, dass meine Haare grau geworden vor Alter und sorge."
"Was kann ich tun?" antwortete die trotzige Tochter, "Fatinitza mag nicht die Hündin eines Mannes sein, den sie nicht liebt. Sie ist das Kind der freien Berge."
"Bana Bak, ai gusum – er ist ein schöner Mann!"
"Wer – von welchem mann redest Du, dass er es wagt, seine Augen zu mir zu erheben?"
"Mashallah! es ist Zeit, dass Du einen Mann wählst, denn Du läufst seit Jahren umher, wie eine wilde Ghegin, den Geboten des Korans zum Trotz. Der Emir Abdallah ben Zarujah ist ein Fürst im land Hedja's, er hat Dich in sein Herz geschlossen und begehrt Dich zum weib."
Die gehorsame Tochter spreizte verächtlich alle zehn Finger aus. –
"Kommst Du nur hierher, Bei, um Deinem kind in's Gesicht zu lachen? Bosch, er ist Nichts, er ist ein wilder Araber, ein verachteter Sohn Ismael's!"
"Du hast so viel bessere Heiraten verweigert," sagte unwillig der Alte, "dass Du froh sein magst, wenn ein Tapferer Dich begehrt. Der junge Mann gefällt mir, wenn er auch ein Araber ist. Ich höre, er ist reich in seinem land und hat Schlösser im land Yemen. Du weisst, ich bin alt und das Leben in diesen rauhen Bergen gefällt mir nicht mehr. Ich will meine Fahrt nach Mekka machen, zur heiligen Kaba, bevor ich sterbe, und ich werde Dich begleiten, wenn der Sultan, unser Herr, diese Ungläubigen in den Staub getreten und den Krieg beendet hat."
"Hai! hai! ich aber will dies Land nicht verlassen."
"Der Emir ist tapfer – ich habe Freunde in Stambul und bin reich," schmeichelte der Bei; "wenn Du ihm nicht folgen willst, und es sei fern von mir, Dich zu zwingen, so wird es mir mit Allah's Hilfe leicht sein, ihn zu meinem Kaimakan19 und Nachfolger im Paschalik von Skadar oder Janina machen zu lassen, da Abdi, mein Freund, nach Rumelien geht, wenn die aufrührerischen Griechen gezüchtigt sind."
"Wallah – was sind das für Träume? Bin ich eine Kuh, die man verhandelt auf den ersten blick? Meint der Emir, die Frauen von Albanien seien wie die Mohrinnen der Wüste, die man auf dem ersten besten Markte kauft; oder denkt er, ich sei eine öffentliche Tänzerin, weil ich mein Gesicht nicht unter dickem Schleier zeige?"
"Delhi der! die Weiber sind toll! es ist Unsinn, was Du sprichst, – ich will meinen Willen haben oder ich sperre Dich ein."
Die wilde Schöne lachte hell auf bei der Drohung, deren Wert sie vollkommen durch die Gewohnheit kannte.
"War meine Mutter eine Mirditin oder nicht? stamme ich vom Blute des grossen Begs von Ak-Serai20 – oder bin ich eine verachtete Japidin, dass Du so mit mir sprichst? Geh – Du hast graue Haare und redest Torheit. Fatinitza wird sich eher von den schwarzen Felsen in die Wellen des Meeres stürzen oder zu dem Volk ihrer Mutter zurückgehen und eine Kreuzträgerin werden, ehe sie einen Mann heiratet, den sie nicht selbst gewählt hat."
Der gläubige Moslem strich sich zornig den Bart über die jeder andern Frau den sichern Tod bringende Drohung, aber er wagte, so tapfer und streng er im feld oder unter seinen Tschokodars und Arnauten war, Nichts zu erwidern, und liess diesen, Punkt des Gesprächs fallen.
"Wir werden diese Nacht gegen die Feinde ziehen," sagte der Pascha, "und sie schlagen. Abdi wendet sich gegen Rapsista und das Kloster, wo der Grieche Caraiskakis steht. Mir und dem Emir hat der Prophet einen wichtigen Fang in die Hand gegeben. Ein griechischer Imam und der Primat eines Dorfes haben uns Kunde gebracht, wo der Aga der Griechen mit wenigen seiner gefährten die Nacht zubringen wird. Die Feinde des Islam sind unter unsern Sohlen."
"Wie heisst der Aga der Christen?"
"Ich habe es vergessen; aber er ist der blutige Feind der Moslems – Fluch über die Gräber seiner Väter; ich werde sein Haupt nach Stambul senden, wie ich mit dem Kopf des einäugigen Begs der Czernagorzen getan, und die Rossschweife sind mir sicher. Wirst Du mich begleiten, Tochter des Propheten, um die Niederlage der Feinde unsers Glaubens zu schauen?"
Eine heftige Bewegung der Verhüllten auf dem Divan machte Fatinitza erbeben.
"Die heilige Frau, die die stimme der Engel Allahs hört," sagte sie eilig, "hat mich belehrt, dass die Weiber dem Kampfe der Männer fern bleiben sollen. Ich werde für Euern Sieg beten."
"Gesegnet sei der Rat dieses Weibes," rief erfreut der Pascha, "sie redet weise wie Lokman, obschon sie nie zu uns Männern spricht. Die Frau gehört in das Haus und der Mann in die Schlacht; Dein wilder Sinn, o Kind, nach dem Treiben der Männer hat mir oft bittern Gram und mich zittern gemacht für Dich. Nimm diesen Ring zum Dank für Deine Lehre, Frau, und mögen die Perlen Deiner Worte noch, lange fallen in das Ohr dieses Kindes."
Der alte Krieger warf der Fremden ein Juwel zu, das sie achtlos zur Erde rollen liess, küsste das Mädchen auf die Stirn und verliess