, der Mauropotamos, bringt nicht mehr den Tod. Denn neben dem Orkus, dem Reiche der Schatten, und dem Chaos, von dem finstern Erebus und Cocytus durchströmt, neben den acherontischen Sümpfen, deren phosphorische Dünste den feuerflutenden Phlegeton der Alten bildeten, neben dem Abgrund von Zalongas, bei den Ruinen von Cassiopea, in welchen sich die Heldenfrauen Suli's vor den verfolgenden Türken stürzten, liegen die e l y s e i s c h e n G e f i l d e am fuss des Pindus, duftend von Myrten, Qnendel, Salbei und Tymian, vom hohen Lorbeer und Rosmarin, von Melisse und Orange, dem Citronenwald und der Narcisse, aus der die griechische Jungfrau ihre Kränze windet; und mit Mairosen geschmückt zieht die epirotische Bäuerin in das duftende Gehölz, um noch immer die Hochzeit der Flora und des Frühlings mit Tänzen zu feiern!
Hierhin, in die elyseischen Gefilde, verlegen wir den Schauplatz unserer geschichte.
Die türkische Provinz Epirus wird von ungefähr 312,000 Christen und 65,000 Moslems bewohnt. Der Druck aber, welchen die Ersteren wiederum in der letzten Zeit von der Willkür des Pascha's von Janina, der Begs und Aga's und von ihren Werkzeugen, den türkisch-albanesischen Truppen auszustehen gehabt, wor furchtbar und brachte die Bevölkerung zur Verzweiflung, und die tägliche Vermehrung der Steuern und die grausame Art der Eintreibung derselben, bei welcher mit dem letzten Groschen auch häufig das Leben des Mannes und die Ehre der Frauen und Töchter genommen wurde, drängte zum Ausbruch der lange verhaltenen Rache. Der Pascha von Janina hatte auf d r e i Jahre im Voraus die Abgaben von Korn und türkischem Weizen [120 Grosch1, für ein Zagt des Ersteren, 100 des Anderen], verlangt, desgleichen 20 Drachmen für jede Feuerstelle des Hauses. Dieselbe Steuer wurde auf jede Schlafstelle, also auf jeden Kopf gelegt. Man rechne, dass das nur die aussergewöhnlichen Lasten, wobei der Haradsch oder die Kopfsteuer mit 24 Drachmen für den Erwachsenen und 12 für das Kind, und die Zehnten von allen Erzeugnissen in Feld, Garten und Haustieren fortgezahlt werden mussten, und man wird begreifen, welche unerschwingliche Last dem volk aufgelegt worden. Nachdem der Pascha im August 1853 die Steuern hatte einsammeln lassen, kamen die Arnauten im December auf's Neue, dieselbe Steuer auf das Jahr 1854 fordernd. Ja, der Derbend-Aga Frassari ging noch weiter und verlangte ausser den Steuern auch noch den Sold für 2400 Soldaten, welche die türkische Regierung ihm zu halten befahl, während er in Wirklichkeit deren nur 800 hielt und sie für ihren Unterhalt auf Raub und Plünderung anwies.
Die Grausamkeit, mit der diese furchtbaren Lasten eingezogen wurden, war unbeschreiblich; täglich wurden Männer und Knaben gemordet und verstümmelt, Frauen und Mädchen, geschändet. Da endlich brach jener Aufstand der griechischen Christen im Epirus aus, den die Westmächte – die Franzosen und Engländer – den unsterblichen Ruhm gewannen, mit Gewalt unterdrückt zu haben, da er ihnen nicht zum Krieg gegen Russland passte!
Im Flecken R a d o b i t z i griffen die verzweifelnden Bewohner zuerst zu den Waffen und vertrieben die Arnauten und türkischen Aufseher. Die hervorragendsten Männer des Ortes erliessen den 27. Januar eine Proclamation2, welche noch am selben Tage von 400 streitbaren Männern unterzeichnet wurde. Dieser Erhebung schlossen sich den folgenden Tag die Laka3 von Suli, Lamara Campoti und Zoamerka an, alle reich an jungen, waffengeübten Männern, und sofort entbrannten an zwanzig Orten kleine Kämpfe, und obschon die Christen bei Peta, – der Schlachtstätte im ersten Freiheitskampf, wo die PhilhellenenSchaar ihren Untergang fand, – von den Arnauten des Derbend-Aga zersprengt wurden, sammelten sie sich sofort auf's Neue und warfen die Türken auf Arta zurück. –
Wir haben bereits im vorigen Bande gemeldet, dass A n a s t a s i u s C a r a i s k a k i s schon zu Ende November von Aten aus einen Aufruf an die Griechen von Tessalien, Macedonien, Tracien, Epirus, Anatolien und den Inseln zur allgemeinen Schilderhebung erlassen hatte. Zugleich reichte er sein Gesuch um Entlassung aus den griechischen Diensten, er war Offizier im 9. Bataillon, ein und ging mit einer Anzahl Soldaten über die tessalische Grenze, wo er zuerst die blaue Fahne mit dem weissen Kreuz erhob. Kaum erreichte ihn die Nachricht von dem Aufstande in Schamidien, als er mit seiner täglich wachsenden Schaar den Sulioten zu Hilfe eilte.
Wie ein Blitzstrahl lief die Nachricht von den begonnenen Kämpfen durch das ganze von der offen und im Stillen fortwirkenden Hetärie längst vorbereitete Griechenland. Am grab des Sohnes des griechischen General-Lieutenants T z a v e l l a s zu Aten schloss P a n a j o t i S u t z o mit den feurigen Worten:
"Tod oder Freiheit, Tod oder griechisches Kaisertum ist unsere Loosung. Schwöret bei der Leiche dieses Jünglings, dass Ihr Alles unternehmen wollt, was in Euren Kräften steht, um das griechische Kaisertum herzustellen!" –
Lieutenant S p i r i d i o n sammelte in Tessalien 1200 Krieger; der General T h e o d o r G r i v a s , der Bruder des Helden aus dem ersten Freiheitskampfe, sandte seine Entlassung ein und eilte über die Grenze. Mit ihm die Obersten S t r a t o s 4, Z e r bas, Banakiotis, Tzamis, Karatassos, Hadschi Petro