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des Freihafens grösstenteils waren zerstört, k e i n e s der geforderten Schiffe dagegen genommen.

Solches war die erlangte "Genugtuung" der civilisirten Westmächte, deren amtlicher Bericht meldet:

"Es konnte uns nicht in den Sinn kommen, der Stadt Odessa das geringste Leid zuzufügen, eben so wenig wie ihrem Handelshafen."

Am andern Tage, am griechischen Ostersonntag, erwartete man die Wiederholung des Bombardements. Während der Nacht hatten die Russen so viel als möglich ihre Batterieen wieder hergestellt, neue Verschanzungen aufgeworfen und starken Zuzug erhalten.

Es näherte sich aber bloss die Dampfcorvette 'Fury' zur Recognoscirung des Hafens, an dem mehrere Gebäude noch brannten, und warf einige Granaten auf den Strand, wurde jedoch mit einem starken Feuer empfangen, das ihren kapitän verwundete. Ein Dampfboot, welches auf der Höhe von Sebastopol zur Beobachtung der russischen Flotte mit acht anderen Kriegsschiffen kreuzte, brachte dem Admiral Dundas die Nachricht, dass an den russischen Schiffen, vor Sebastopol eine ungewöhnliche Bewegung bemerkt werde, und ein Auslaufen derselben möglich sei. Die vereingte Flotte legte sich auf diese Nachricht weiter hinaus auf die See.

Am 26. Morgens 8 Uhr verliess die Escadron auch diese Stellung, indem drei der havarirten Damffregatten und ein Linienschiff die Richtung nach Varna einschlugen, der Rest der Flotte nach SüdOsten sich wandte. Um Mittag waren die letzten Schiffe ausser Sicht.

Fussnoten

s t u n g und einem K r i e g s h a f e n von Odessa, während weder die eine noch der andere dort e x i s t i r t . Die Häfen sind beide längst nur Handelshäfen und zwar ist der eineder frühere Kriegshafender jetzige Pratika- oder Freihafen, welcher die Handelsschiffe nach überstandener Quarantaine aufnimmt, der andere der Quarantainehafen. Beide werden nur von sechs Batterieen geschützt; im Uebrigen ist Odessa eine ganz offene Handelsstadt. 5 Es ist Tatsache, dass während des Donaufeldzugs von den Häuptern der revolutionairen Propaganda der russischen Regierung ein solcher Vorschlag gemacht wurde, aber an der Abweisung des Kaisers scheiterte. 6 Dasselbe Schiff, das am 12. Mai in der Nähe von Odjessa auf den Strand geriet und im Kampfe von den herbeigeeilten russischen Batterieen trotz der Hilfe zweier heranfahrender grosser Schiffe gezwungen wurde, die Flagge zu streichen und sich zu ergeben. Nachdem die Mannschaft gelandet, wurde es in Brand geschossen. 7 Baron von Osten-Sacken begrüsste bei der Rückkehr den Tapfern als Ritter des Militair-Verdienstordens. Der Kaiser beförderte ihn zum Stabs-kapitän und die Batterie, die er so tapfer koimmandirt, erhielt seinen Namen. 8 Die Franzosen nennen gewöhnlich ihre Schiffe mit dem männlichen Artikel, die Engländer mit dem weiblichen.

auge' um Auge, Zahn um Zahn!

Wir kehren zurück in die Kula von Protopapas.

Ein grauenhafterschrecklicher Kampf hatte sich dort entsponnen, um so schrecklicher, als er schweigend von beiden Teilen geführt wurde, und der einzige Zeuge, ausser Gottstumm war.

Der riesige Klephte warf sich auf die Türkinden ersten ungehört verhallenden Auffschrei der weiblichen Angst, – den Ruf: "Nicolas, herbei!" benutzte er, um den seidenen Knebel ihr zwischen die Zähne zu pressen.

Von dem Augenblicke an sprachen nur ihre Augeneine furchtbare, jeden Anderen, als den wilden Sohn des Taygetos entsetzende Sprache.

Der Kampf des gefesselten Mädchens, während die rohe Hand des Maini's ihre Kleider in Stücken riss, war langschrecklich! Die Brust keuchte in dem vergeblichen Widerstand unter der riesigen Kraft des Mannes, verdoppelt durch die wilde Erregung aller Nerven und Sehnen.

Dann unterlag sie endlichruhig, stillmit der Gleichgültigkeit der Verzweiflung. Nur in den dunkeln, krampfhaft starren Augen lag es wie ein furchtbarer Schwur. ––––––––––––––––––––––––––––

Zu den fünf gefährten, die mit ihren Yatagans das Grab des erschossenen Maini's gruben, trat DemetriBei und nickte schweigend mit grauenhaft frechem blick an Georg Zanet, indem er ihm den Yatagan aus der Hand nahm und selbst zu schaufeln begann.

Der Mainot George Zanet hatte elf Augen geworfen, er ging nach der Kula. ––––––––––––––––––––––––––––

Nach Georg Zanet kam Hassan Stavroacht Würfelaugen!

Ihm folgte der Vetter des ErschlagenenConstantin Comodourosechs!

Ohne ein Wort zu sprechen, lösten sich die sechs Mainoten an der Gruft ab.

Als der LetztePanagotti Zanetacchizurückkehrte, war das Grab fertig.

Jetzt entfernten sich Alle sechs nach dem Turm, den toten zu holen. Sie warfen keinen blick nach dem Opfer der furchtbaren Rache, sondern fassten stumm den Körper und trugen ihn hinaus.

An der Wand lag die Türkin, der Knebel war längst aus dem mund gefallenaber kein laut hatte mehr die grimmige Resignation unterbrochen, mit der sie nach dem erschöpfenden Kampf Alles geduldet. Gleich einer toten lag sie dadas Auge geschlossen, geisterhafte Blässe auf dem Antlitz, und ihr langes, dunkles Haar floss wirr auf den Boden. Die mitleidigere Hand des Letzten hatte die leichte Decke ihres Mantels über die Unglückliche geworfendarunter lag sie und nur ein krampfhaftes Zucken, das von Zeit zu Zeit über ihre Glieder schauerte, verkündete das Leben in der sonst regungslosen Gestalt.

Mit demselben eintönigen Gesang, der den Tod des Kriegers begleitet, begannen sie jetzt ihn in sein Grab zu legen.

Da scholl der Ruf des Generals von der Platform des Turmes und Nicolas Grivas sprang von seinem Posten auf der Höhe des Walles herunter in die Umringung.

In demselben Augenblicke zischte es durch