sein Knie an den hohen Sattel des Gegners, seine Hand fasste den erhobenen Arm – ein Stoss – und über die Seite der Felsenkante stürzten Ross und Reiter!
Im nächsten Moment flog das Araberpferd weiter und dem offenen Eingang des Walles zu, auf dem jetzt, die Flinten schussgerecht in der Hand, die sieben Mainoten lagen. Hinter ihm d'rein gellte in seine Ohren der schneidende Zeterruf des Türkenmädchens, das Klagegeschrei der herbeieilenden Arnauten, und vor ihm am Eingang des Walles lag eine breite Kluft, über die eine einzige Bohle führte, welche die Mainoten liegen gelassen und in der unerwartet andrängenden Gefahr noch keine Zeit gehabt, hinwegzuräumen. Aber sie war zu schmal, selbst im Schritt ein Pferd zu tragen; noch ein Mal presste er die spitzen Bügel dem seinen in die Flanken, und mit langem Sprunge gewann es den jenseitigen Rand und stand zitternd und schaumbedeckt zwischen den wilden Gestalten der Griechen.
Nicolas Grivas sprang herab, sprachlos – Entsetzen auf dem bleichen Antlitz – deutete er hin nach dem gefährlichen Wege, den er so eben zurückgelegt hatte. – –
Dort jagte die Wölfin von Skadar heran, – der Schleier fliegend im Zug der Luft, glutrot das Antlitz, rachesprühend das dunkle Auge – in der erhobenen Hand die Pistole. –
Kaum sah sie den Abhang, der sie von dem Verräter trennte, noch weniger ihn achtend in der wilden leidenschaft, die jede ihrer Fibern spannte, – der Schuss knallte, indem das Pferd sich zum Sprunge erhob, aber seine Kraft war diesem nicht gewachsen und die Hand der Reiterin hatte es nicht unterstützt, es erreichte kaum den jenseitigen Rand und brach zusammen über der Planke, welche über die wenn auch nicht tiefe doch gefährliche Felsspalte führte. Einen Augenblick hingen Pferd und Reiterin über dem Abgrund und dieser Augenblick genügte dem ältern Grivas, um vorzuspringen. Seine kräftige Faust erfasste das Türkenmädchen und riss es empor, und ein Fusstritt schleuderte die schwankende brücke und das Ross auf ihr in die Tiefe.
Die Flinten der Mainoten krachten zu beiden Seiten und das "Allah Akhbar21!" der Araber erschütterte die Luft. Abdallah an der Spitze, versuchten die wilden Asiaten, das Plateau, an den Felsen und Steinen emporkletternd, zu erstürmen, – aber die Kugeln der sechs wachsamen Spartaner warfen die kleine Zahl, die emporzuklimmen vermochte, tot oder verwundet von dem Felsrand zurück – kein Schuss fehlte bei dem leichten Ziel, und der Ruf des kühnen griechischen Führers belebte den Widerstand. Seine weitreichende Büchse schlug zugleich auf dem Felskamm in die Schaar der dort Anstürmenden und trieb sie zurück.
Die Sonnenstrahlen brachen glänzend über die Berge, und die Palanka vergoldend, zeigten sie sicher den Schützen ihr Ziel.
Nach ihrer gewöhnlichen Kampfweise, ähnlich der der nordamerikanischen Wilden, liessen die Asiaten nach dem ersten Sturm vom Angriff ab, sobald sie sich überzeugt, dass die Ueberraschung misslungen und der Gegner zum Empfange bereit war.
Die Araber und die unterdessen herbeigekommenen Arnauten zogen sich unter wildem Geschrei aus der Schussweite der Kugeln zurück. Von der Höhe des Walls sah der General noch, wie sie den Körper ihres greifen Führers aus der Schlucht, wo hinein ihn und das Ross der Arm seines Neffen gestürzt, davon trugen, doch vermochte sein Falkenblick nicht zu erkennen, ob der Verunglückte noch am Leben.
Der General wusste, dass er vorerst Ruhe und Zeit haben werde, die Anstalten zur weiteren Verteidigung zu treffen, und jetzt erst wandte sein blick sich wieder auf seinen Neffen und seine schöne Gefangene.
Wir haben gesagt, dass sechs Flinten der Mainoten dem Angriffsgeschrei der Araber geantwortet hatten; – A n d u n a h V a t i , der Siebente, lag, die Hand auf die rechte Seite gepresst, an der Mauer der Kula und durch seine Finger quoll in dicken Tropfen das rote Blut, während sein Auge finster und drohend auf das Türkenmädchen geheftet blieb. Die Kugel ihrer Pistole hatte bei dem Sprunge das Ziel ihrer Rache, den meineidigen Geliebten, gesehlt und den Mainoten niedergeworfen. Der schreckliche Vorgang und der Angriff der Araber waren aber so rasch auf einander gefolgt, dass keiner der Verteidiger Zeit gehabt, auf den Verwundeten zu merken oder sich um ihn zu kümmern.
In einiger Entfernung von ihm, auf einer der Quadern, sass Fatinitza; der Turban war ihr vom haupt gefallen und das dunkle glühende Auge starrte finster und gleichgültig durch die Oeffnung des Walles auf die ferne Schaar der Ihren. Sie schien den treulosen Freund nicht zu bemerken, der, nur wenige Schritte von ihr entfernt, an dem Ross des Arabers lehnte. Ein einziges Mal während des kurzen Kampfes hatte er gewagt, ihr näher zu treten, aber ein wilder stolzer blick des Mädchens scheuchte ihn zurück, und stumm, mit niedergeschlagenen Augen blieb er in seiner Stellung. So traf die stumme lautlose Gruppe der General, der mit mehreren seiner gefährten jetzt in das Innere der Umwallung sprang, während andere derselben die Wache auf dem Wall behielten.
"Andunah ist verwundet, seht nach ihm," befahl der Führer, "und jetzt, Neffe, nachdem die erste Blutarbeit getan, sei willkommen trotz Deines seltsamen Aufzugs. Wer ist dies Weib?"
"Fatinitza, die Tochter des Pascha's von Skadar, meine Lebensretterin. Lasst sie zum Dank dafür, dass es mir gelang, Euch noch im letzten Augenblick zu retten und auf die Nähe der Feinde aufmerksam zu machen, unbeleidigt zu den Ihren zurückkehren."
"Sie ist die Mörderin meines Vetters Andunah