des Kampfes hin ein schneidender Pfiff des Generals, der im Handgemenge wie jeder seiner Krieger focht.
Die beiden Schützen am Wall sprangen zu den Feuern und rissen die flammenden Bündel heraus, mit dem fuss neue hinein schleudernd.
Wie qualmende rauchende Ballen flogen sie im nächsten Augenblick hinunter in die Masse der stürmenden Türken.
Die leichten Gewänder erfassten die sprühenden Funken – die Stürzenden teilten das Feuer den aufgehäuften Faschinen, der Bekleidung der Erschlagenen mit – und von der Hand der Mainoten flog Bund auf Bund, in Flammen gehüllt, hinab in den Menschenknäuel.
Ein furchtbares Geschrei stieg zum blauen wolkenlosen Himmel, eine Mauer von Rauch und Qualm wälzte sich aus der Felsspalte empor – in sie zurück warfen die Kolbenschläge und Yataganshiebe der Mainoten die verzweifelnd Emporklimmenden.
Noch wenige furchtbare Augenblicke, dann verstummte der Kampfruf vor dem wahnsinnigen Geschrei des Schmerzes und die Arnauten wandten sich auf allen Seiten zur wilden Flucht.
Vergebens waren alle Anstrengungen des jungen Führers. Die Flucht der orientalischen Völker ist nie zum Stehen zu bringen.
Sie fühlten sich erst sicher im Schutz ihrer Kanonen; – zahlreich waren die Opfer an toten und Verwundeten. Acht Griechen hatten den Sturm von dreihundert tapfern Kriegern abgeschlagen, die Palanka seit neun Stunden verteidigt.
Hätten jetzt die Moslems auf die zum tod Erschöpften einen neuen Sturm mit den frischen Kräften gewagt, die ihnen zu Gebote standen, so wäre der Sieg ihnen sicher gewesen. Doch mit jener Langsamkeit, welche sie charakterisirt, mussten sie erst den erhaltenen Schlag überwinden und sich auf's Neue vorbereiten. –
Sehnsüchtig wandte General Grivas vor der Höhe der Kula den blick nach Westen, wo seine fernen Tapfern gestanden und gefochten. Der Geschützdonner hatte aufgehört und die Befürchtung lag schwer auf seiner Seele, dass der Angriff der Türken seine Schaar zersprengt habe. Zum Wahrzeichen und als trotzige Herausforderung seiner Gegner liess der General zugleich an einer Stange auf der Brüstung des Turmes eine aus Stücken von Bekleidung der Gefallenen roh gebildete blaue Fahne aufstecken, an welche die Mainoten von Fetzen der Fustanellen die Form des griechischen Kreuzes geheftet hatten.
Ein wildes Geschrei der Türken und das wiederholte Feuern aus ihren Kanonen antwortete dieser Herausforderung. –
In dem den Kugeln am wenigsten ausgesetzten gefängnis Fatinitza's hatten Demetri-Bei und Georg Zanet, Beide schwer verwundet, die Stelle des jetzt begrabenen Andunah eingenommen. Die Hilfe, die ihre Kameraden ihnen leisten konnten, war gering, der Krug mit wasser, den die Maini's am Abend von der Quelle im Talgrunde geholt, längst erschöpft, und doch ist der Durst nach wasser bekanntlich gerade das, was die Verwundeten am meisten quält. Der Wall war von den Kugeln der Türken jetzt so demolirt, dass an ein Halten desselben nicht mehr zu denken war, und Grivas vereinigte seine verringerten Streitkräfte in dem zweiten Stockwerk und auf dem flachen Dach der Kula, nachdem die Steine und Balken, welche zur Barrikadirung des Wallzugangs gedient hatten, zur Befestigung der schmalen Pforte verwendet worden, welche in das Innere des Turmes führte und die zum Glück durch ihre Seitenrichtung nicht den Kugeln der Geschütze ausgesetzt war.
Zu wiederholten Malen hatte es Nicolas Grivas versucht, sich zu dem verratenen Türkenmädchen zu begeben, doch immer wieder war er am Eingange zurückgekehrt, von dem niederdrückenden Gefühl seines Verrats und dem Gedanken an ihre verächtliche Behandlung zurückgetrieben. Fatinitza, von dem Kampfgetöse aus ihrer Erstarrung erweckt, sass jetzt, den Mantel um sich gezogen, aufrecht an der Mauer. Ihr Antlitz war noch immer todtenbleich, doch ihre Züge waren jetzt finster und entschlossen, gleich aus Marmor gehauen wie die der Medeia! Die dunklen Augen, starr und unbeweglich auf die beiden verwundeten Maini's gerichtet, funkelten und glühten doch in dämonischem Feuer.
So sass sie bereits stundenlang, ohne sich zu rühren, und die wilden Söhne des Taygetos schauderten vor dem Auge des geschändeten Türkenmädchens und kehrten ihr Gesicht nach der Wand des Turmes, um ruhiger zu sterben.
Es war am Nachmittag gegen vier Uhr, als über die Berge von Westen her von Neuem der ferne Donner groben Geschützes an das Ohr der Mainoten schlug – bald darauf konnten sie selbst die Salven des Kleingewehrs undeutlich hören.
Zugleich sahen sie, dass die Türkeit vor ihnen sich zu einem neuen Angriff rüsteten.
Der General versammelte die fünf noch kampffähigen Verteidiger um sich. – "Kameraden, Brüder des heiligen Kreuzes", sagte er, "unsere Freunde sind uns nahe, ob Sieger oder geschlagen, wir wissen es nicht, aber wir werden uns mit ihnen vereinen können, wenn es uns gelingt, die Fahne dort oben aufrecht gegen den Sturm zu erhalten, der uns droht. Unsere Bedränger werden dann genug zu tun haben, sich selbst zu wehren. Lasst uns daher den Turm verteidigen bis zum letzten Blutstropfen, es ist die einzige Aussicht auf Rettung und unsere Pflicht als Söhne Griechenlands. Nur die Flinte kann uns in diesem letzten Kampfe nützen, zielt fest, lasst keinen Schuss vergebens fallen und uns jetzt noch ein Mal unsere Hilfsmittel prüfen."
Während Zanetacchi wieder als Wache zurückblieb auf dem dach des Turmes, stieg der General mit den übrigen Vier hinab in das zweite, und untere Geschoss, ihnen Anweisungen zum Kampfe erteilend. Das obere Stockwerk ragte auf breiten steinernen Trägern etwa andertalb bis zwei Fuss über das Erdgeschoss hinaus, und die Seitenwände waren mit schiefen trichterförmigen Schiessscharten versehen, so dass von hier aus die nähere Umgebung des Turmes unter wirksamem Feuer gehalten werden konnte. Die Schiessscharten der untern dicken Mauern waren dagegen, wie bereits erwähnt,