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, Sacho Mylios. Z e n o M e l i o s , der Bruder des Königl. Adjutanten, schlug sich mit 700 Mann nach dem Epirus, T e m e l i folgte ihm mit 300 Mann und 4 Feldgeschützen; 1000 Mainoten unter K o l o k o t r o n i , dem jungen Palastmarschall des Königs, P e t i m e n z a n i s und P l a p u t o s zogen herbei; auch der Vicepräsident der Deputirtenkammer, C h o u r m o n s y , eilte in den Kampf.

Die Mittel zur Erhaltung der Freiwilligen lieferten den Aufrührern die Vereine, die sich mit Blitzesschnelle nicht allein in Aten, sondern in allen griechischen Städten bildeten. Die Epiroten, die Tessalier, die Macedonier, die Cretenser, die Samioten hielten Sammlungen, die Griechen in London zeichneten an einem Tage 25,000 Pfund Sterling, die Kaufleute in Syra 20,000 Pfund, eine einzige Provinz des Peloponnes 40,000 Drachmen. Der Eid der christlichen Krieger lautet:

"Ich schwöre auf das Evangelium und die Dreieinig

keit und auf den Namen Jesus Christus: dass ich die Waffen, die ich in die hände nehme, nicht eher niederlegen will, ehe nicht die Tyrannen aus meinem vaterland vertrieben sind, so dass dasselbe gänzlich befreit ist; ich schwöre auch bei dem allwissenden Gott, dass ich die griechische Fahne mit meinem Blute verteidigen will."

Dieser in allen Gegenden Griechenlands aufflammenden Begeisterung gegenüber erklärten am 23. Februar die Gesandten Frankreichs und Englands dem König O t t o , wie ihre Regierungen für nötig hielten, dass Griechenland strenge Neutralität beobachte und boten ihm die Hilfe ihrer Truppen gegen die Ungehorsamen an. Der König, von seiner hochherzigen Gemahlin getrieben, entgegnete, dass er stets die Neutralität beobachtet habe und beobachten werde, dass er aber die Sympatieen seines Volkes teile und die Einzelnen nicht hindern könne, ihren Glaubensbrüdern zu Hilfe zu eilen. Eine ähnliche Antwort gab in Constantinopel der griechische Gesandte General M e t a x a auf die Anfrage der türkischen Minister.

Die Abreise des türkischen Gesandten N e s s e t -Bei aus Aten, die spätere Besetzung des Pyräus und der Akropolis und das schmachvolle Regiment des Ministers Kalergis waren die westmächtlichen Consequenzen jener Antwort, und während der englische und französische Gesandte in Aten noch zu Neutralität rieten, segelten drei englische Schiffe bereits in den Golf von Prevesa und boten den türkischen Kommandanten der Forts ihre Hilfe gegen die Christen an.

unterdessen schlugen sich die Freischaaren mit abwechselndem Glück. Die Türken wurden bei Demorio, Domoti und an dem berühmten Engpass der fünf Brunnen (Pente pegadia), dem Zugang von Arta nach Janina, bei Salaora und Zuros geschlagen, auf Peristera zurückgeworfen, und Zervas befestigte jenen Pass, während dessen tapferer Verteidiger Z a m b r a Z i k o sich nach Paramytia und gegen Janina wandte. Arta fiel in die hände der Griechen, aber sie mussten die Stadt, von den Kanonen des Kastells bedroht, wieder räumen und sich auf ihre Cernirung beschränken. In Tessalien schlugen sich Zacas und Hadji Petro gegen A b b a s - P a s c h a und den DerventAga Phrassari.

Dagegen siegten die Türken bei sankt Dimitri, verbrannten zehn griechische Dörfer und machten glückliche Ausfälle aus der Citadelle von Arta. Grivas, mit seiner Schaar geschlagen, musste mit 40 seiner Anhänger in ein Kloster flüchten und verteidigte dasselbe heldenmütig gegen die Albanesen. Zweitausend Mann ägyptischer Truppen landeten in Prevesa und eine grössere Zahl war in Anzug. Zugleich erhielten die Pascha's der umliegenden Provinzen den Befehl zum Anmarsch. Zu Anfang März war auch der General T z a v e l l a s , ein geborener Suliote, zu den Aufständischen übergegangen und hatte bei Louros 1500 Türken geschlagen. Viele Führer ordneten sich ihm unter und übertrugen ihm den Oberbefehl des Aufstands, der sich bereits über die ganze Pinduskette bis Metzowo erstreckte. Grivas dagegen, aus dem Kloster befreit, wandte sich gegen Janina und nahm 500 Arnauten im dorf Kufovo gefangen. Sie ergaben sich nach dreitägiger Gegenwehr unter der Bedingung, nicht wieder die Waffen gegen die Griechen zu führen, und Grivas lagerte vor Janina und besetzte die Inseln des Sees.

Die türkische Regierung hatte unterdessen die diplomatischen Verbindungen mit Griechenland abgebrochen und den zahlreichen in Constantinopel und den Provinzen sich aufhaltenden Griechen befohlen, das Reich binnen 15 Tagen zu verlassen. Nur die katolischen Griechen wurden auf Verwendung des französischen Gesandten davon ausgenommen. General Metaxa verliess am 3. April Constantinopel. Mit der berechnenden orientalischen Schlauheit, die ihre meisten Erfolge herbeigeführt, hatte die Pforte nunmehr FuadEffendi, den gewandten Unterhändler, an die Spitze der Truppen gestellt, die sie zur Dämpfung des Aufstandes nach dem Epirus und Tessalien sandte und während Abbas-Pascha, Abbi-Pascha, der DerventAga Phrassari und Zeinel-Pascha mit jetzt zahlreichen Truppen die Griechen von Arta, Janina und Laritza her angriffen, hatte der schlaue Exminister mit Hilfe der obern griechischen Geistlichkeit, die, um ihren Einfluss und ihre Privilegieen besorgt, schändlicher Weise eifrig für die türkische Regierung Partei ergriff, Uneinigkeit und Eifersucht zwischen die Führer der Freicorps gesäet. T z a v e l l a s und G r i v a s standen sich bereits feindlich entgegen und weigerten einander gegenseitig die so nötige Unterstützung. Zugleich erliessen die Capitains der englischen Schiffe, welche die Küste von Epirus blokirten, drohende Proclamationen an die Führer und drohten mit dem Einschreiten