das Salz nicht gebracht beim Eintritt, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, so soll sie uns wenigstens den Becher bringen beim Scheiden. Du gehst von hier zurück auf Deinen Posten am Kloster und ich denke morgen bei zeiten wieder bei Dir zu sein."
"Wie viele der gefährten nimmst Du mit, Oheim?"
"Sieben der Mainoten; es sind ihrer genug zur Aufstellung der Wachen. Lass uns aufbrechen, Anastasius, und mögest Du bald Kunde erhalten von dem anatolischen Knaben aus Janina."
Während die Klephten sich zum Abmarsch anschickten, kam der Hausherr herbei, auf einer silbernen Platte die altertümliche Trinkschaale mit dem rotblauen Wein der Höhen des Tzumerka-Gebirges, um den Abschiedstrunk seinen Gästen zu bringen. Der wilde Grivas jedoch warf ihm mit einem Schlage seiner Faust Becher und Platte aus der Hand.
"Räudiger Hund von einem Lapen," fuhr er ihn an, "glaubst Du, einem freien Griechen die Ehre und Sitte Deines Hauses verweigern zu dürfen? Schaffe Dein Weib zur Stelle, dass sie uns, wie der Gebrauch es heischt, den Abschiedstrunk auf der Schwelle des Hauses kredenze."
Die Hand des Primaten, eines wildaussehenden Mannes mit niederer Stirn und von jener abschreckenden Hässlichkeit, welche seinen Stamm charakterisirt, fuhr nach dem Pistolenknauf in seinem Leibbund, ein blick auf die Männer umher aber lehrte ihn Vorsicht. –
"Mein Weib ist krank, Herr, mein Gebieter möge sie entschuldigen."
"Du lügst, Primat. Es liegt uns wenig daran, ihre Hässlichkeit zu schauen, die der Deinen gleichen mag, aber ein Japide soll uns nicht Hohn sprechen. Lass Dein Weib den Becher bringen, oder Deine Fusssohlen sollen es entgelten."
Der Hausherr schlich mit finsterm blick davon. Einige Augenblicke nachher trat aus dem inneren des Hauses, von einer Dienerin begleitet, die Frau, zum Staunen der Krieger, welche die Hässlichkeit einer Lapin zu sehen erwartet, eine Schönheit von antiker griechischer Form, auf deren edlem Antlitz nur die Blässe geistigen Leidens die schöne Sammetfärbung und den Glanz der dunklen Augen milderte. Das schöne Hauptaar fiel in drei Zöpfe geteilt und mit Piastern durchwunden über den Nacken, die Halsbänder von den roten Corallen Corfu's, die silbernen und goldenen Armspangen und Gürtel, das reiche mit seidenen Troddeln gezierte Hemd und die im Luftzug der Veranda fliegenden vier um den Leib gebundenen bunten Schürzen zeigten die wohlhabende albanesische Hausfrau. Mit der edlen griechischen Verneigung, der Bewegung der Rechten an Brust und Stirn, ergriff sie die silberne Kanne, welche das Mädchen auf gleicher Platte ihr nachtrug, und war im Begriff, die Pflichten der Wirtin zu erfüllen, als ihr grosses Auge auf Caraiskakis fiel, der bei ihrem Eintritt, zufällig mit einem der Krieger sprechend, ihr den Rükken gewandt hatte, und sie jetzt gleich einer Bildsäule anstarrte.
Der Krug entfiel ihrer zitternden Hand und der rote Strom des Weines ergoss sich über die Steinplatten des Bodens.
"Anastasius!" das einzige Wort entquoll ihrem hochatmenden Busen, dann sank sie bewusstlos in die arme des herbeispringenden Griechen.
"A p h a n a s i a !" schrie der Offizier wild auf und presste die Ohnmächtige an seine Brust. "Geliebte meines Herzens, Du das Weib dieses Mannes!"
Der Primat stürzte sich zwischen die Beiden, seine boshaften Augen funkelten in eifersüchtiger Wut, als er sie mit Gewalt zu trennen suchte.
"Zurück, Beg, es ist mein Weib, mein Eigentum! Achtet Ihr so die Sitte des Landes, das Ihr befreien wollt? Lasst sie los, sag' ich, oder, bei dem Gott meiner Väter! ich stoss' Euch dieses Eisen durch die Rippen!"
Eine starke Faust jedoch erfasste den Wütenden und schleuderte ihn den umstehenden Kriegern zu.
"Haltet ihn fest und schlagt ihn zu Boden, wenn er sich rührt," befahl Grivas. "Was ist's mit dem weib, Neffe, woher kennst Du sie?"
"Das Mädchen von Messolonghi, Aphanasia Dulanyi, die vor zehn Jahren die Piraten entführten!" Er suchte mit Hilfe der Dienerin die Frau in's Leben zurückzurufen.
"Die Tochter meines Waffengefährten am Asprospotamos? So ist dieser Hund von Japiden der Pirat, der sie raubte. Bindet ihn, Kameraden; der Schurke hat eine griechische Jungfrau gestohlen, um sein schmuziges Blut mit ihr zu mischen. Es soll strenges Gericht gehalten werden über ihn, und wehe ihm, wenn er schuldig ist!"
Die Mainoten, die sich auf den Primaten warfen, schnürten dem Tobenden die arme zusammen, Männer und Weiber des Phars sammelten sich um die Scene, und wie wenig auch der von den Türken eingesetzte Primat beliebt sein mochte, schüttelten sie doch bedenklich die Häupter, denn Haus und Weib sind auch dem christlichen Orientalen so heilig, dass ein Eingriff in diese Rechte bei ihm stets etwas sehr Bedenkliches und Gefährliches bleibt.
Aber Grivas war nicht der Mann, sich um das Missfallen einer Dorfschaft zu kümmern oder seinem Willen deshalb Zügel anzulegen. Den Bemühungen seines Neffen war es unterdessen gelungen, die Frau zum Bewusstsein zu bringen, und er trug sie in das Gemach zur Seite des Flurs und legte sie auf die Bank von Rohrgeflecht nieder. Mit der glühenden leidenschaft des Südens kniete er vor ihr und küsste ihre arme und ihre Stirn, mit hundert süssen Worten die schöne Zeit ihrer Liebe an den blauen Gewässern des Golfs von Patras zurückrufend.
Sie erzählte ihm ihr Geschick. Der Primat selbst