und Preussen wird ihn unter keinen Umständen unterstützen, denn ausser der französischen gibt es dort bereits eine wichtigere englische Partei, zu der sich selbst viele Ultraconservative neigen."
"Persien," sagte der General, "auf das die russische Intrigue sicher rechnete, hat gleichfalls alle Rüstungen wieder eingestellt. Ich weiss bestimmt, dass von England bereits mit Sardinien wegen Teilnahme an dem Kriege unterhandelt wird, um durch dessen Contingent ein gewisses Gleichgewicht gegen Frankreich herzustellen. Ich begreife übrigens den Kaiser nicht; bei aller seiner Consequenz und seinem Hass gegen die Revolution stützt er sich doch hauptsächlich auf eine solche der Griechen und sein Kabinet sucht durch ganz Anatolien die Völkerschaften gegen den Halbmond aufzuregen."
"Die religiöse Anschauung dieses Mannes beherrscht seine politische, er hasst den Islam und bildet sich in der Tat ein, einen Religionskrieg für die Befreiung der griechischen Kirche zu führen, während seine Umgebung von Nesselrode an sehr wohl weiss, dass der Krieg ein rein politischer ist. Ebenso täuscht er sich über die Institutionen, die er geschaffen. Er hielt sie für genügend zu dem Kriege und wusste nicht, wie wir, dass er um zehn Jahre zu früh begonnen. Doch wie sind Sie mit ihm auseinander gekommen, und hierher mach Odessa?"
"Ich habe ihm mein Ehrenwort als Soldat geben müssen, Russland ohne weitere Verhandlungen und Schritte auf dem geradesten Wege, für mich also, da ich nicht durch Oesterreich und Preussen gehen konnte, über Odessa und in der kürzesten Frist zu verlassen. Er ist Soldat und wir verhandelten wie zwei sich gegenüberstehende Feldherren mit einander. Er hat ausdrücklich jede Begleitung meiner person verboten, sich auf mein Wort verlassend,5 und ich bin daher durch Ehrenpflicht gebunden."
"Haben Sie Etwas von Bakunin erfahren?"
"Er ist noch in Schlüsselburg, geniesst aber grösserer Freiheit. Ich hörte, dass sein Onkel Murawieff sich für ihn zu interessiren beginnt."
"Er hätte uns den Weg zu der slavischen Republik bahnen können; es war ein Unglück, dass er sich in das nutzlose Spiel in Dresden mengte. Was haben Sie nun nach der Scheiterung unseres Vorschlags beschlossen?"
"Es bleibt uns Nichts übrig, als vorläufig an den alten Plänen festzuhalten. Es stürzt Europa wenigstens für Jahre hinaus in Verwirrung und ermattet es. Wir haben noch immer den Vorteil, die günstige gelegenheit ergreifen zu können, und da Russland nicht mit uns sein will, müssen wir mit allen Kräften zu seiner Niederlage beitragen. Die höchste Gewalt richtet ihr Hauptaugenmerk jetzt auf Sardinien. Ich muss um jeden Preis sofort nach Constantinopel, um dort jeden Verdacht zu vermeidend."
"Das wird schwer sein," meinte der Graf, "der General-Gouverneur hat das Embargo auf alle Schiffe gelegt und kein Boot darf den Hafen verlassen."
"Glauben Sie an ein Bombardement?"
"Ich erwarte es, vielleicht schon morgen."
"Sind keine der Unsern in Odjessa?"
"Ich habe zufällig den kapitän eines Marseiller Kauffahrers, des 'Antilles', aufgefunden. Er gehört dem zweiten Grade. Sein Schiff liegt im Quarantainehafen mit voller Getreideladung, aber unter Embargo und unter den russischen Kanonen."
"Wir müssen auf jede Chance vorbereitet sein. Lassen Sie uns ihn aufsuchen." ––––––––––––––––––––––––––––
Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Bombardement, von Odessa eine von London her befohlene Revange für die Schlappe von Sinope war. England konnte es nicht ertragen, dass Russland einen, Seesieg erfochten haben sollte, und die englischen und französischen Journale wetteiferten mit einander, den offenen und ehrlichen Angriff auf die feindliche, in feindlichen Handlungen beschäftigte türkische Flotte, wobei durch die Stellung derselben ein teil der nahen Türkenstadt notwendiger Weise von den russischen Kugeln bestrichen werden musste, für eine Handlung der B a r b a r e i auszugeben, "wie sie in der Kriegsführung civilisirter Nationen unerhört sei!"
Durch diese – gegenüber dem späteren Verfahren, namentlich der englischen Flotte im Schwarzen Meere und der Ostsee, mehr als verächtlichen – Rodomontaden suchte man sich zu einem Rächer der beleidigten zivilisation zu stempeln, eine Phrase, die in dem orientalischen Kriege überhaupt zum Ueberdruss albern gebraucht worden ist, um unter dieser Firma eine Reihe von wirklich bisher in der Kriegsführung civilisirter Nationen unerhörter Handlungen zu begehen, indem man neben einem Raub- und Plünderungssystem zur See alle irgend zugangbaren unbewaffneten und unbeschützten Orte und Vorräte nutzlos zerstörte, die Hunderttausenden hätten Nahrung geben können!
Die englischen Schiffe betrachteten es, wie gesagt, offenbar als ihre Hauptaufgabe, die russischen Handels-Etablissements zu vernichten, und mit welchem Ruhm auch die Landheere Frankreichs und zum teil auch Englands vor Sebastopol sich bedeckt haben, die Taten der Flotte bleiben schmachvoll aufgezeichnet im buch der geschichte.
Der erste Schlag sollte gegen Odessa geführt werden, die Handelskönigin des Schwarzen Meeres, die Kornkammer eines grossen Teils von Europa. Die Veranlassung war leicht gefunden in der mutwillig herbeigeführten Beschiessung des Parlamentairschiffes, das offenbar den Auftrag des Spionirens oder des Zankapfels hatte. Dass das Bombardement bereits vor allen Erörterungen mit den russischen Behörden beschlossen war, zeigen die einzelnen Daten der Operationen und die bereits am 14. und 15. vorgenommenen Probebeschiessungen.
Unsere Leser wissen, dass wir uns im Laufe dieses Buches auf einem möglichst unparteiischen Standpunkte gehalten haben, aber wir glauben auch dadurch berechtigt zu sein, nach unserer überzeugung ein hartes und scharfes Urteil an bestimmten Orten auszusprechen.
Wir haben bereits erwähnt, dass das Bombardement schon beschlossen und die Correspondenz der ViceAdmirale daher nur eine Sache der