rasirt, denn rechts und links und von der hinteren Hälfte fiel mähnenartig ein starks graues Haar in langen Strängen und Flechten auf den Stiernacken herunter und vereinigte sich um Mund und Kinn mit einem gleichen rauhen Bart, den der Alte von Zeit zu Zeit wohlgefällig strich. Stirn und Gesicht bildeten dazu ein förmliches Gewebe von Runzeln, Falten und Narben, aus dem über der langen schnabelartig gebogenen Nase ein dunkles rastloses Auge mit einem Glanz und einem unstäten Ausdruck funkelte, der häufig etwas Wahnwitziges an sich trug. Das andere Auge war erblindet, von einem Schlag ausgelaufen, und die leere Höhlung erhöhte das Unheimliche des Gesichts, das durch einen breiten Mund mit glänzenden wolfsartigen Zähnen gleichfalls nicht gewann. Dies Haupt war von der beim volk eingebürgerten Kopfbedeckung beschattet, dem tücherumwundenen Fez, der dadurch die Form eines Turbans gewinnt. Die furchtbarste Beigabe des Gesichts aber war ein im Rauch gleich den Köpfen der Neuseeländer getrocknetes Menschenhaupt, das in seiner ganzen Scheusslichkeit an einer starken durch den Schädel gezogenen Schnur gleich einem Amulet oder einer Zierrat um den Hals und auf der Brust des Alten hing. Hinter dem Greise am Felsen lehnte seine lange am Schaft reich mit Silber beschlagene Flinte von altertümlicher Form.
Der übrige teil der Gesellschaft bestand aus einem neben ihm sitzenden jungen Mann von 20 bis 21 Jahren, von edler klassischer Gesichtsbildung in einfacher griechischer Tracht; einem türkischen Arnauten im malerischen, nur bei dem Individuum stark mitgenommenen, ja zerlumpten roten Costüm des Volksstammes der Gueguen; und in einem jungen Burschen von etwa 14 bis 15 Jahren, der gleichfalls die Kleidung der Czernagorzen trug und dessen Züge eine unverkennbare Aehnlichkeit mit denen des Alten hatten. Dasselbe, nur gemildert zu den Formen wirklichen Reizes, war bei der jungen Frau der Fall, die sich mit der Zubereitung des Mahles beschäftigte. über den lang herabfallenden mit Bändern durchflochtenen Zöpfen lag zierlich das weisse italienische Kopftuch mit dem herunterhängenden Schleier, dem Zeichen der Zeichen der verheirateten Frau. Ein eng und faltenreich um den Hals schliessendes Hemd mit weiten bunt gestickten Aermeln, die Schürze von roter Wolle, darüber das Ueberkleid ohne Aermel von weissem Tuch mit blauen Schnüren geziert, vorn offen, Brust und Schürze mit dem am Gürtel hängenden Einschlagmesser frei lassend, Socken und Sandalen an den Füssen, bildeten ihren charakteristischen nicht unzierlichen Anzug.
"So sagst Du also, B e g ," setzte der Arnaut das Gespräch fort, "dass der Christensultan in Moskwa das schwarze Hochland frei machen wird von den Gläubigen?"
"Du redest, wie es ein Moslem versteht, Khan H a s s a n L e k i t s c h ," entgegnete der Greis. "Die Kinder der Czernitza sind nie die Sclaven des weissen Czaren3 in Stambul gewesen, seit Iwo's meines Ahnherrn, zeiten, der unter Obod's4 Trümmern am Busen der schwarzäugigen Wila's5 schläft, die über ihn wachen und ihn dereinst auferwecken werden, sobald es Gottes Wille ist, seinen geliebten Czernagorzen C a t t a r o und das b l a u e M e e r wiederzugeben. Dann wird der unsterbliche Held wiederum an die Spitze seines Volkes treten und die Schwabi6 vertreiben, gleich wie er die Bekenner des Halbmondes von unseren Bergen vertrieben hat."
"Aber Beg, Du weisst, dass ich selbst zu den Gläubigen gehöre."
"Was kümmert das Iwo, den Einäugigen?" sagte der Greis in heiliger Einfalt. "Bist Du nicht unser Gastfreund und hast von unserm Brote gegessen? Was kümmert mich Dein Glaube, Khan, wenn Du Treue hältst dem volk der Czernagora."
"Du sprichst es, Beg, und es muss wahr sein. Aber sage mir, wie ist es mit dem Volk der Moskowiten?"
"Höre mich, Khan Hassan, und merke auf meine Worte, denn solche hat mit der Pope Petrowitsch gesagt. In Stambul, das Deinem weissen Czaren gehört, steht eine mächtige Kirche, von den Heiligen des himmels gebaut und darin viele heilige Dinge, die gehörte den Christen, unsern Brüdern. Aber der weisse Czar hat sie ihnen geraubt und lässt jene den Haradsch zahlen und viele schwere Steuern. Er schlägt die Männer und hält sie mit dem Antlitz in's Feuer, bis sie ihm sagen, wo sie ihr Geld verborgen halten, und den Weibern und Mädchen schneidet er das Gewand über dem Knie ab und gibt sie seinen Kriegern zur Beute, also dass er jeden Stamm der Rajahbrüder vertilgen will von dem Erdboden. Darob ergrimmte der schwarze Czar, unser Vater in Moskau, und er hat seine Krieger marschiren lassen in das Land unserer Väter an dem grossen Strom, an dem der Heiduck wohnt und der Serbe und der Bulgare, dass der Serdar, unser "Aber der Vladika hat Frieden gemacht mit dem "Du redest Torheit, Khan! Kann denn die Welle Er zeigte ihm eine der russischen Denkmünzen, wie "Meinst Du," fuhr der Greis fort und sein eines w i t s c h in seiner Jugend umsonst Troitza gestürmt und den Helden Campaniole mit seiner Kugel erlegt habe, oder dass er gegen den grausamen Dschelaluddin vor dreiunddreissig Wintern gefochten und die Taktiki's des Mehemed bei den Kula's von Martinitsch getödtet habe, um in seinen alten Tagen von Gott, dem grossen Würger9, auf seinem Lager gefunden zu werden? Sieh dieses Haupt auf meiner Brust, es gehörte einst dem Pascha des verfluchten Podgoritza, Namik-Halil, und seit einundzwanzig Jahren trag' ich