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bleischwer von dem vergossenen Blut; bei dem Bemühen, sich zu erheben und der Feindin zu begegnen, lösten sich die leichten Verbände, und auf's Neue quoll der rote Lebenssaft aus den geöffneten Wunden.

Jetzt versuchten sie zu schreien, – der wüste Demetri-Bei rief angstvoll nach seinen gefährten.

Ihr schwacher Ruf verklang unter dem Krachen der Flinten hoch vom Turm, rings um den Turm.

Jetzt war das Türkenmädchen am nächstenDemetri; – langsam, unter dämonisch befriedigtem Lächeln ihrer scharfen Züge erhob sie die gefesselten hände und fasste das. Messer, das in dem Gürtel des Mainoten steckte.

Er vermochte nicht zu hindern, dass sie es hervorzog.

Dann beugte sie sich über ihn, – das Auge des Dämons haftend auf dem bangen starren blick des Sterbenden. – –

Die gefesselte Hand stiess das Messer ihm zwischen die Zähne und bohrte es tief und immer tiefer bis zum Griff in den Hals des Maini's, die Zunge zerschneidend, die Röhren und Arterien des Lebens zerreissend.

Ein Strom dunklen Blutes quoll den zerschnittenen Hals herauf und floss über die Lippen; – auf diese bleichen und kalten Lippen, die frech und frevelnd die ihren entweiht, heftete der Dämon in Weibergestaltder Vrokoklakdie seinen und tränkte sie mit dem Blute.

Dann erhob sie sich blutig und finster wieder auf die Knie und kroch zu ihrem zweiten Opfer.

Andreas Zanet hatte mit stierem Auge das Ende seines gefährten geschautder Todesschweiss der Angst perlte auf seiner Stirn, denn er zweifelte keinen Augenblick, den bösen Geist, den Vampyr vor sich zu sehen, der das Blut trinkt und die Seelen dem, ewigen Pfuhl überliefert. Aller Aberglauben seiner Religion füllte seine Seele und verzweifelnd sah er sich diesseits und jenseits verloren.

Die Vrokoklak war über ihmsein Schicksal erfüllt – –

Lautlos, nur von den Schüssen der Stürmenden umdonnert, wiederholte sich die schreckliche Scene.

Dann kroch sie zurück, die junge schöne Megäre, das Pistol, das der verräterische Geliebte von sich geworfen, unter ihrem Lager verbergend.

Fort und fort hörte sie die Schüsse um sich her krachendann erhob sich plötzlich auf der Höhe des Turmes ein lautes wildes Triumphgeschrei, das über den Lärm des Kampfes hinausgellte. Denn auf den Berghöhen im Westen zeigten sich starke Schaaren griechischer Krieger und begannen herabzuströmen. In ihrer Mitte flatterte die blaue Fahne mit dem weissen Kreuze.

Wie aus Verabredung schwieg für Minuten lang der Kampf an und aus der Kula.

Man konnte jetzt in grösserer Nähe über den Bergen die Salven eines heftigen Gefechts hören, das die auf dem Rückzug begriffenen Schaaren des Generals Grivas an Abdi-Pascha lieferten.

Immer neue Abteilungen quollen über die Bergkuppen, – von der Kula aus konnte man sehen, wie sie sich zum Angriff sammelten.

Deutlich konnte der General durch sein Fernrohr die Seinen erkennenAnastasius Caraiskakis, den Czernagorzen Bogdan.

Vom Schmerzenslager des Pascha's her jagte Bote auf Bote, dem jungen Führer der Stürmenden den Befehl zum Rückzug zu bringen. Die steinernen Mauern der Kula trotzten seinem Zorndie melancholischen Töne der gebogenen Hörner des Nizams gaben endlich das Signal zum Sammeln, und zähneknirschend führte der Emir die Seinen zurück zum Lager des Bei's, wo ihre Colonnen gegen die anrückenden Griechen Position nahmen.

An hundert tote und Verwundete hatten die Türken in den drei Stürmen aus die Palanka verloren; zwölf Stunden lang hatte Grivas mit seinen acht Kriegern dieselbe gehalten! –

Aus Aesten und Lanzen war schon früher eine Tragbahre gefertigt worden für den schwer verletzten Pascha. Auf dieser wurde er jetzt weiter geschafft, und langsam traten die Türken ihren Rückzug nach der Richtung des See's vor den andrängenden Griechen an und waren bald im rücken der Palanka. In einiger Entfernung nahmen sie eine günstige Stellung ein und begannen von hier aus mit ihrer einen Kanone die Griechen ziemlich unschädlich in dieser Weite zu beschiessen. Das andere Geschütz fiel in die hände der Feinde, da es den Topschi's1 nicht möglich war, es so rasch von dem Felsengrate zurück zu schaffen, doch konnte es von jenen nicht benutzt werden, da es ihnen an Minition fehlte.

Jubelnd warfen sich die verwundeten Mainoten auf die Barrikade, die sie gegen die Feinde geschützt, und noch ehe ihre Befreier den Felsenaufgang erreicht hatten, waren die Balken und Steine fortgeräumt, von den erstern der Uebergang über die Felsspalte hergestellt, in der noch die Leichen der Arnauten lagen, und Grivas mit den Mainoten eilte den Befreiern entgegen.

Es war wenig Zeit zu verlieren, denn Abdi-Pascha, der im Lauf des Morgens Verstärkungen aus Janina an sich gezogen, bedrängte hart den Rückzug der Griechen. Er hatte am Morgen den Posten des Capitani Caraiskakis angegriffen, als dieser eben erst durch den Knaben Mauro die Kunde von dem Leben seines Bruders und der Gefahr des Generals erhalten und eilig Boten nach dem Obersten Stratos gesandt hatte. Dieser bald darauf von dem Nizam Abdi-Pascha's und den Aegyptern von Arta her bedrängt, ohne dass General Tzavellas ihm zum Beistand eilte, schlug sich durch die Erstern, vereinigte sich mit der stark gelichteten Schaar des Caraiskakis, der bis Mittag sich am Kloster tapfer gehalten, und setzte mit ihm den Rückzug gegen Metzovo fort, Beide kaum noch hoffend, den General unter den Lebenden anzutreffen.

Um so grösser war der jubel und der Feuereifer der Griechen, als sie die improvisirte Fahne von der Brustwehr der Kula wehen und zugleich die Bedrängniss der Ihren sahen, und Caraiskakis hatte