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Gefangener davongeführt worden sei. Für das Weitere, ob er am Leben oder nicht, ob er später der türkischen Rache zum Opfer gefallen oder noch in den Gefängnissen von Skadar schmachte, bot freilich die Erzählung des jungen Glawaren keinerlei Anhalt, und dennoch überkam es ihn wie eine geheimnissvolle Ahnung, als ob sie mit dem Schicksal seines Bruders in Zusammenhang stände.

Er suchte Grivas auf und teilte ihm seine Hoffnungen und Zweifel mit. So unbestimmt sie auch waren, zeigte sich der General der Aufständischen doch alsbald damit einverstanden, dass sie die gelegenheit der Anwesenheit der Männer von Skadar benutzen wollten, um auf irgend eine Weise von ihnen zu erforschen, was über das Schicksal des jungen Griechen etwa bekannt geworden war. –

"Die Verstärkung Abdi-Pascha's," sagte Grivas, "lässt mich vermuten, dass er bald einen Ausfall aus Janina machen wird, und es wird gut sein, wenn wir die Capitano's davon in Kenntniss setzen, und da die Türken uns überlegen sind, uns der Pässe nach Mezzovo versichern, wo wir den Weg nach Tracien und Macedonien, nach Larissa und Salonichi in unserer Hand haben. Dann mag Tzavellas von Arta her die Verbindung mit Janina bedrohen, während wir uns mit Chatzi vereinen und Zeinel-Pascha am Pindus aufhalten. Begleite mich bis Dervendzista, Neffe, dort will ich die Nacht zubringen, da ich Botschaft an die Primaten von Metzovo gesandt und ihre Antwort daselbst erwarte."

"Und mein BruderDein Neffe?"

"Wir werden sicher im nächsten Gefecht einige dieser Hunde von Ghegen gefangen nehmen, und ich lasse sie lebendig verbrennen, wenn sie nicht sagen, was sie wissen."

"Wäre es nicht besser, einen Spion an unsere Freunde in Janina zu schicken und diesen die Nachforschung anzuvertrauen?"

"Es mag seinindess die Türken halten jetzt scharfe Wache und es wird ein schwieriges Unternehmen sein."

"Ich habe mein Auge auf den Knaben gerichtet, den uns Gregor, mein Bruder, von Varna hergesandt hat. Er rühmt uns seine Schlauheit und die Weise, wie er sich durch ganz Rumelien zu uns durchgeschlagen, ist Beweis genug dafür. Ihn will ich zu meinem Boten machen; der Knabe spricht fertig türkisch und ist klug und besonnen genug, dass er uns wichtige Dienste leisten kann."

"So mache den Versuch," sagte der General, "ich treffe unsere Anstalten zum Aufbruch."

Mauro zeigte sich sogleich willig und nachdem er von einem der eingeborenen Albanesen eine Beschreibung der Stadt erhalten, die in den Strahlen der Abendsonne in der Entfernung von etwa andertalb Meilen vor ihnen lag, machte er sich auf den Weg. Caraiskakis geleitete ihn eine Strecke und kehrte dann zu seinen Leuten zurück.

Der General mit etwa zwanzig Griechen war zum Abmarsch bereit und Caraiskakis, indem er seinem Lieutenant den Befehl des Postens anvertraute, begleitete ihn. Es war bereits am Spätabend, als sie in dem dorf Dervendzista nach einem scharfen Marsch anlangten. Hier quartirten sich die Führer bei dem Primaten des Orts ein, offenbar sehr gegen dessen Willen, doch musste er der notwendigkeit sich fügen. In ihre Aba's12 gehüllt, lagen sie bald, nachdem eine Wache ausgestellt worden, in tiefem Schlaf.

Es war am andern Mittag, als der Bote von Metzowo eintraf, der Papa oder Priester des Ortes, und einen Brief an Grivas überbrachte; während sie ihr Yahniein Ragout von gekochtem Fleisch mit trokkenen Erbsenverzehrten.

"Die Primaten, meldet mir der Agent," sagte der General, "sind geneigt, uns die Tore zu öffnen. Metzowo ist ein reicher Ort, und wir können dort unsern Leuten Sold und alles Nötige verschaffen, während wir hier Not leiden. zuvor will ich Janina anzünden, dass sein Brand uns auf dem Weg leuchten soll."

"Es wäre eine unnütze Grausamkeit," wandte Caraiskakis ein, "Du weisst, wie viele Griechen dort wohnen und Handel treiben."

"Was kümmert's mich," tobte der wilde Grivas. "Bei der Panagia, dann hätten die Schufte uns längst die Tore öffnen sollen, ehe diese Hunde von Ghegen in die Festung gezogen sind, vor denen wir jetzt weichen müssen. Der Agent des Czaren, unsers Vaters, wünscht eine Zusammenkunft mit mir in dieser Nacht und schlägt mir die Palanka am fuss des Mitzikeli auf dem Weg nach Gozista vor, eine Stunde von hier. Der Papa, den ich befragt, nennt sie ein festes Gebäude."

"Das Antlitz des Mannes gefällt mir nicht, so wenig wie das unseres Wirtes. Gott zeichnet in die Mienen der Menschen ihre Seele."

"Der Pliak ist ein Japide, wie er selbst mir erzählte, und hat sich aus den acroceraunischen Felsen flüchten müssen, wegen einer Tscheta13 seines Phars14. Es sind Christen, weiter brauchen wir Nichts. Der Primat scheint von dem Strandrecht Beute genug zusammen gescharrt zu haben, weil sie ihn in diesem dorf zum Primaten gemacht, aber mitunter noch an den türkischen Gebräuchen zu sehr zu hängen. Hast Du nicht bemerkt, Anastasius, dass sein Weib noch nicht vor uns erschienen?"

"Vielleicht ist sie krank."

"Bei den Unterirdischen, nein, ich habe sie vor einer Stunde über den Hof gehen sehen. So wahr ich die vierzig Märtyrer verehre, ich will nicht missachtet sein von diesem Schurken von Japiden, bei dessen Namen ein wahrer Albani ausspeit. Sie hat uns das Brot und