die Luft und prasselte es zwischen die Erde und die Steine des Walls und die einschlagende Kugel streute sie weit umher.
Ein schwerer Stein traf die Leiche, gleich dem rächenden Donnerstrahl des himmels, und warf sie aus den Händen der Träger kopfüber in das Grab.
Alle sechs waren von leichten Splittern leicht verwundet, – Schrammen nur, – wenige Blutstropfen, die kein Mann achtet, am Wenigsten der wilde Krieger der Maina.
Doch – sie waren g e z e i c h n e t !
"Zu den Waffen, Kameraden, an Eure Posten!" befahl der General, von der Stiege des Turmes herabeilend. "Die Feuer angezündet und dann deckt Euch hinter den Wällen."
Zwei schon vorher bereitete Feuer von Reisig und Geröhr im inneren des Zuganges und möglichst gedeckt, qualmten alsbald empor.
Um dieselbe lagen Bündel von trockenen Zweigen, Laub, Binsen, Gras, mit Streifen leichten Zeuges durchwunden, in welche der Mantel und Schleier der Verkleidung des jungen Griechen zerrissen worden war.
Kugel auf Kugel schlug jetzt in kurzen Pausen an Turm und Wall und endlich, als die Artilleristen das Ziel gefunden, in die Stein- und Holzbarrikade des Einganges.
Den Verteidigern der Palanka schadeten die Kugeln wenig, sie lagen teils im Turm versteckt, teils wohl geschützt hinter dem Wall; die Wachen aus den Schiessscharten des Turmes beobachteten ungefährdet die Gegner.
Die Kanonade hatte eine halbe Stunde gedauert und die Barrikade des Einganges am klaffenden Felsenspalt war jetzt zerrissen.
Dann schwieg das Feuer und von der Höhe des Turmes tönte der Ruf der Wache:
"Sie kommen."
Die Griechen sprangen empor aus ihren Verstecks und sammelten sich um den Führer, der bereits Jedem seinen Anteil am Kampfe bezeichnet hatte.
Nur Einer – Panagotti Zanetacchi – wurde als Wache auf den Turm zurückgesandt, die Anderen machten sich zum Kampf bereit, Jeder untersuchte sorgfältig das Schloss seiner Flinte und der langen Pistolen und lüftete den Handjar.
Frische Reisigbündel wurden auf die Feuer gelegt, die anderen näher zur Glut geschoben; dann nahm Jeder seinen Posten am Wall ein, so gut gedeckt als möglich und doch mit freiem blick auf den nahenden Feind.
Und er kam heran – diesmal waren es die Arnauten Selim-Bei's, geführt in Stelle des Pascha's, von Abdallah, dem jungen Emir. Auf dem Felsenwall und zu beiden Seiten desselben drängte es wieder heran in dichten bunten Haufen, jeder Mann vor sich ein oder zwei grosse Reisigbündel tragend, die seinem Körper zugleich Schutz gewährten gegen die Kugeln der Griechen.
Aber die Kugeln der Mainoten blieben aus; der General hatte ihnen streng befohlen, den Schuss zu sparen, bis der Feind in grösster Nähe und jede Kugel ihres Zieles sicher war.
Als die Anrückenden etwa die Hälfte des Dammes zurückgelegt hatten, gab der Emir, den Säbel schwingend, mit dem arabischen Kampfruf: "Allah Akhbar!" das Signal zum Angriff und die ganze Masse, etwa Dreihundert an der Zahl, von denen die Hälfte in dichten Gliedern den Damm einnahm, stürzte in wildem Lauf vorwärts.
Sie waren zwanzig Schritt vom Felsspalt, als die Büchse des Generals das Zeichen zur Salve gab. Fast gleichzeitig knallten die sechs Flinten und die Kugeln warfen die Vordersten zu Boden oder hinab vom Felskamm auf ihre Kameraden. Einige Kugeln hatten in dem dichtgedrängten Haufen Mehrere verwundet, – keine gefehlt, aber die Arnauten hielten sich nicht auf mit einer Erwiderung des Feuers, sondern stürzten mit jener Todesverachtung vorwärts, die den Moslem auszeichnet. über tote und Verwundete drängten die Krieger zum rand des Felsenspaltes, auf dessen Grund zu beiden Seiten bereits die Kameraden ihre Reisigbündel emportürmten.
Zugleich warfen sie die ihren in den Grund, und viele Leiber, von den Pistolenkugeln der Mainoten in dieser Nähe durchbohrt, halfen den Spalt füllen.
In wenig Augenblicken war die Füllung bis auf einen Nest von Mannshöhe geschehen, und die wilden Krieger stürzten sich, von den Folgenden gedrängt, reihenweise hinab und begannen an der anderen Wand empor zu klimmen, an den Zacken des Gesteins sich haltend oder Einer auf des Andern Schultern.
In der Bresche standen jetzt Grivas, sein Neffe und drei der Maini's, mit dem Säbel, der Kolbe und dem Yatagan die Heraufstürmenden abwehrend, während die beiden anderen Mainoten fortwährend die Pistolen luden, und Panagotti Schuss auf Schuss von der Höhe des Turmes in den dichten Haufen sandte.
Das Allahgeschrei, der Kampfesruf der Anstürmenden war furchtbar, sinnebetäubend; schweigend – jeden Atemzug zu einer Kraftanstrengung sparend, kämpften die Griechen. Herüber, hinüber knatterten die Pistolenschüsse, die Gegner schauten einander in's Weisse der Augen!
Und immer höher türmte sich die Füllung des Spaltes, Reihe auf Reihe stürzte sich hinab und klomm empor, und für den zerhauenen Schädel, die vom Arm getrennte Faust, die zerschossene Brust, drängten zehn Andere empor!
"Allah Akhbar! Zum Kampf! Zum Kampf!"
Der wilde Ruf des Führers spornte sie zu immer neuen Anstrengungen.
Die Griechen waren sämtlich verwundet bis auf den jungen Grivas, der vergeblich im Handgemenge den Tod zu suchen schien – ihn floh der finstere Gesell mit jener schneidenden Koketterie des Grabes, das den Begehrenden von sich stösst.
Demetri-Bei lag, zum tod getroffen, am Boden; Georg Zanet kämpfte, an den Wall gelehnt, aus zwei Wunden Ströme von Blut vergiessend, gleich dem sein Ende fühlenden Eber.
zwölf Augen! – elf Augen! Ein Teufel schüttelt die Würfel! –
Da erscholl über das Toben