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aus ein heftiges Feuer auf die kleine Schaar der Verteidiger unterhielten; aber Grivas hatte drei seiner besten Schützen eilig nach dem zweiten Stockwerk der Kula gesandt und ihre Kugeln schlugen Tod bringend in das Gedränge der Türken auf dem Wege oder warfen Mann um Mann zerschmettert von der mit Mühe erklommenen Felswand zurück in die Tiefe, während die beiden auf dem Dach des Turmes postirten Krieger unter gleichem Erfolg mit den herandrängenden Trupps der Araber im Tale Kugeln wechselten.

Die Offiziere der Türken sahen ein, dass sie ohne andere Vorbereitungen nutzlos ihre Leute dem tödtlichen Feuer der Griechen aussetzten und befahlen den Rückzug.

über zwanzig tote lagen bereits auf dem Kampfplatz, zahlreiche Verwundete schleppten sich zurück aus dem Gefecht.

Man sah die Offiziere des abgeschlagenen Nizam und die Buluk-Baschi's der Arnauten Selim's um das Lager des verwundeten Pascha's sich versammeln und Kriegsrat halten. Inmitten der Phistans, der bunten Kleidung der Albanesen und der dunkelblauen Röcke der Offiziere, wehte der weisse Burnus des Arabers, und seine heftigen Gestikulationen zeigten, mit welchem Feuer er sprach.

Sein Rat schien Beachtung gefunden zu haben und ein Beschluss gefasst zu sein, denn während seine Boten den grössten teil der Reiter um ihn versammelten, wurden die Artilleristen und eine Anzahl Nizams an die Kanonen kommandirt, und man versuchte eine derselben durch Menschenhände auf dem Felsendamm vorwärts und näher dem Eingange der Palanka zu bringen. Mit vieler Mühe und nach langer Arbeit gelang es, eine Kanone bis auf 300 Schritt heran zu bringen. Noch in dieser Entfernung trafen die Kugeln der Griechen und namentlich aus der Büchse des Generals oft ihr Ziel, und die Türken hielten es daher für rätlich, hier ihren Halt zu machen.

unterdessen hatten die um den Emir Abdallah versammelten Araber sich auf die erhaltenen Befehle nach allen Seiten hin zerstreut. Der Führer der Mainoten hatte alle diese Anstalten der Feinde eifrig und nicht ohne Besorgniss beobachtet. Der entfernte, fortdauernd von Zeit zu Zeit rollende Donner des Geschützes benachrichtigte ihn, dass in der Ferne gleichfalls ein harter Kampf geschlagen wurde gegen seine Truppen, die des Führers durch seine eigene Unvorsichtigkeit beraubt waren.

Mit einem kleinen Fernrohr, das er bei sich hatte, verfolgte er die Araber, die sich in die Berge zwischen die Bäume und Büsche verlorener konnte sehen, wie sie mit ihren Yatagans leichte Zweige und Aeste abhieben und zu starken Bündeln zusammen banden.

Im Augenblicke stand die Absicht der Gegner vor seinen Augensie machten Faschinen, um die Schlucht, die sie vom Platean trennte, zu füllen.

Seine Augen flogen umher, um ein Gegenmittel zu suchen und fanden es. Zwischen dem Wall und dem Turme lag ein ziemlich grosser Vorrat von trockenen Reisern, Röhricht und Binsen aus den Sümpfen, den die Hirten hier zu ihrem Gebrauch aufgehäuft.

Dasselbe Mittel, das ihr Verderben bereitete, sollte die Gegner schlagen.

Während zwei der Mainoten fortwährend auf dem Turme Wache hielten, traf der kühne Palikarenführer seine Vorbereitungen.

Stunden waren mit dem ersten Angriff und mit diesen beiderseitigen Vorkehrungen seiter vergangender Mittag nahte und die Zeit, da die Kranken und Verwundeten in die Hand des schwarzen Engels gegeben sind.

Eine furchtbareentsetzliche Scene hatte im Turm der Palanka, im Kerker des Türkenmädchens, begonnen, den weder Grivas noch sein Neffe wieder betreten.

Die Feder weigert den Dienst, jene Taten niederzuschreiden, mit der die Krieger des Kreuzes die heldenmütige Verteidigung der Palanka von Protopapas entweihten; doch der Schriftsteller hat die Pflicht der Gerechtigkeit, und mit Grauen über die Bestialität in der menschlichen natur, muss er Scenen schildern, wie sie zwischen Völkern vorkommen, welchen seit Jahrhunderten Tyrannei und Fanatismus, Rohheit und Hass das Entsetzliche zum Gewöhnlichen gemacht haben.

Zu dem General kam der Mainot Constantin Comodouro und meldete ihm, dass der Engel des Todes an das Lager seines Verwandten getreten sei, und dass dieser wünsche, von ihm Abschied zu nehmen und zum Sterben eingesegnet zu werden.

Die rauhen Krieger der Maina, deren Religion noch immer ein phantastisches Gemisch von altem Aberglauben und den Lehren der griechischen Kirche ist, während sie seit Jahrhunderten bereits mutig für das Kreuz in den Tod gehen, – hängen fanatisch an ihren Priestern. Wenn der Tod sie fern von denselben ereilt, ist es der Capitano, der das Recht hat, jenen zu ersetzen und ihnen die Absolution und den letzten Segen zu erteilen.

Ein sterbender Krieger verlangte ihn, und der wilde Palikarenführer zögerte nicht, den Wunsch zu erfüllen, so lange die Waffenruche es erlaubte. –

Ein Halblicht, durch zwei enge hochangebrachte Schiessscharten der Mauer, zu denen steinerne Stufen führten, hereinfallend, beleuchtete das ziemlich grosse Gemach, an dessen einer Wand halb aufgerichtet der Sterbende ruhte, während auf der andern Seite auf dem Lager von Binsen und Laub das gefesselte Türkenmädchen lag, mit dem Gesichtnach dem Krieger gekehrt, dem ihre Kugel den Tod gebracht, und ein Zug hohnlächelnden Frohlockens war in ihren dämonischen Augen und um den festgeschlossenen Mund.

Der General betrat allein das Gemach und setzte sich auf einen Stein an die Seite des Verwundeten. Es war ein Kakavouniot, der wildeste und grausamste Stamm der wilden und grausamen Mainoten, ein Mann, längst über das mittlere Lebensalter hinaus und ein Häuptling seiner Familie, der bereits mit dem General in mehreren Schlachten des ersten Befreiungskrieges gefochten. Die natur von Eisen, die an vierzig Jahre lang den blutigsten Kämpfen getrotzt, unterlag jetzt der Kugel eines Mädchens.

Grivas reichte dem Getreuen die Hand und verkündete ihm die Stellung des Gefechts und