einvernehmen stehen, hatte sie auf Nebenwege geführt, eine Sache, die bei dem Zustande der Strassen in der Türkei leicht genug ist, und bei dem erscheinen eines kleinen Truppes von Haiducken spurlos verlassen. Ein Widerstand der beiden Männer und ihrer zwei Diener gegen die wilden Söhne des Gebirges hätte nur nutzlos ihr Leben gefährdet, und so machten sie sich bereits auf eine vollständige Ausplünderung gefasst, als zu des Arztes Verwunderung der Mohrenknabe Nursah den Anführer der Haiducken anrief und nach einer kurzen Besprechung in türkischer Sprache zu seinem Herrn führte.
"Du bist der fränkische Hekim-Baschi, der in der Lokanda des Slowaken Alexo zu Widdin gewohnt hat?" fragte der Capitano.
"Ja. Kennst Du mich?"
"Ich habe Dich oft gesehen, wo Du mich nicht sahest, und weiss, dass Du ein Bulgare und unser Freund bist. Ich bin Michael Miloje, der Schwiegersohn des Handscha Gawra vor dem Tore Widdin's, und weiss, dass Du der Mutter meines Weibes beigestanden in schwerer Krankheit, und für den Handscha gesprochen hast bei dem Vali2 von Widdin. Sei mir gegrüsst, Bruder, Du und die Deinen, Ihr seid sicher unter dem Schutz Miloje's und werdet seine