, hatte ihm die Mittel zur Fortsetzung der Reise verschafft. Der Offizier, vom Tschugujeff'schen Lancier-Regiment "Graf Nikitinn," verstand in russischer Manier die Pferde zu erzwingen und gab unterwegs seinem Begleiter, den er durch den kaiserlichen Befehl als genügend legitimirt für das russische Interesse ansah, einen Bericht über die Ereignisse der letzten Tage.
Am 8. April war die englische Dampffregatte "Fourious" auf der Rhede von Odessa erschienen und hatte unter Aufhissung einer Parlamentairflagge ihren Weg in den Hafen fortgesetzt, bis die Abfeuerung von zwei blinden Schüssen von der Hafenbatterie ihr Halt gebot. Sie zeigte hierauf die englische Flagge und hielt sich ausserhalb der Schussweite, ohne jedoch Anker zu werfen, indem sie ein Boot mit weisser Fahne nach dem Molo absandte. Dies wurde von dem dienstabenden russischen Offizier empfangen, dem der Parlamentair, Lieutenant Alexander, erklärte, dass er den englischen Consul sprechen – wolle. Der Russe erwiderte, dass beide Consuln – da die Kriegserklärung bereits am 27. März erfolgt sei – schon vor drei Tagen Odessa verlassen hätten. Verschiedene andere fragen nach der Anwesenheit englischer und französischer Untertanen und Schiffe, mit denen der Parlamentair offenbar einige Zeit hinzubringen suchte, wurden mit der endlich determinirten Erklärung abgeschnitten, dass man jede weitere Auskunft verweigern müsse und das Boot sofort zu seinem Schiff zurückzukehren habe.
Dies geschah; – das Boot jedoch, statt den direkten Weg nach der "Fourious" einzuschlagen, beschrieb einen halben Bogen entlang den Hafenbatterieen. Zugleich hatte der kapitän der "Fourious", William Loring, obschon allerdings die Maschine des Schiffes ausser Tätigkeit war, die Nordwestbrise benutzt, um sich von derselben nach der Seite der Rhede, dem inneren oder Quarantainehafen, hintreiben zu lassen, und befand sich bereits innerhalb der Kanonenschussweite.
Es lag demnach absichtlich oder unabsichtlich dasselbe Manöver vor, welches von der "Retribution" im Januar auf der Rhede von Sebastopol versucht worden, und der Kommandant der Batterie des Molo, dessen Befehl lautete, kein feindliches Kriegsschiff innerhalb Kanonenschussweite herankommen zu lassen, liess daher auf die Fourious, die, vergeblich durch die blinden Schüsse gewarnt, sich zu nahe herangewagt hatte, ohne auf ihr Boot zu warten, von der Batterie Feuer geben. Es fielen sieben Schüsse, ehe die Fregatte sich ausser den Bereich der Kanonen legte1 und fortsegelte.
Am 14. erschienen bereits die drei Dampffregatten "Retribution", "Tiger" (englisch) und "Descartes" (französisch) vor der Rhede und kündigten noch vor der Forderung einer weiteren Erklärung ihre Ankunft mit mehreren scharfen Schüssen gegen die Hafenbatterieen an. Auf die hiernach gestellte Anfrage, warum man auf das Parlamentairschiff geschossen, gab Baron von Osten-Sacken eine schriftliche, die Anschuldigung zurückweisende Erklärung des Vorganges, indem er zugleich in einer Proclamation die Bewohner von Odessa aufforderte, im Angesicht der Gefahr einer Blokade oder selbst einer Beschiessung der Stadt ihre Habe landeinwärts in Sicherheit zu bringen. Die feindliche Schiffsdivision hatte sich unterdessen ausserhalb des Bereichs der Hafenbatterieen aufgestellt und fing alle nach Odessa gerichteten russischen Schiffe auf. Während der Nacht gab sie mehrere volle Lagen auf die am Hafen befindlichen Magazine, von denen eins in Flammen aufging. Am andern Tage ging sie mit 14 Prisen zurück in der Richtung von Varna.
Am Freitag den 20. waren hierauf die am 17., ohne die Antwort des Gouverneurs von Sebastopol abzuwarten, von Kavarna aus unter Segel gegangenen vereinigten Geschwader auf der Rhede vor Odessa erschienen und warfen etwa 3 Seemeilen östlich von der Stadt Anker. Erst hier, am 21., erhielt nach dem eigenen Bericht der Admiral Dundas das Antwortschreiben des General-Gouverneurs von Osten-Sacken durch die nachkommende "Retribution". – Bis hierher lautete der Bericht des Offiziers, den der russische Gouverneur an die in der Umgegend stationirten Truppen zur Herbeiholung von Verstärkungen abgesandt.
Zahllose Fuhrwerke mit Habseligkeiten der Bewohner und diesen selbst begegneten ihnen, je näher sie der Stadt kamen. Von der niedern Höhe, auf welcher die Stadt in einiger Entfernung vom Hafen liegt, überblickten sie das Meer und die feindliche Flotte. Sie zählten 28 Segel, darunter 6 Dreidecker, 13 Zweidecker und 9 Dampfschiffe.
Am Eingang der Stadt und in den Strassen war das Gedräng so stark, dass der Wagen oft längere Zeit still halten musste. Der Offizier benutzte eine solche Pause, um einen vorübergehenden ihm bekannten Militair um weitere Nachrichten zu fragen. Es war ein junger Mann von etwa 24 Jahren in der Fähnrich-Uniform der Artillerie, der mit einem Studenten Arm in Arm daher kam.
"He, S c h t s c h e g o l e w ," rief der Offizier, "Gott grüsse Dich und Herrn P o e l an Deiner Seite, die Ihr wie Castor und Pollux stets bei einander zu finden seid. Komm hierher und sage mir, was seit gestern geschehen ist, dass alle diese Leute so in Aufregung sind?"
Der Fähnrich mit dem characteristisch russischen Gesicht, der breiten gepressten Stirn und einer Mut und Entschlossenheit verratenden Kinnbildung, trat zu der Kibitke.
"Der Himmel erhalte Dich, Gospodin2 und Euer Wohlgeboren. Wir werden morgen harte Arbeit bekommen. Die Admirale haben einen groben Brief an Seine Excellenz heute geschrieben und wollen eine Entschädigung, wie sie es nennen, dafür haben, dass wir vom Molo auf ihre Fregatte geschossen. Sie verlangen bloss, dass ihnen alle französischen, englischen und russischen Schiffe, die bei der 'Festung' oder den Batterieen von Odjessa liegen, bis Sonnenuntergang ausgeliefert werden,