die Vorbereitungen, die der Feind und er selbst getroffen, – das war sein Trost zum tod, und die Augen des alten Klephten funkelten bei der Erzählung des Empfangs, den seine gefährten den Türken bereiteten.
"Lebt wohl, Capitano," sagte er, "und mögen die Heiligen Euch beschützen und die Unterirdischen Euch helfen! Ich gehe zum Acheron und die Panagia möge mir gnädig sein. Habt Ihr die Zeit, so lasst ein Grab für mich bereiten, damit die Moslems, wenn der Teufel ihnen den Sieg gibt, nicht meinen grauen Kopf nehmen. Gebt mir den Segen, Capitano, denn mein Atem ist kurz und ich habe noch von den Kindern der hohen Maina zu scheiden."
Der General sprach ein kurzes Gebet und machte das Zeichen des Kreuzes über ihn. Dann fragte er, ob er vielleicht das Türkenmädchen entfernen solle, damit ihr Anblick seine letzten Augenblicke nicht störe. Der Klephte aber machte heftig das Zeichen der Verneinung, und noch ein Mal ihm die Hand reichend schied Grivas von dem Krieger.
Draussen befahl er dem Neffen, am Eingang des Walles Wache zu halten; er selbst übernahm den Posten auf der Höhe des Turmes, die sechs Mainoten zu ihrem sterbenden Genossen sendend. –
Die wilden Gestalten der Krieger knieten um den gefährten, den Comodouro, sein leiblicher Vetter, unterstützte. Der sterbende Klephte sprach in leisen Worten zu ihnen, er sprach von dem Kampf, in den sie gehen würden, und von der Tapferkeit, die er von ihnen erwartete. Dann sprach er von den Seinen in der Heimat und von den Tscheta's, – den Blutfehden, – die er seiner, Familie zurückgelassen. Er gab ihnen Allen die Grüsse an die Heimat und seine letzten Bestimmungen, damit, wenn Einer von ihnen den Türken entrinne, dieser sie den Seinen überbringe. Zuletzt sprach er von seinem tod und von der Pflicht der Rache, die er ihnen hinterlasse.
"Ich sterbe von der Hand eines Weibes, Fluch über ihr Geschlecht! Der Tod durch Weiberhand ist kein Tod im Kampf, und das Gesetz unserer Väter verlangt, dass er gerächt werde."
"Der General ist kein Sohn der Maina," sagte Constantin, "er kennt nicht das Gesetz der Blutrache. Das Weib wird sterben von meiner Hand!"
Der Verwundete winkte abwehrend mit der seinen. – "Der Capitano hat befohlen, dass ihr Leben geschont werde. Sie ist seine Gefangene – und wir sind freie Krieger, die ihm Gehorsam geschworen. Das Weib darf nicht sterben, – es w ü r d e d e r T o d e i n e s T a p f e r n s e i n !"
"Der Deine muss dennoch gesühnt werden, Andunah Vati, oder Dein Schatten wird die Unterirdischen verlassen und Fluch bringen über die Schwelle unserer Häuser."
"Er soll es!"
Der Sterbende warf einen blick wilden Hasses auf das Mädchen, das bisher gleichgültig dem schaurigen Auftritt beigewohnt. Er flüsterte mit dem Auge auf ihr ein Wort.
Der Klephte nickte stumm.
"A l l e – A l l e ! Fluch und Schmach über sie!"
Sie neigten A l l e das Haupt.
"Ich danke Euch, Brüder. – Das Auge wird dunkel – lebt wohl, Maini's, und vergesst Euren Schwur nicht! – Heilige Jungfrau, bitte für mich und vernichte die Moslems – –"
Die sechs begannen einen Gesang zu murmeln – eintönig, mit jener plärrenden unangenehmen Weise der Griechen, die sich einzig in zwei Tönen bewegt – den Sterbegesang eines Kriegers – halb Psalm, halb Hymnus!
Die Augen des Sterbenden ruhten mit glühendem Hass auf dem Türkenmädchen, starrer und immer starrer, während seine hände über die Brust gefaltet waren. Dann begannen seine Glieder sich zu strekken – ein unheimliches Gurgeln quoll die Kehle herauf und ein Zucken erschütterte die Glieder.
Der Wolf des Taygetos hatte geendet!
Die Wölfin von Skadar schauderte unwillkürlich zusammen, – eine furchtbare unbestimmte Ahnung überkam die wilde Amazone der Berge. Starr, wie das des toten, haftete ihr Auge auf der Gruppe um denselben.
Fort und fort murmelten die Maini's den Sterbegesang.
Dann erhoben sie sich Alle zusammen und schlugen das griechische Kreuz, während Constantin Comodouro der Leiche die Lider über die grossen starren Augen drückte und sie lang auf das Blätterlager ausstreckte. Der Blutsfreund des toten leitete die Leichenceremonieen – dazu gehörte die Rache!
Er winkte nach der Gefangenen, die noch immer mit aufmerksamen Blicken jede seiner Bewegungen beobachtete, den Tod erwartend. Sie tat es trotzig und furchtlos – ihr Auge zeigte nur Verachtung und Hass.
Er nahm aus der tasche seiner Jacke zwei Würfel und alle sechs kauerten sich im Kreise neben den toten.
Sie würfelten – Comodouro begann! Sollte das Spielerglück entscheiden, wer ihr den Todesstoss gab?
C o m o d o u r o warf sechs!
H a s s a n S t a v r o – Acht!
G e o r g Z a n e t – elf!
P a n a g o t t i Z a n e t a c c h i – Vier!
G e o r g M a u r o m i c h a l i s – Fünf!
D e m e t r i - B e y – zwölf!
Das los fiel auf i h n – aber seltsam – was sollte das