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die sich auch im russischen Lager befanden, bereits am 22. Nachricht von den beabsichtigten Operationen, konnte sie jedoch, obschon er aus sein dringendes Verlangen 6000 Mann Verstärkung erhalten, nicht hindern, da die russische Hauptarmee hier eine Macht von 90,000 Mann hatte1.

Am 20. ging Oberst Suroff mit einem Detachement von 2000 Mann durch die Donaufurt, 2 Meilen unterhalb H i r s o w a , und setzte sich gegen die zum Schutze der Feste errichteten Schanzen in Bewegung. Sein rascher Angriff wurde durch das Feuer von Kanonenböten unterstützt, musste aber, da die Türken wütend kämpften, drei Mal erneuert werden. Am 21. waren die Schanzen genommen, am 22. begann die Cernirung, am 23. die Belagerung der Citadelle Hirsowa's. Am 30. Morgens wurde sie mit Sturm genommen, nachdem ein teil durch das Bombardement ein Raub der Flammen geworden war.

Am 23. liess der Oberbefehlshaber, Fürst Gortschakoff, nachdem am 22. bereits ein lebhaftes Feuer auf die bei M a t s c h i n errichteten türkischen Verschanzungen vom linken Ufer aus eröffnet worden, unter dem Schutz von 24 Zwölfpfündern und 6 Achtzehnpfündern eine Pontonsbrücke nach birago'schem System bei Ibraila über die Insel vor Gedschid an das rechte Donauufer, schlagen und setzte mit einem starken Corps über. Die Türken zogen sich nach Matschin zurück.

Gleichzeitig schlug General Lüders eine zweite brücke von Galacz aus das rechte sumpffreie Ufer zwischen Matschin und I s a k t s c h a und überschritt unter Kanonendonner den Strom mit dem Lublin'schen und Samoszki'schen Jäger-Regiment und den Infanterie-Regimentern Modlin und Bragasch, nebst Kavallerie und Artillerie.

An demselben Tage erzwang auch auf dem vierten Punkte General Uschatoff nach blutigem Kampf den Donauübergang von Ismaël aus, dessen weisse Mauern durch Byron's "Don Juan" gefeiert sind, oberhalb T u l t s c h a , und nahm die türkischen Redouten mit Sturm.

Am 24. wurden bereits Matschin, Isaktscha und Tultscha belagert. Die Besatzung von Matschin, das mit bedeutenden Proviant und Munitionsvorräten versehen war, – etwa 6000 Mannergab sich am Morgen des 27., nachdem die Festung zwei Tage lang beinahe ununterbrochen mit Bomben beworfen und zwei Mal gestürmt worden.

Am selben Tage fielen Isaktscha und Tultscha, – die Russen befanden sich also am 30. im Besitz sämmtlicher festen Punkte an der Donau unterhalb des alten römischen Trajanswalles, der an dem schmalsten Punkt von der Donau zum Meere führt und an der Erstern von Tschernawoda und Karassu, an der See von Küstendsche flankirt wird.

Mustapha Pascha musste daher die Verteidigung von Babadaghder Position im inneren der jetzt eingeschlossenen Halbinsel Dobrudscha, – so eilig aufgeben, dass sämtliche Vorräte in die hände der Feinde fielen, und sich auf den Trajanswall zuzückziehen.

Nachdem in den ersten Tagen des Aprils auch die Operationen gegen Silistria von Kalarasch aus begonnen, räumte der türkische General vom 6. bis 11. auch Tschernawoda und Karassu, und zog sich auf der Strasse nach Basardschik zurück, so dass sich die Russen im vollen Besitz der obern Dobrudscha befanden. –

Kaiser Nicolaus hatte unterdessen den Veteran seiner Schlachten, den General-Stattalter von Polen, Feldmarschall Fürsten P a s k i e w i t s c h , auf den Kampfplatz beordert und diesem die obersten strategischen Anordnungen übertragen.

Der Fürst traf in den ersten Tagen des Aprils in den Fürstentümern ein und nahm die einzelnen Stellungen der russischen Streitkräfte in Augenschein, zunächst vor Kalafat, das General Liprandi jetzt näher cernirt hielt, und wo in den letzten Tagen des März einige blutige Gefechte vorgekommen waren.

Aus dem Helden von Eriwan war aber auch ein Diplomat gewordenes galt nicht mehr, Schlachten zu schlagen, sondern auch zu fragen, ob sie geschlagen werden dürften?

Der Allianztractat zwischen Oesterreich und Preussen musste dem Ersteren eine drohende Stellung in Bezug auf die Fürstentümer geben, und obschon der preussische Kriegsminister, General Bonin, der offene Gegner der russischen Interessen, seinen undiplomatischen Erklärungen bei Beratung der Creditbewilligung auf die Beschwerde Russlands bald darauf zum Opfer fiel, war damit die freie Hand Oesterreichs nicht beseitigt. Von den Tractat-Verhandlungen und der verabredeten Somnation gegen die fortdauernde Occupation der Fürstentümer, hatte natürlich die russische Diplomatie zeitige Kunde und diese, so wie die Unterdrückung der Aufstände in Czernagora und den türtisch-griechischen Provinzen bewogen ihn, schon am 16. dem General Liprandi den Befehl zu erteilen, die Cernirung Kalafat's aufzugeben und seine Streitkräfte auf das Ufer des, die kleine von der grossen Walachei trennenden Flusses Aluta zurückzuziehen. Sofort wurden die Spitäler aufgehoben und der Belagerungspark in Sicherheit gebracht. Am 23. sammelten sich bereits die Truppen in Krajowa und setzten am 25. ihren Marsch gegen die Aluta fort. Die Türken drangen sofort von Kalafat nach, setzten an mehreren Punkten über die obere Donau, und es kam, namentlich am Schyl, zu blutigen Gefechten, in denen meist die Türken Sieger blieben.

Am 16. hatte ein bedeutendes russisches Streifcorps die Donau bei Oltenitza passirt, wurde aber gleichfalls durch die Bajonnetangriffe der Türken zurückgeworfen.

Auch in der Dobrudscha war es zu harten Kämpfen gekommen, und General Lüders wurde in einem blutigen Gefecht bei Tschernawoda am 20. nach einem sechsstündigen Kampf geschlagen und verlor an 500 tote, 250 Gefangene und 15 Kanonen. Doch mussten die Sieger vor der anrückenden Hauptcolonne der Russen wieder weichen. An der oberen Donau schlug Sali-Pascha die Gegner bei Turnul und Nikopoli