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sind.

Die Namen der sieben gefährten des General Grivas im Turm von Protopapas sind dem Andenken erhalten: Hassan Stavro, Demetrios, Andunah Vati, Constantin Comodouro, Panayotti Zanetacchi, Andreas Zanet und Georg Mauromichalis, der Namensvetter und Neffe des Klephten, der 1831 den Präsidenten Capodistrias erschoss, – alle Sieben Söhne der MainaWölfe des Taygetos.

Nicht mit Unrecht führen die Bewohner von BassaMaina, des alten Gebiets von Sparta, den letzteren Namen. Rauh und hart wie das Felsgestein des Taygetos, scheint ihr Sinn allen milderen Freuden des Lebens unzugänglich. Das Land, dessen Schoos keine Quelle entrinnt, zeugt Kinder, die an Wildheit, aber auch an Kühnheit und Tapferkeit alle Stämme der Erde übertreffen. Raub und Mord ist ihr Gewerbe, der Hass und die Blutrache erben unter den Geschlechtern grimmiger, unversöhnlicher, als selbst auf den schwarzen Felsen Czernagora's und den Bergen Corsika's, und wenn ein Mann eines natürlichen Todes stirbt, so beklagen sie ihn, weil er nicht erschlagen wurde und daher keiner Rache bedarf.

Räuber zur See und zu Land, unbezwungen und ungebändigt, im wilden Kampf unter einander, seit sie nicht täglich mehr mit ihren Feinden, den Türken, kämpfen können, war noch in den vierziger Jahren, und ist es zum teil noch, jedes Haus der Maina eine Feste und jeder Zugang durch eine Schiessscharte beherrscht, die man so genau bewacht, dass Nachts nicht einmal Licht gebrannt wird, um dem Feinde nicht die an den Oeffnungen vorbeigehenden Gestalten als Ziel zu verraten. Das ganze Gebiet ist ein Land von Türmen; die meist auf felsigen Anhöhen stehen, so dass sie den benachbarten District überblicken können. Die unteren Stockwerke werden als Ställe benutzt, während nach den oberen Gemächern eine so niedrige Tür führt, dass man nur gebückt eintreten kann.

Nur die Weiber gehen zum arbeiten aus, die Greise und Knaben bleiben zu haus auf der Wache und es gibt Fälle, dass Männer in zwanzig Jahren nicht die Schwelle ihres Turmes überschritten haben, um nicht der Blutrache zu verfallen. Die baierschen Truppen, welche im Jahre 1834 auf Befehl der Regierung in Aten diese Festen zerstören sollten, wurden von den Mainoten zurückgeschlagen und alle Anstrengungen der Regierung scheiterten an dem Trotz der wilden Klephten, – ihre Türme blieben unzerstört.

Erst in der letzteren Hälfte der vierziger Jahre hat die zivilisation einigermassen Wurzel in dem wilden land geschlagen. Viele unserer Leser werden uns bei dieser Schilderung der Uebertreibung beschuldigen, aber wir können nicht oft genug wiederholenwir geben T h a t s a c h e n im Gewand des Romans. Noch im Juni 1843 schreibt ein griechischer Correspondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung: "Die Blutrache wird so weit ausgedehnt, dass sie von einem sterbenden Vater testamentarisch den Kindern vermacht wird. Die Erben überblicken mit eben solcher Begier die Anzahl der aufgezählten Morde, welche zu rächen sind, wie das übrige Eigentum, und haben sie durch Blutvergiessen die Anweisungen des Testaments vollkommen erfüllt, so begiessen sie das Grab des Vaters mit wasser, zum Zeichen, dass jetzt seine leidenschaft abgekühlt sein könne."

Die wilden Söhne des Taygetos gehorchten dem Sohne des Pindus. Grivas, der mit den Mainoten 1827 die Akropolis von Corint erstürmt, konnte sicher bauen auf die Treue und den Mut dieser Krieger.

In ihre Aba's gehüllt, lagen die Tapfern um das verglimmende Feuer im inneren der Kula; denn die Nächte des Orients sind oft kalt und schneidend, während am Mittag heiss der Sonnenstrahl brennt.

Comodouro und Demetrios hatten die Wache auf dem Turm und dem Wall, bis die Sonne sich erhoben über die schneeigen Gipfel des Pindus und Dodona's heilige Eichenhaine.

Aus den Schluchten und Tälern ballten in formlosen massen die Morgennebel empor, gleich als ahnten und fürchteten sie den nahenden Strahl der Sonne. Auf den Wolken über dem See von Janina malten sich die purpurnen und violetten Strahlen des noch hinter den Bergen verborgenen Tagesgestirns.

Da dröhnte es von Westen her in langsam auf einander folgenden Schlägenferne Kanonenschüsse.

Die Hand der Wache legte sich auf die Schulter des Führersim Augenblick war der General empor und gleich darauf auf der Plattform des Turmes, um ihn sammelten sich die Mainoten. – Es war die höchste Zeitein seltsames abenteuerliches Schauspiel entwickelte sich phantastisch aus den ballenden Nebeln am fuss der Höhe, auf welcher der Turm steht: – gleich Gespenstern, die der Hahnenruf des Morgens von ihren nächtlichen Wegen auf und davon jagt, stürmten durch die Schatten des Tales drei Reitervoran auf windschnellem arabischen Ross eine Frauengestalt in fliegenden grünen Gewändernhinter ihr d'rein ein alter Moslem, den Säbel in der Faust, offenbar bemüht, der Fliehenden den Weg abzugewinnen und zuerst am Eingang des schmalen Felsensteiges anzukommen, der den Weg zum Plateau der Palanka bildete; – den Beiden in der Entfernung von 60 bis 100 Schritt folgend, eine zweite türkische Frau in prächtigen Gewändern, den goldglänzenden Panzer des Tosken um Brust und Schultern, den hohen Reiherbusch über dem Turban. Und hinter ihnen d'rein in der Ferne, aus dem Nebel und Dunkel, hoben sich im Morgengrauen Lanzenspitzen, blitzten Bajonnette und wogte es heran in dunklen massen.

"Zu den Waffen, Kameraden, die Moslems sind vor der Palanka!" und zu dem Eingang des Walls stürzten Grivas und seine Maini's. ––––––––––––––––––––––––––––

Der Halt, den die Türken gemacht, war, wie gesagt, kaum eine Viertelstunde Weges von der kleinen Feste entfernt, und der