Boden.
"Du tust wohl daran, es ist Zeit, dass Du ausruhst."
Der Mond schien hell auf den Berghang zwischen den dichten büsche von Tymian, wildem Wein und Oleander – durch eine Oeffnung leuchtete in der Ferne noch immer das brennende Metzovo.
"Bis hierher," sagte der Führer. "Es ist Zeit, zu enden."
"Wie meinst Du das? – Willst Du mich hier verlassen?"
"Nicht ich, Mainote – aber Du mich."
"Ich verstehe Dich nicht. Gieb meine Waffen zurück!"
Der Führer lachte hell auf, dann schleuderte er behende Flinte und Handjar in die dichten Büsche und trat, die Pistole in der Hand, vor den Erschrockenen, der sich auf den gesunden Arm aufrichtete.
"Kennst Du mich?"
"Wer bist Du? – sprich – bin ich in die hände eines Verräters gefallen?"
Wieder lachte der vermeintliche Grieche höhnisch auf, dann riss er mit einem Griff sich den falschen Bart voll Lippen und Wangen, den Fess vom Haupt, und die schwarzen Flechten eines Weibes rollten hernieder, Fatinitza's dunkle dämonische Augen blitzten schadenfroh den verwundeten Krieger an.
"Weib – Teufel – was willst Du von mir?"
"Frage Dein schwarzes Herz, Maini, und es wird Dir Antwort geben. Ich habe geschworen, Dein Blut zu trinken."
"Dämon der Unterwelt – weiche von mir!"
"Du musst sterben, Maini, wie Deine Brüder gestorben sind von der Hand der Wölfin von Skadar. Zwei in jenem Turme von Protopapas, auf der Stätte meiner Schmach – Einer im Schlachtgewühl vor Metzovo und Zwei in der Moschee des Christengottes. Fluch über sie! – Du warst der Letzte und bist der Letzte – bereite Dich zum tod!"
Er wollte empor, doch sie hielt die Pistole ihm entgegen. "Du hattest wenigstens Mitleid mit meiner Schmach und warfst den Mantel über meinen entehrten Leib. Darum hab' ich Mitleid mit Dir und gönne Dir ein Gebet zu Deinem Propheten. Aber Keiner darf leben, der sich rühmen darf der Schmach Fatinitza's. Eile jedoch, die Geister Deiner Brüder erwarten Dich."
Der Maini, jung und noch lebenskräftig und mutig, warf sich plötzlich empor und fasste die drohende Feindin. Einige Augenblicke dauerte das ungleiche Ringen, aber es gelang ihm nicht, ihre Hand zu erfassen. Während er ihren Leib noch umklammert hielt und sie zu Boden zu reissen suchte, fühlte er die kalte Mündung der Pistole an seiner Schläfe, – im nächsten Augenblick zerschmetterte der Schuss seinen Schädel, dass sein Gehirn das dämonische Weib bespritzte.
Diesmal schien sie selbst zu schaudern vor dem grauenhaften Anblick und wandte sich von ihm, ohne den toten zu berühren.
"Sie sind dahin," sagte sie dumpf, "und Fatinitza's Schmach ist gerächt! – Jetzt, Vater, der Du bereits im Schooss des Propheten weilst, gilt es die Sühne Deines Blutes und den letzten Kampf. Wehe dem Verräter!" Sie wandte sich nach der Heimat.
Der Verrat Tzavellas's an der gemeinsamen Sache und die Eifersucht Hadschi-Petros's, von dem eine Schaar von 1000 Mann nahe dem Kampfplatz von Metzovo untätig gestanden, weil sie sich dem Befehl des Generals Grivas nicht unterordnen wollte – rächten sich schwer. Am 25. April erlitt Tzavellas mit 3000 Mann durch Osman Pascha bei Peta eine vollständige Niederlage und musste sich nach Griechenland zurückziehen. Fuad-Effendi zog in Janina ein; 8000 Gewehre, welche die russische Negierung für die Griechen in belgischen Fabriken hatte anfertigen lassen, und die bereits glücklich den grössten teil des Weges zurückgelegt, wurden an der sicilianischen Küste von einem englischen Kreuzer aufgefangen und nach Malta gebracht; die albanesische Küste war von englischen Schiffen blokirt, im Golf von Volo an der tessalischen Küste schoss eine französische Dampffregatte mehrere, mit Freiwilligen besetzte griechische Schiffe in den Grund, und Damoko wurde von Salimund Schiakir-Pascha entsetzt. Teodor Grivas mit 400 Kriegern hatte sich nach Agrapha zurückgezogen und gab den Kampf auf. Im ganzen Epirus waren die Türken Sieger.
Einen neuen Zuzug zwar erhielt der griechische Aufstand durch das Herbeiströmen der aus dem türkischen Gebiet ausgewiesenen Griechen, von denen allein 20,000 von Constantinopel und Smyrna auswanderten. Von Aten aus angefeuert und mit neuen Führern versehen, – Spiro Milio und Vlakopulos an der Gränze, Grizanos, Priovos, Giakas und dem kühnen Papakosta in der Provinz selbst, – stand ganz Tessalien bald wieder unter Waffen und mit 12,000 Kriegern dem neu ernannten Gouverneur, Ali Rizza Pascha und seinen 16,000 Mann gegenüber.
Doch alle Anstrengungen des kleinen Griechenlands scheiterten an der drohenden Stellung der Westmächte, die sich nicht entblödeten, selbst über die Abdankung des Königs Otto zu verhandeln. Fürst Danilo von Montenegro, der auf seine kühne Proklamation vom 10. März5, von dem russischen Agenten Oberst Kowalewski angefeuert, 8000 Krieger des Hochlands in Cettinje versammelt hatte, und ebenso Serbien, das bereits in voller Rüstung stand, wurden von Oesterreich gezwungen, neutral zu bleiben, und so der ganze grosse Aufstand der slavisch christlichen Völker, südlich der Donau, unterdrückt, der offenbar sonst der türkischen herrschaft in Europa ein Ende gemacht und Russland den Sieg gesichert hätte. Wir haben bereits gezeigt, wie Kaiser Nicolaus die Verbindung mit der Revolution im Norden der Donau und Save zurückgewiesen, sowohl um der eigenen Grundsätze, als um Oesterreichs Willen, das auf diese Weise seine Rücksicht lohnte.