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, früher einer der berüchtigsten jener Seeräuber der acroceraunischen Felsenschluchten an den Abhängen des Chimära-Gebirges, zwischen Cap Linguetta und Delvino, – die mit ihren schnellen Tartanen an den griechischen Küsten umherschweifen bis hinüber nach Calabrien, Ufer und Meer unsicher machend und vor den Verfolgungen sich in ihre unzugänglichen Skaloma's flüchtend, – hatte sie bei einem Spaziergange am Meeresstrande mit zwei anderen Mädchen gefangen genommen und in die wilden Berge Ljapuriens geschleppt, wo er sie durch Misshandlungen zwang, ihn zu heiraten. Später durch seine Seeräubereien reich geworden, hatte er seine Heimat verlassen und, durch ein Geschenk den Schutz des Pascha's von Janina erkaufend, sich in Schamurien niedergelassen, wo jener Schutz ihm zu Amt und Ansehen verhalf. Aphanasia, die bei dem Raube eine sechszehnjährige Jungfrau gewesen, hatte dem aufgezwungenen Gatten zwei Kinder geboren, von denen nur das jüngste, ein Mädchen von drei Jahren, noch lebte und der einzige Trost der Frau war, die noch immer argwöhnisch von dem ehemaligen Piraten bewacht wurde.

Das war es, was die nunmehr sechsundzwanzigjährige Frau ihrem früheren Geliebten und dieser dem General jetzt mitteilte. Grivas sprach ein kurzes Urteil, obschon dergleichen Gewalttaten, wie der Seeraub von Frauen, an den Küsten Griechenlands eben nichts Seltenes sind: der Japide sollte erschossen werden; aber Aphanasia warf sich zu seinen Füssen und bat für das Leben des Vaters ihres Kindes.

Auch Caraiskakis erklärte sich auf das Bestimmteste gegen die blutige Tat. – "Kenamon15," sagte der wilde Führer, "Ihr wisst nicht, was Ihr bittet, denn ich wollte Euch von Eurem Tyrannen mit gutem Blei befreien. Der Capitano Delanhi mag selbst über Euch bestimmen, denn Eurem Vater muss ich Euch zuführen, das fordert meine Ehre, obschon er es mit Tzavellas hält und bei Arta steht. Mein Neffe wird Euch nach dem Kloster der armen Heiligen bringen, bis ich Euch weiter geleiten lassen, kann. Für Euer Eigentum aber wollen wir selbst sorgen, es ist gerecht, dass der Gatte seine Frau ausstatte."

Der General duldete keinen Widerspruch weiter, und um eine blutige Tat zu verhindern, musste sich Caraiskakis darein finden, dass die Klephten die wohnung des Primaten plünderten und die wertvollsten Gegenstände, nachdem die eigenen Taschen bedacht waren, auf einen Esel luden, als das Eigentum der Frau, die der Machtspruch des Führers geschieden. Dann wurde sie selbst mit ihrem kind auf eines der kleinen griechischen Pferde gesetzt und Caraiskakis führte es am Zügel, von dem Rest der truppe umgeben, zurück nach dem Posten am Kloster, während der General mit den sieben Mainoten sich nach dem Gebirge wandte. Keiner der Bewohner wagte, ihrem Abzug Widerstand zu leisten, denn die langen Flinten der Klephten hatten die friedlichen Schamiden in ihre Wohnungen vertrieben, wo sie sich versteckt hielten.

Zu dem wutknirschenden Japiden, der noch immer gebunden in der Veranda seines Hauses lag, schlich der Papa.

"Es ist Dir schlimm gegangen, Freund Petros. Die Vorsicht, mit der Du Dein schönes Weib verborgen, hat Dir wenig genützt, und der griechische Capitano wird diese Nacht an ihrem Busen ruhen."

"Mache mich nicht wahnsinnig, boshafter Kalorgi. Was kümmert mich das Weib, wenn ich mich rächen kann an dem Hunde, der mich bestahl! Löse meine Bande, Papa, denn meine Seele dürstet nach seinem Blut."

Der Pfaffe nahte ihm vorsichtig. – "Haben die Griechen Dir Alles genommen, Petros?"

"Hältst Du mich für einen Esel, Papa, dass ich mein Geld offen den Räubern hinlege? Sie haben mir viel gestohlen, aber es bleibt mir genug, um ihr Verderben zu erkaufen. Ich gehe zu Abdi-Pascha nach Janina, und meine Zechinen sollen eine Schaar von Burschen zu meiner Rache sammeln, die gleich den Pagania's16 ihrer Spur folgen sollen." Er streckte ihm die gefesselten arme entgegen zur Befreiung.

"Wenn Ihr mir zwanzig Zechinen gebt, Petros," sagte der schurkische Priester, indem er langsam die Stricke zu lösen begann, "so will ich Euch ein geheimnis vertrauen, das Euch volle Rache an Euren Feinden sichert und Euch wieder zu Eurem weib und Eurer Habe verhilft."

"Du sollst sie haben."

"Schwört bei der Panagia!"

"Bei der Panagia und bei allen Heiligen, die Du willst."

"Wohl; ich weiss, dass Ihr in Gunst steht bei dem Pascha, aber die Nachricht, die Ihr ihm bringen könnt, wird diese Gunst noch erhöhen. Ihr wisst, dass ich für den Griechen in Metzovo war, ich musste den Weg machen, denn der Diakon des Klosters hatte mir den Auftrag gesandt und ich wurde bezahlt dafür. Aber ich habe unterwegs den Brief gelesen, den mir der verkleidete russische Offizier in Metzovo gab, und weiss, was ich weiss. Ihr gebt mir die zwanzig Zechinen, Petros, und teilt den Lohn mit mir, den Euch der Pascha dafür gibt, dass Ihr die Feinde in seine hände liefert?"

"Du sollst es haben, Papa, ich schwöre es Dir mit sieben Eiden!"

"So lasst uns Beide eilig auf den Weg machen nach Janina, denn jeder Augenblick ist kostbar!"

Durch den Hain duftiger Citronen und roter Granaten, der den südlichen Abhang von Janina bedeckt, schlenderte der Knabe M a u r o hinter einigen Seidenarbeitern d'rein, deren kunstvolle Webereien noch heute eine Haupterwerbsquelle der seit Ali's tod auf die Hälfte