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Die Karte von Europa hätte sonst sichernicht von der Seine, sondern von der Donau auseine andere Gestaltung gewonnen.

Fussnoten

1 Türkische Artilleristen. 2 Wir haben bereits erwähnt, dass unser Zeichen der Bejahung bei den Türken die entgegengesetzte Bedeutung hat. 3 Der Spectateur de l'Orient, Observ. Triest etc. etc. 4 Wir wiederholen es, die furchtbare Tat ist Wahrheit! 5 Der Aufruf lautet:

"Von uns, Danilo Petrowich, Fürst der Czernagora und der Brda, Gruss dem kapitän. Ich wünsche, dass auch wir Czernagoren jetzt, wie auch sonst immer, uns tapfer und heldenmütig zeigen, gleich den Griechen und andern Nationen, gleich unsern stets siegreichen Gros- und Urgrossvätern, die uns als ihr Vermächtniss die Freiheit hinterliessen, auf welche wir jetzt vor der Welt stolz sind. Darum will ich jene Soldaten kennen, welche früher conseribirt wurden, dass ich weiss, ob ich mich auf sie verlassen kann, und befehle Euch, Capitaine, dass jeder seinen Stamm versammle. Jeder Soldat sage freiwillig, ob er mit mir kämpfen will gegen den Türken, den verfluchten Feind unsers Glaubens und unserer gesetz. Der kapitän verzeichne jeden solchen Freiwilligen und berichte mir darüber nach Cettinje. Das aber sage ich Jedem im Voraus, wer nicht beabsichtigt, mit mir des Todes gewärtig zu sein, den beschwöre ich bei dem grossen Gott, er möge zu haus bleiben, und wer mit mir dann ziehen will, der vergesse Weib, Kind und Alles, was er auf dieser Welt besitzt, und sage dies dem kapitän, dass er ihn einschreibe. Ich sage Dir, meine wackere Nation, und Euch, meine lieben Brüder, wer nicht mit mir sterben will, bleibe unbehindert zu haus, denn ich weiss sehr wohl, dass ein Einziger, der freiwillig und mutig in's Feld zieht, besser ist, als Fünfzig, welche furchtsam von mir herziehen; darum fordere ich jeden wackern Mann, der ein mutiges und kein Weiberherz hat, und welcher nicht ansteht, für das heilige Kreuz, die rechtgläubige Kirche und das Vaterland sein Blut zu vergiessen, auf, dass er mit mir teile Ruhm und Ehre. Sind wir denn nicht, teure Brüder, Söhne jener alten czernagorischen Sieger, welche drei türkische Veziere auf einmal bewältigen, welche französische Truppen schlugen und des Sultans Festungen mit Sturm nahmen? Sind wir keine Vaterlandsverächter, missachten wir nicht den Ruhm unserer alten Helden, so versammeln wir uns und schlagen los im Namen Gottes! – Bleibt gesund.

Cettinje, 16. März 1854."

Madara.

Man kann sich unmöglich darüber täuschen, dass die, durch die politischen Verhältnisse hervorgerufene und von Petersburg befohlene schwankende Haltung der Russen in den Donau-Fürstentümern und ihre anfänglich viel zu geringe Machtaufstellung das Schicksal des Donau-Feldzuges herbeigeführt haben. Erst nachdem die Absichten der Westmächte selbst der politischen Naivetät klar sein mussten, erhielt am 10. März Fürst Gortschakoff von Petersburg die Weisung, sich nicht länger auf die Verteidigung des "genommenen Pfandes" zu beschränken, sondern die Offensive gegen das rechte Donauufer zu ergreifen und diejenigen Punkte auf demselben zu besetzen, welche allenfalls bei dem weiteren kriegerischen Vorgehen auf feindlichem Boden zu Pivots dienen könnten.

Die Wahl dieses Vorgehens hatte ihre besondere

Schwierigkeiten, und man hat den erwählten Weg dem Fürsten Gortschakoffindem man ihm nur das Talent eines tüchtigen Taktikers und Artilleristen lässtzu einem grossen strategischen Fehler gemacht. Es lässt sich indess Vieles zu seiner Rechtfertigung sagen.

Mit einem Uebergang an der Gränze der kleinen

Walachei, zwischen Rustschuk und Widdin, hätte die russische Armee die türkische allerdings zu einer allgemeinen Schlacht zwingen und durchbreche können. Es stand ihr dann, da die feindlichen Festungen dieser Operationslinie (Sistowa, Nikopolis, Rahowa) nur unbedeutend waren, die Hauptstrasse im Isker Tal nach Adrianopel offen, und ein monat hätte sie vielleicht dahin gebracht. Abgesehen aber davon, dass die Türken mehr denn doppelt so stark waren als 1828, und mit einer Artillerie versehen, die sich mindestens mit der russischen messen konnte, war damit der Rükken und die rechte Flanke der schon damals sehr bedenklichen Haltung der Oesterreicher und ihrem angedrohten Einrücken in Serbien Preis gegeben, und die Verpflegung einer so bedeutenden Armee bei den grundlosen Strassen aus dem langen Landwege um so schwieriger. Die Küsten des schwarzen Meeres mussten auch hierbei von einem starken Corps besetzt gehalten werden, um eine Operation der Türken und ihrer Alliirten von dieser Seite zu verhindern. Der Aufstand in Griechenland und der erwartete in Montenegro waren noch nicht so weit gediehen, um davon bedeutende Hilfe hoffen zu können.

Der andere Weg war der schon in den frühern Feldzügen gewählte durch die Dobrudscha. Der strategische Plan des türkischen Oberbefehlshabers erleichterte sogar den Angriff auf diesen Punkt, indem Omer, auf die Flotten der Westmächte bauend, sein Hauptaugenmerk und seine Kraft nach der oberen Donau und Widdin-Kalafat geworfen, um die Verbindung mit Serbien und Rumelien zu hindern, und MustaphaPascha zur Besetzung der untern Donau und der Dobrudscha nur 10 Bataillone Nizam, 8 Bataillone Redifs, 3000 Baschi-Bozuk's und 4000 Reiter mit 48 Kanonen zur Disposition gestellt hatte. Bei dem Stoss gegen die Dobrudscha behielten zugleich die Russen stets ihre Basis an der Moldau und dem eigenen Gebiet.

Freilich fehlte ihnen diesmal gegen die früheren gleichen Feldzüge die Unterstützung ihrer Flotten und die Beherrschung des Meeres.

Dennoch wurde dieser Angriffspunkt gewählt und zunächst der Uebergang an vier Stellen bestimmt.

Mustapha-Pascha erhielt durch die zahlreichen Spione,