– Ich erwartete den Fluch meines Vaters und dennoch hätte Selim nicht also handeln sollen an seinem Blut. Lebe wohl, Araber, und wenn Du den Pascha noch lebend wiedersiehst – sage ihm: Fatinitza, die Wölfin von Skadar, Selim's Tochter, habe das Toskenblut ihrer Mutter in den Adern und werde leben, um sich und ihn zu rächen."
Sie wandte sich zu gehen, doch der Araber hielt sie am Mantel zurück. Der Herabfallende zeigte im Mondlicht das Mädchen im Männergewand der griechischen Krieger; die toten in und vor der Palanka hatten ihr Kleidung und Waffen zur Genüge geliefert.
"Harre noch einen Augenblick," sagte der Emir. "Kann Abdallah ben Zarngah Etwas tun für Dich? Sein Herz ist bei Deinem Unglück."
Sie nickte verneinend2, dann, sich besinnend, deutete sie auf den Hund. "Nimm Scheitan zu Dir," sagte sie, "und bewahre ihn mir, bis ich ihn fordern lasse. Er ist treu, aber mir hinderlich auf dem Weg, den ich jetzt gehe. Werdet Ihr die Christen verfolgen?"
"Wir erwarten die grossen Büchsen von Janina," berichtete der Emir. "Wenn die Sonne zum zweiten Mal über jene Berge kommt, werden wir auf ihren Fersen sein. Nimm diesen Ring, Mädchen, er ist geweiht an der schwarzen Kaba von Mekka und ein Kleinod der Zarugah. Wenn Du ihn Einem meines Stammes zeigst, wird er Dir beistehen bis zum tod."
Sie nahm den Ring. "Lebe wohl!" – als er von dem letzten Gruss wieder empor schaute, war sie verschwunden. –
Am nächsten Mittag stand Grivas mit seiner stark geschmolzenen Schaar, die kaum noch Zweitausend zählte, vor den Toren Metzovo's. Hier hatte nach längerem Streit der türkisch und griechisch gesinnten Partei die letztere die Oberhand behalten und öffnete dem General die Tore, der sich alsbald zum Oberherrn der Stadt machte und der Bevölkerung eine Steuer von 200,000 Piastern (10,000 Tlr.) auferlegte, die auch willig bezahlt wurde. Die grösseren Opfer jedoch, die Grivas nach zwei Tagen ihnen für die Sache des Freiheits-Kampfes ansann, indem er von den Notabilitäten und Reichen der Stadt die Darbringung ihrer silbernen und goldenen Luxusgegenstände als freiwillige Gabe verlangte, erregten Unzufriedenheit unter den Bewohnern.
unterdessen rückte Abdi-Pascha auf die Nachricht von der Besetzung Metzovo's mit frischen Truppen und einer ziemlich zahlreichen Artillerie gegen die Stadt, und die Uneinigkeit unter den griechischen Führern sowohl in Albanien als Tessalien liess sie den General nicht in der Behauptung dieses Knotenpunktes der Strassen nach dem Epirus, Macedonien und Tessalien unterstützen.
Am 18. April kam es vor Metzovo zu einem harten Treffen und Grivas wurde vollständig geworfen und gewann kaum Zeit, sich nach der Stadt zurückzuziehen, der für den nächsten Tag schon ein ernster Angriff drohte. Der General sah ein, dass er sich hier nicht länger zu halten vermöge, und er beschloss die Verwüstung der bisher blühenden und wohlhabenden Stadt und den Rückzug gegen die Quellen, des Asprospotamos – des Achelaus der Alten, und Radartzi.
Es war am Abend des Schlachttages, als der General in den Strassen der Stadt das Schicksal derselben und den Befehl verkünden liess, dass die Einwohner sich in der Hauptkirche versammeln sollten, die zugleich zur Aufnahme der Verwundeten, über 200 an der Zahl, gedient hatte. In Zeit von einer Stunde waren mehr als 4000 Personen in der Kirche und deren Umgebung versammelt, mit bleichen, angsterfüllten Gesichtern des Kommenden harrend.
In der Kapelle der Kirche, auf den Stufen des Altars lag in den Armen einer Frau ein schwer verwundeter Krieger, Anastasius Caraiskakis, der tapfere Capitano des Postens am Kloster der armen Heiligen. Eine Kanonenkugel hatte ihm im Treffen des Tages das Bein unter dem Knie zerschmettert und bei dem Mangel an ärztlicher Hilfe war die Amputation des Beines, die allein ihn hätte retten können, unterblieben. In seiner Nähe lagen zwei der tapfern und wilden Maini's die den Turm von Protopapas verteidigt: Hassan Stavro und Georg Mauromichalis, und im Kreise umstanden ihn seine tapfern Kämpfer, an seiner Seite Grivas und der junge Czernagorze, der mit Löwenmut die Schlacht mitgeschlagen.
Kummer und Schmerz lag auf dem strengen Antlitz des Führers, als er sich niederbeugte zu dem verwundeten Neffen.
"Deine Krieger, Anastasius," sagte er leise, "haben mich um die erlaubnis gebeten, Dich auf ihren Schultern mit sich fortzutragen beim Aufbruch."
"Wozu?" fragte ruhig der Kranke, "hast Du Tiere und Karren genug aufgetrieben, um alle unsere verwundeten Brüder mit mir fortzuführen?"
"Du weisst, dass es unmöglich ist; nicht den zehnten teil Derer, die uns nicht selbst folgen können, vermag ich fortzuschaffen. Unser Rückzug muss eilig sein und in spätestens zwei Stunden beginnen."
"Du kennst alsdann, was wir beschlossen," sagte der Verwundete ernst, "und Du wärest nicht würdig, der Führer freier Männer zu sein, wenn Du schwanken wolltest in diesem Entschluss, weil Anastasius Caraiskakis Dein Neffe unter denen ist, welche Euch vorangehen."
Der General schaute ihn schmerzlich an.
"Dein Bruder Nicolas hat mich verlassen, nachdem die Jungfrau ihn uns kaum zurückgegeben. Er weigerte sich, zu kämpfen in unsern Reihen und ich liess ihn ziehen. Du bist der Letzte meiner Anverwandten, der stets zu mir gestanden, und ich kann Dich nicht missen. Es ist noch Rettung für Dich, wenn