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bedeuten? – er begann seine Waffen von sich zu legen, – die Waffen, die der Klephte nie von seiner Seite lässt, ausser

Die Fünf zogen ihre Yatagans und nahten sich der Tür. Ein höhnisch frecher, faunenartiger und gehässiger blick fiel auf das türkische Mädchen und den von den Würfeln Erwählten.

Der Mainote Demetri-Bei, ein Mann von wildem Aussehen und riesigen Körperformen, von etwa dreissig Jahren und in der Fülle seiner Kraft, begann ein seidenes Tuch knebelartig zusammenzudrehen.

Dann nickte er den gefährten. Sie verliessen schweigend die Hallehinter ihnen fiel die Tür zu. Sie gingen, draussen am Wall mit ihren Yatagans ein Grab zu schaufeln.

Der Mainider toteund die Türkin waren allein!

Die Blicke der beiden Lebenden begegneten sichdie des Mainoten bohrten sich frech auf das blasse, aber dämonisch schöne Antlitz des Weibes und die Wellenformen ihrer gefesselten Gestalt

Die Blicke des Weibes sprachen Hass, Verachtung, aber zugleich Entsetzen.

Die Augen des toten sagten Nichtssie waren geschlossen für dieses Leben und geöffnet für das furchtbare Jenseits, wohin er seinen sündigen Hass mit hinüber genommen und wo er gewogen wurde von der Schale des ewigen Richters, der keinen Hass kennt, nur Gerechtigkeit!

Die Türkin sah den Mainoten auf sich zukommen, seine Linke hielt den Knebel! Schritt um Schrittjetzt war er an ihrer Seite!

Ihre hände rangen sich wund, die ledernen Bande zu sprengen.

Noch kam kein laut von ihren Lippen.

Dann – – – –

Fussnoten

1 Gleich 48 Drachmen oder circa 17 Gulden, 1 Drachme = 100 Lephtas oder 21 Kreuzer. 2 Dieselbe lautete:

"Wir Unterzeichnete, Bewohner der (Türkischen) Provinz A r t a , sehr unterjocht und mit Abgaben überhäuft, Unsittlichkeiten und Gewalttätigkeiten gegen unsere Jungfrauen erduldend von diesen wilden und barbarischen T ü r k e n , setzen fort den gemeinschaftlichen Krieg von 1821 und schwören auf den Namen Gottes und des geheiligten Vaterlandes, dass wir unsere Waffen nicht eher niederlegen wollen, bis wir unsere Freiheit errungen haben. Wir hoffen bei dieser Fortsetzung des Kampfes von 1821, dass nicht nur alle freien, sondern auch die noch unter der Knechtschaft der Türken senfzenden Griechen die Fahne der Freiheit erheben werden, um den Kampf für Glauben und Vaterland fortzukämpfen. Dieser unser Kampf bleibt ein heiliger, ein gerechter, begründet im Nationalrecht, deshalb wird uns Niemand unser Vorhaben verdenken. Wohlauf denn, Brüder in Griechenland, Epirus, Macedonien, Tessalien und Anatolien, erhebet auch Ihr die Fahne und steht uns bei im Kampf für Freiheit und Glauben. Gott und die Heiligen mögen unser Beginnen segnen." 3 Kreise. 4 Sein Gesuch lautete:

"Majestät! Mein engeres Vaterland grenzt an den

Schauplatz des Krieges, welchen die Nachbarn und Landsleute, die Epiroten, gegen die türkische Tyrannei begannen. Was der gehorsamst Unterzeichnete zuerst bei seiner Ankunft hier vernahm, war der Waffenlärm der für Glauben und Vaterland kämpfenden Brüder und das Echo einer fernen stimme, welche mich selbst wieder auf das Schlachtfeld rief. Diese stimme ist die des Vaterlandes, die Niemand unbeachtet lassen kann, ohne Verräter an der Heimat und sich selbst zu werden. Indem ich auf diese stimme meines unterdrückten Volkes horche und ihm zu Hilfe eile, bitte ich Ew. Majestät, mein Gesuch um Entlassung von meiner Stelle als Militair-Oberst, welche Ew. Majestät mich würdigten, zu bekleiden, gnädigst anzunehmen. In tiefster Ehrfurcht Ew. Majestät gehorsamer Diener und Untertan

S o t i r i s S t r a t o s ."

5 Allgemeine Benennung der Bewohner von Albanien. 6 Die Führer der Freischaaren. 7 Tapfere. 8 Klan oder Stamm. 9 Kriegsgefang. 10 Familienhaupt, Hausherr. 11 Griechische Benennung der heiligen Jungfrau. 12 Mäntel von Ziegenhaaren. 13 Fehde. 14 Stammes. 15 Madame. 16 Wehrwölfe. 17 Secte des Ali, im Gegensatz zu den Suniten, den gewöhnlichen Türken. 18 Mausoleum. 19 Stellvertreter des Pascha's oder Gouverneurs. 20 Georg Kastriota, genannt Scanderbeg; seine Nachkommen, zum Islam übergetreten, regierten drei Jahrhunderte lang die Landschaft Toskarien oder Mutasche. 21 Der Kampfruf der Araber. 22 Mainoten.

Das Bombardement der zivilisation.

Es war am Nachmittag des 21. April, am Charfreitag des russischen Osterfestes, als auf der schönen Strasse von Kiew her nach O d e s s a eine der gewöhnlichen russischen Courier-Kibitken mit dem Dreigespann, der Troitza, eilig daher rollte. Der Insitzende, ein Mann in Civil, zwischen Vierzig und Fünfzig, durch das Begegnen zahlreicher Estafetten und Ordonnanzen während des ganzen Tages aufmerksam gemacht, hatte bereits auf der vorletzten Station die sich mit Blitzesschnelle verbreitende Nachricht erhalten, dass das vereinigte französisch-englische Geschwader unter Vice-Admiral H a m e l i n und Admiral D u n d a s am Tage vorher auf der Höhe der berühmten Handelsstadt erschienen sei und dass man jeden Augenblick ein Bombardement erwartete. Zahlreiche Militair-Kommando's, die in Eilmärschen, von Depeschen requirirt, auf Odessa zurückten, hatten während des Vormittags die Strasse gesperrt, und nur der Umstand, dass der Reisende, dessen Aussehen zwar den Militair verriet, der aber nur wenig Russisch sprach, einen vom Kriegsminister selbst unterzeichneten Courier-Pass und Befehl zur Pferdestellung besass, und auf der vorletzten Station einem der ausgesandten Ordonnanz-Offiziere des General-Adjutanten Baron von Osten-Sacken, der in Odessa kommandirte, höflich die Mitfahrt angeboten