," sagte bei der Bitte wild der Mani Comodouro. "Ihre Kugel traf, ihn – sie muss sterben!" Er hob die Pistole gegen die Unglückliche.
Der General jedoch stellte sich vor sie. – "Zurück, Mann! Andunah Vari wurde im ehrlichen Kampf erschossen und die Türkin ist meine Gefangene. Wer es wagt, die Waffe gegen sie zu erheben, hat es mit mir zu tun. Du aber, Neffe, irrst, wenn Du glaubst, ihre Freiheit dafür in Anspruch nehmen zu können, dass Dein Ruf uns gerettet. Der Donner jener Kanonen über das Gebirge her, den Du hörst und der uns die Schlacht unserer Brüder verkündet, hatte uns bereits in die Waffen, gerufen. Dieses Mädchen, deren Namen und blutigen Ruf wir Alle kennen, hat die Jungfrau vielleicht zu unserer Rettung in unsere Hand gegeben. Bindet ihre hände und nehmt ihr ab, was sie an Waffen noch bei sich trägt."
"Oheim!" flehte der junge Grieche.
Der General schüttelte finster das Haupt. – "Sie ist die Gefangene meiner Hand und es muss sein! Deine Rettung ist vergolten durch die ihre von jenem Sturz."
Zwei der Mainoten fesselten mit einem Riemen die arme der Türkin und nahmen ihr den Dolch, der in ihrem Gürtel steckte. Ohne Widerstand liess es das Mädchen geschehen, nur ein stolzer verächtlicher blick fiel auf den jungen Grivas, der sein Gesicht in die hände verbarg.
"Bringt sie in den hintern Raum der Kula und fesselt ihr dort noch die Füsse, damit sie keinen Versuch der Flucht machen kann," befahl der Führer. "Euer Leben bürgt mir für das ihre. Legt Andunah gleichfalls dahin und leistet ihm Hilfe, so gut es sich tun lässt. – Wie hoch schätzest Du die Zahl unserer Feinde, Neffe?" wandte er sich an diesen, während die Maini's22 seinem Befehl Folge leisteten.
Nicolas gab die Auskunft, so weit er vermochte.
"Du magst die Stelle Andunah's einnehmen," sagte der General, "und Dich mit seinen Waffen versehen; der Kampf, den wir zu bestehen haben werden, wird ein harter sein. Und jetzt lasst uns vor Allem daran gehen, den Zugang zu sperren, so gut es uns möglich ist, denn, verlasst Euch darauf, wir werden bald von ihnen hören."
Sie begannen alsbald Steine und Trümmer vor dem Zugang des Walles aufzuhäufen. Zwei der Mainoten bestiegen auf des Generals Geheiss das flache Dach der Kula und lagen an den Schiessscharten. Die andern vier mit dem General und dem Flüchtling, der sich der Frauengewänder, so weit es tunlich, entledigt hatte, behaupteten den Wall, häuften Steine und Holzwerk im inneren der Kula zusammen zur Verpallisadirung des offenen schmalen Zugangs und durchfpäheten die Umgegend.
Das Erdgeschoss des Turmes war in zwei Teile geschieden. Im zweiten nach dem schroffen Felsenabhang zu lagen auf Lagern von Zweigen und Blättern, wie sich die Hirten des Gebirges sie bereitet hatten, einander gegenüber Fatinitza und der verwundete Krieger, dessen Waffen und Munition der junge Grivas an sich genommen.
Der Letztere hatte noch einen Versuch gemacht, sich der verratenen Geliebten zu nahen, um ihre Lage möglichst zu erleichtern und sein Tun zu rechtfertigen, die Türkin jedoch ihm verächtlich und ungeduldig den rücken gewandt und kein Wort war ihren Lippen zu entlocken. Mit von widerstreitenden Gefühlen zerrissenem Herzen verliess er sie endlich.
Dir Sonne war nunmehr über den Gipfeln des Pindus und ihre Strahlen hatten die Nebel vertrieben und zeigten den Bedrängten klar und deutlich die Gefahr, von der sie umgeben waren. Am Eingang des Felsengrates ausser Flintenschussweite lagerte die Hauptschaar der Türken, und eine Gruppe von Feigenbäumen schien ihren Mittelpunkt und das Lager ihres toten oder verwundeten Führers zu bilden, denn man konnte vom Turme aus bemerken, dass Shawls und Decken dort ausgebreitet waren. Kleine Abteilungen schlossen bereits im grund das Platean auf allen Selten ein und die Mannschaft der beiden Feldgeschütze bemühte sich eben, dieselben am Zugang des Felsendammes zum Wall, in der Entfernung von sieben- bis achtundert, Schritt von diesem, aufzustellen, da es zum Glück für die Griechen nicht möglich befunden worden, sie auf dem Felsdamm selbst durch die Bespannung weiter vorwärts zu bringen.
Zu ihrem Staunen sahen die Mainoten jedoch statt des Beginns des Sturmes einen einzelnen Reiter, den Zweig eines Olivenbaumes in der Rechten – das Zeichen des Friedens oder Waffenstillstandes – heran nahen. Es war der Emir, der kühn und unbesorgt bis zur Felsspalte vorritt, welche den schmalen Weg vom Felsplateau der Palanka trennte, und dort den Zweig als Zeichen über dem kopf schwang, dass er eine friedliche Unterredung wünsche.
Der General mit Nicolas, indem er den Uebrigen gebot, im Anschlag zu bleiben, erschien sofort auf dem Wall.
"Hunde und Söhne von Hunden," begann der Emir die friedliche Anrede, "Ihr seht, dass Allah Euch in die Hand der Gläubigen gegeben hat, die zahlreich sind, wie der Sand am Meere, und dass kein Entrinnen für Euch ist. Bist Du Grivas, der Anführer der aufständischen Griechen?"
"Nimm Dich in Acht, Freund Araber, mit Deinen Worten," entgegnete der General in türkischer Sprache. "Meine Mainoten und ich selbst sind nicht gewillt, geduldig die Schmähungen eines Götzendieners zu ertragen. Wer bist Du und was willst Du?"
"Ich bin Abdallah ben Zarugah, das Haupt meines Stammes und der Freund des Pascha's von Skadar, Selim