1855_Goedsche_156_467.txt

ruhig, die Hand des dem tod sich weihenden Helden in der ihren. Mit Befremden blickte der General sie an, als sie nach dem Freunde gleichfalls die Hostie aus der Hand des Priesters empfing und ihre Lippen das heilige Blut berührten.

"Was tust Du, Frau? es ist Zeit, dass Du scheidest von dieser furchtbaren Scene. Entferne Dichich werde für Deinen Schutz sorge tragen."

Die Frau sah ihn trübe lächelnd an. "Das heilige Sakrament," sagte sie ruhig und ernst, "das uns einst für das Leben vereinigen sollte hat uns wenigstens zum tod verbunden. Trenne die nicht nochmals von dem mann ihrer Liebe, Grausamer, die Du von dem mann ihrer Pflicht getrennt hast. Aphanasia Delanyi hat keine Wahl mehr, als zu sterben mit Anastasius Caraiskakis!"

"Wahnsinnigedenkst Du nicht an Dein Kind?"

"Du nahmst ihm den Vatermöge es auch die Mutter vergessen lernen. Bring' es an meiner statt den Meinen und möge die Jungfrau es segnen."

"Vertraue mir das Mädchen, Frau," sagte eine jugendliche stimme an ihrer Seite, "ich werde es schützen mit meinem Leben, wie ich es auf dem Wege hierher geschützt."

Es war Bogdan, der junge Czernagorze, der gesprochen und die unglückliche Griechenfrau nahm eine Perlenschnur von ihrem Hals und reichte sie ihm.

"Gieb sie dem kind und Gott lohne Dir, was Du an der doppelten Waise tust, denn ihr Erzeuger liegt unter den toten vor der Palanka von Protopapas, wie ich vernommen habe."

"Bei dem haupt meines Vaters, das auf den Wällen von Skadar bleicht," schwor der junge Mann, "Dein Kind soll einst das Weib des Hauptes der Martinowitsch werden, wenn mein Haus ihr genügt!"

Die Griechin nickte ihm freundlich zu und schloss den kranken Freund dann in ihre arme, sich und ihn mit dem Chlamis umhüllend, und deutete dann nach dem Bischof.

"Unsere Zeit ist gekommen," sagte sie, "mögen die Heiligen für Euch bitten, wie sie es für uns tun."

Der greise Bischof wankte zurück nach der Sacristei, nochmals stehend die hände gegen den General ausstreckend.

Vergeblich!

"Lebe wohl, Anastasius! lebt wohl, meine Brüder!"

Noch ein Mal stürzte er an seine blutende Brust, dann riss er sich empor.

Die dunklen Schatten der Nacht hatten sich während der heiligen Handlung auf das Gewölbe gesenkt, nur die ewige Lampe brannte in ihren silbernen Ketten und von dem Hochaltar leuchteten matt die heiligen Kerzen. dicht zusammen gedrängt in Gruppen hatten sich die dem tod Geweihten.

"Griechenbrüder," fragte die helle stimme des verwundeten Capitani's, "seid Ihr bereit?"

"Wir sind es!" – Die Worte klangen dumpf und hohl.

"Heilige Jungfrau, erbarme Dich unser! Kreuz und GriechenlandFeuer!"

Die Salve der Klephten donnerte durch das Gewölbe der Kirche und zersprengte die Fensterdrei Mal wiederholte sie sichdann ward Alles stillder letzte Schrei des irdischen Schmerzes war verstummteinhundertsechsundsechszig Leichen mit der toten, ihrer Liebe gestorbenen Frau deckten die Marmorfliessen der Kirche von Metzovo4. –

Längst hatte der General sie verlassen und die wilden Klephten, die sich vom tod seiner Opfer überzeugt, waren ihm gefolgt. Aus dem Pulverdampf, der das weite Gewölbe erfüllte, schlich eine einzelne Gestalt vom Altare her, ein junger Krieger in griechischer Tracht mit krausem entstellenden Bart, die Flinte in der Hand. –

Die ewige Lampe warf ihren falben Schein auf ihn, als er unter ihr hinschlüpfte, und wurde zurückgespiegelt von dem blitzenden dunklen Auge. –

Seine Lippen waren rot von Blut. – ––––––––––––––––––––––––––––

Das brennende Metzovo leuchtete dem Rückzug des griechischen Generalsviele Bewohner der unglücklichen Stadt, die Rache der siegenden Türken fürchtend, die entsetzlich wüteten in den christlichen Phistans des Gebirges, hatten sich ihm angeschlossen.

Ein griechischer Krieger, am Fuss verwundet und ausserdem den rechten Arm in ein Tuch gebunden, war zurückgeblieben von dem Hauptzug und schwankte, auf die Schulter eines jungen Kameraden gestützt, langsam hinterdrein. Schon am Tor von Metzovo hatte dieser sich zu ihm gefunden und ihn hilfreich unterstützt. Es war derselbe, der zuletzt die Kirche verlassen.

Das Gehen hatte die Schmerzen der Wunde arger gemacht, nur langsam kam das Paar vorwärts. Dennoch verliess der menschenfreundliche Helfer den verwundeten Mainoten nicht.

"Bei der Panagia," schwor dieser, "ich wollte, ich läge bei den erschossenen Brüdern in der Kirche von Metzovo, so sehr schmerzt mein Bein und so sauer wird mir der Weg. Die Heiligen mögen Deine Hilfe lohnen, Panagotti Zanetacchi aber wird ewig Dein Freund sein."

"Gieb mir Deine Waffensie belasten Dich," sagte der Andere. Zugleich nahm er ihm die Flinte ab und hing sie um, ebenso die Pistole und den Handjar.

Wiederum wandelte das Paar längere Zeit dahin, nur von den einzelnen Schmerzenslauten des Verwundeten ward das Schweigen unterbrochen.

"Wohin führst Du mich? – wir sind von der grossen Strasse abgekommen und keiner der Nachzügler ist mehr zu sehen. Wir werden den Türken in die hände fallen."

"Ich bin in diesen Gebirgen zu haus, tapferer Maini, und dieser Pfad kürzet die grosse Strasse und führt über jenen Höhen uns wieder mit dem General zusammen. Stütze Dich auf mich."

Eine halbe Stunde waren sie gewandert, dann warf der Mainote sich erschöpft auf den