war bedeckt von hin- und herfahrenden Böten.
"Sie wollen also dennoch den Versuch wagen?"
"Wenn der kapitän seine Schuldigkeit getan", sagte der General, "und während des Bombardements nicht unglücklicherweise eine Kugel gleich das Schiff segelunfähig macht, hoffe ich, den günstigen Augenblick benutzen zu können. Leben Sie wohl, Freund, und fahren Sie fort in Ihrem Wirken. Sind Sie Ihrer Nichte ledig, werden Sie sich ungenirter bewegen können. Die Verbindung durch das griechische Handlungshaus haben wir besprochen und Sie erhalten von Constantinopel aus weitere Nachricht, wo ich das Eintreffen des französischen Prinzen abwarten werde. Halten Sie die russischen Lieferanten im Auge, diese haben den Krieg in Händen. Und jetzt – wo ist das Schiff? ich erkenne es in diesem Gewirr nicht."
"Der 'Antilles' ist das dritte vom Ausgang des Hafens, sehen Sie dort, ein anderer französischer Kauffahrer, 'Adèle', liegt hinter ihm. Hier ist das Boot und so leben Sie wohl – die Zeit drängt."
In diesem Augenblicke donnerte bereits der erste Schuss der "Sampson" und der General sprang nach einem kurzen Händedrucke in die Barke. In dieser Zeit der Verwirrung fragte Niemand nach Legitimation oder Berechtigung, und der Quai leerte sich rasch von Menschen.
Schuss auf Schuss krachte von der Rhede her und vom Molo entgegen, während das Boot an die Seite des französischen Kauffahrers flog und der Fremde an Deck sprang. Dort war Alles voll Aufregung. Der russische Embargo-Beamte hatte das Schiff verlassen und der kapitän sofort seine Leute versammelt und ihnen den Vorschlag gemacht, die Verwirrung eines bevorstehenden Angriffes zu dem Versuche zu benutzen, aus dein Hafen und somit aus der drohenden russischen Gefangenschaft zu entfliehen. Seine feurigen Worte hatten die kühnen Matrosen willig gefunden, und Alle erklärten sich bereit, dem doppelten, Kugelhagel zu trotzen. Als der General an Bord kam, war bereits Alles in voller Tätigkeit, das Schiff segelfertig zu machen. Ein Boot hatte den kapitän des zweiten Schiffes von dem Vorhaben benachrichtigt, und in dem Augenblick, als durch die Demonstration der Kanonenböte die Aufmerksamkeit der Verteidiger abgelenkt wurde, verliessen beide Schiffe, indem sie ihre Anker kappten, den Hafen, sobald sie ausserhalb des Einganges waren, die französische Flagge aufziehend. Der "Antilles" kam glücklich ohne erhebliche Beschädigung seiner Wände und Masten durch das furchtbare Kreuzfeuer und erreichte das Geschwader und das französische Admiralschiff "Stadt Paris", wo Admiral Hamelin dem kapitän den Rat gab, sofort nach Constantinopel weiter zu gehen. Am 29. ankerte es mit seiner Ladung von 3500 Tschetwert Getreide glücklich im Bosporus. Das andere Schiff, "Adèle", erhielt zwar einige Kugeln im Wind und erlitt einige Havarie der Takelage, gewann jedoch gleichfalls bei dem ziemlich heftig während des ganzen Kampfes wehenden Winde die hochgehende freie See. –
Die Batterie Nummer 6 am Ende des Molo war es, die den feindlichen Schiffen den meisten Schaden tat, und auf welche dieselben daher bei ihrem Kreislauf ihr concentrirtes Feuer richteten. Bereits zu Anfang war eines der vier Geschütze der Batterie demontirt und dabei der kommandirende Offizier schwer verwundet worden. Der Artillerie-Fähnrich Schtschegolew übernahm sofort das Kommando, da jedoch der Feind ausserhalb des Bereiches der dritten Kanone stand, so konnten nur die beiden Kanonen der linken Seite operiren, und mit diesen beiden Geschützen hielt der tapfere junge Offizier s e c h s Stunden hindurch Stand gegen die feindlichen Dampfboote, zuletzt gegen acht Dampfer und die Segel-Fregatte "Aretusa".
Der Pulvervorrat bei der bereits halb demontirten Batterie wurde jedoch durch eine Rakete in Brand gesteckt und flog in die Luft. Der Artillerist, welcher den neuen Pulverkarren herbeiführte, fiel tödtlich verwundet und der Kugelregen über den Weg war vernichtend – die Batterie längere Zeit ohne Munition. Da ergriff der herbeikommende junge Freund des tapfern Kommandanten, der Student Poel, die Zügel des Gespanns, und den eisernen Hagel nicht achtend, führte er glücklich den Pulverkarren in den Schutz der Batterie. Seinen Rock abwerfend, blieb er hier bei dem Freunde, der nur von sechs Artilleristen noch unterstützt war, in der Bedienung der Kanonen helfend und die Kugeln herbeitragend. Auch die dritte Kanone wurde zum Schweigen gebracht, mit ihr fielen zwei Mann!
Unerschrocken setzten Schtschegolew und seine Tapferen das Feuer mit der vierten fort. Erst Nachmittags 2 Uhr, als die von der Batterie gedeckten Schiffe sämtlich in Flammen aufgegangen und die Batterie selbst in Brand geraten war, verliess der Fähnrich mit dem Studenten und den letzten drei Artilleristen sein letztes Geschütz und gelangte glücklich zu den Seinen7.
Die Bomben, welche die Schiffe von Zeit zu Zeit auf die Stadt geworfen, hatten ausser dem bereits bezeichneten wenig Schaden getan, da die Entfernung zu gross und die zurückgebliebene Einwohnerschaft, die sich während des Kampfes sehr gut genommen hatte und unter dem Feuer den kämpfenden Artilleristen Lebensmittel brachte, mit Löschanstalten bereit stand. Nach 4 Uhr stellte die angreifende Division, der noch die französische Dampfcorvette "Caton" sich angeschlossen hatte, ihr Feuer ein und kehrte zu dem Gros der Flotte zurück, v i e r ihrer Schiffe, den "Descartes", "Vauban", "Mogador" und die8 "Terrible" im Schlepptau, wovon die Havarie zweier das Werk der Batterie Schtschegolew's war. Die Verluste an Mannschaften auf der Flotte waren verhältnissmässig sehr unbedeutend, kaum nennenswert, in Folge der weiten Entfernung, die Russen jedoch hatten 200 tote und etwa 300 Verwundete.
Sechszehn Schiffe und die Magazine und Etablissements