Beh's, eines Tapfern, dem die Hand eines Verräters Unglück gebracht hat. Ich rede in seinem Namen und führe seine Krieger gegen Euch zum Kampf."
"Sage mir, Emir Abdallah, bei Deinem haupt beschwöre ich Dich," unterbrach Nicolas Grivas das Gespräch, "ist der Pascha bei dem Sturz umgekommen, oder glücklich der Gefahr entgangen?"
"Ich erkenne Dich an Deiner stimme, Pferdedieb," entgegnete der Araber, "und Fluch über Dich, denn Du hast Verrat geübt an dem, dessen Brot Du gegessen. Allah hat seine Hand über dem Pascha gehalten, er ist schwer verwundet und sein Schenkel gebrochen aber er lebt Euch zum Verderben."
Ein unwillkürliches "Den Heiligen sei Dank!" entfloh den Lippen des jungen Mannes. Dann verliess er hastig den Wall und eilte in das gefängnis Fatinitza's, um ihr die Nachricht zu verkünden.
Sie nahm sie schweigend auf, kein laut, kein blick des Auges verkündete ihre Gefühle.
unterdessen nahm die Unterhandlung draussen ihren Fortgang.
"Weshalb kommst Du, Emir? – Ich bin Grivas, der General der freien Griechen."
"Deine Krieger," sagte der Araber, "werden in diesem Augenblick von dem Pascha von Janina vernichtet, Du hörst den Donner der grossen Büchsen. Schaue auf die Zahl meiner Tapfern und Du siehst, dass ein Entrinnen unmöglich ist. Es ist keine Schmach für den Kühnen, der Macht zu weichen. Gieb Dich gefangen mit Deinen Lecken, und das Urteil des Pascha's wird milde sein."
"Bin ich ein Kind oder ein Weib, dass Du so mit mir redest? Mir haben Kugeln in unsern Flinten und Blut in unsern Adern."
"Du bist ein Tapferer, ich weiss es, und Abdallah, der mit den Rotjacken vor Aden gefochten, ehrt die Tapfern, auch wenn sie seine Feinde sind. Gieb mir mein Pferd Eidunih und Fatinitza, die Tochter des Pascha's, nebst dem Verräter heraus, der sie beide entführt hat, und liefert Eure Waffen ab, so will der Pascha Dir und den Deinen den Abzug erlauben, wenn Ihr bei dem Koran der Christen schwören wollt, nie wieder gegen das Licht der Welt zu kriegen."
"Der Mann, den Du einen Dieb nennst," sagte der General, "ist mein Reffe und ein Krieger des Kreuzes, dessen Blut nicht für die türkischen Henker bestimmt ist. Das Weib und das Pferd kannst Du erhalten, aber nicht unsere Waffen, die wir brauchen wollen, so lange ein Moslem auf griechischer Erde steht. Ueberdies, was bürgt uns für die Erfüllung des freien Abzugs? wir kennen die Treue der Türken."
"Mein Wort," entgegnete der junge Araber stolz, "der Eid Abdallah's ben Zarugah, und die Sterne würden eher in ihrem Lauf zurückgehen, als dass ein Hauch des Eides bei seinem Bart nicht gehalten würde."
Der griechische General lachte verächtlich.
"Du magst redlich genug sein für einen Araber, aber die Türken, Deine Brüder, sind Pesevenks, Schurken. Wir verlassen uns auf die Jungfrau und unsere Flinten, wenn Du keine bessern Bedingungen giebst. Zieht Euch zurück nach Janina, lasst die Berge frei, und ich will Dir Pferd und Weib unbeschädigt zurückgeben. Willst Du nicht, so mache, dass Du fortkommst."
"Hund! Sohn eines Juden und einer Hündin, willst Du Abdallah in den Bart lachen?" rief der Emir wild, indem er sein Ross wandte und den schützenden Zweig hinwegwarf. "Dein Blut komme über Dich! Allah Akhbar – zum Kampf!"
Eine Kugel pfiff dicht an seinem Haupt vorbei, aber die Bewegung des Pferdes rettete ihn und er jagte unverletzt davon, – die Griechen sparten ihr Blei für den Kampf auf Tod und Leben, der, wie sie wussten, jetzt folgen musste.
Kaum war der Emir zu der Gruppe unter den Feigenbäumen zurückgekehrt, so wurde auch das Zeichen zum Beginn des Kampfes gegeben, und die beiden leichten Feldgeschütze eröffneten ihr Feuer gegen die Palanka.
Die Geschütze waren jedoch zu schwach, um auf diese Entfernung hin von energischer wirkung zu sein, und sie beunruhigten und gefährdeten kaum die Personen du Verteidiger. Die Kugeln übten gleichfalls nur geringe Zerstörung an den dicken Marmorquadern des Tutmes und wühlten den ohnehin halb zerstörten Wall auf, – die Einnahme der Palanka konnte allein von dem Sturm mit gewaffneter Hand erwartet werden.
Dieser liess denn auch nicht lange auf sich warten. Die Maini's sahen den jungen kühnen Führer gleich einem Pfeil von einem der Posten zum andern jagen, welche das etwa 50 bis 60 Fuss über das Tal emporragende Plateau umgaben, und ihnen seine Befehle erteilen. Sie bestanden grösstenteils ans seinen berittenen Arabern, und diese rückten jetzt bis auf Schussweite ihrer langen Luntenflinten heran und begannen ein scharfes Feuer auf alle Oeffnungen des Turmes und auf den drei ihnen zugekehrten Seiten des Walles, während eine Abteilung des Nizam an den Seiten des Felsendammes und auf diesem selbst vorrückte.
Sobald sie auf etwa 200 Schritt heran gekommen, gab der General das Zeichen zur Eröffnung des Feuers, und Schuss auf Schuss aus den sichern Flinten der Mainoten schlug in die Reihe der Stürmenden, und zwölf tote oder schwer Verwundete deckten den Weg, ehe sie bis an die Spalte herankamen, welcher jetzt die verbindende brücke fehlte. Die Untenstehenden versuchten zugleich, an der hier etwa vierfache Manneshöhe haltenden Felswand heraufzuklimmen, während ihre gefährten vom Damm