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, die in Mannshöhe an der Wand hinlief, während er die Lampe ergriff und nach dem geöffneten geheimen Ausgang sich wandte.

"Es ist Zeit, ich kann den Schall vieler Tritte hören."

Sein Hauch verlöschte die Lampe, während seine Hand den Hahn aufzog. Sogleich verbreitete sich der scharfe widrige Geruch ausströmenden Gases durch das jetzt dunkle Gewölbe. Im nächsten Augenblick hörte man die grosse Quader in ihre Fugen zurückklappen––––––––––––––––––––––––––––

Der Präfect selbst leitete die arbeiten. Gensd'armen mit fackeln standen auf dem grossen gepflasterten hof umher, der von Lagerhäusern umgeben und mit Hölzern und Waarenballen bedeckt war.

Mehrere Arbeiter waren beschäftigt, eine gewichtige mit Eisen beschlagene Kellertür zu erbrechen.

"Nehmen Sie fackeln, Herr Commissair, und durchsuchen Sie die Souterrains."

Die Tür war geöffnet, mehrere Polizei-Agenten, fackeln voran, drangen in das Gewölbe, in dem grosse Stückfässer Wein lagerten. Einige Minuten nachher hörte man die Brecheisen gegen eine zweite Tür im inneren schlagendann erfolgte eine Explosion unter den Füssen der Obenstehenden, die an einzelnen Stellen das Pflaster des Hofes spaltetedie fackeln verloschen mit einem grellen Aufflammen und ein widriger Dunst drang aus der Erde und füllte die Luft.

Während man die fackeln auf's Neue anzündete und zu dem halb zerstörten Eingang des Kellers eilte, hörte man in der Tiefe Rauschen von wasser. – – –

Am andern Tage entielt der Moniteur die Nachricht, dass in den Lagerkellern eines Magazins der Rue ......, in der Nähe der Seine, das aus den beschädigten Leitungsröhren ausgeströmte Gas eine bedeutende Explosion verursacht und dabei die Wasserleitung des Viertels gesprengt habe. Zwei Personen seien bei der Explosion verunglückt, mehrere beschädigt.

Ein anderer Artikel des Moniteur benachrichtigte das Publikum von Paris, dass die Regierung neuen revolutionairen Umtrieben der geheimen Gesellschaften auf der Spur sei.

Der Minister des Kaiserlichen Hauses, F o u l d , überbrachte am Abend dem Senat und der gesetzgebenden Versammlung die Botschaft über die Kriegserklärung gegen Russland.

(Schluss des zweiten Teils und der ersten

Abteilung.)

Dritter teil:

Von Silistria bis Sebastopol

Der Aufstand im Epirus.

Während noch der Winter mit seinen Stürmen tobte, die Gipfel und Schluchten des Pindus und Balkan mit tiefem Schnee bedeckt waren, die Gebirgsbache mit brausenden Wässern überflutet, die Täler in Ebenen und Seen verwandelt, loderte die Flamme des Christenaufstands in Epirus, Albanien und Tessalien bereits in voller Glut empor.

In diesem land, der Heimat glühender Geister und tapferer Krieger, hatte die Perfidie des Divans seit Beginn dieses Jahrhunderts alles Mögliche getan, nach Vernichtung der freien albanesischen Begs, durch gegenseitige Bekämpfung der griechischen, lateinischen und türkischen Stämme die Energie und die Kraft eines Volkes zu vernichten, das seit Jahrhunderten in blutigen Kämpfen immer wieder dem Joch von Constantinopel getrotzt. Diese fortwährenden Kämpfe und Aufstände für die Unabhängigkeit waren nicht bloss von der christlichen Bevölkerung, sondern noch häufiger von den mohamedanischen Stämmen selbst ausgegangen. Seit 1850nachdem der Verrat Mehemed-Reschtd's 500 albanesische Begs, an ihrer Spitze den tapferen Pascha von Zeituni, Arslar und Weli-Beg beim Gastmahl zu Monastir gemordet und die Köpfe der Klephten eingesalzen nach Constantinopel geschickt hatte, so, gleich Saturn, die eigenen Kinder vernichtend; – nachdem die Griechen den Erbschmuck ihrer Weiber geopfert, um dem Wessir gegen ihre Stammfeinde bei Prilipe beizustehen, und 300 epirotische Palikaren die Verschanzungen von Babussa erstürmt hatten, was das ganze Heer der Taktikis zu unternehmen nicht wagte, – liess die Pforte zum Dank für die christliche Unterstützung gegen die Aufständischen das Land wieder in die grauenvollste Anarchie versinken und führte ein Unterdrückungssystem ein, das die beklagenswerten Bewohner "Die glücklichen zeiten Ali-Tebelin's, des Pascha's von Janina" zurückwünschen liess. "Wenigstens hatten wir doch damals nur e i n e n Tyrannen," sagten die Tosken, "der Himmel gebe ihn uns wieder und wir wollen den Staub von seinen Füssen küssen." –

EpirusAlbanienzerfällt in vier Gebiete. Das nördliche oder rote Albanien bewohnen die Ghegen, deren christliche, – lateinische, – Stämme die Mirditen sind. Südlich von den Rot-Albanesen in Gebiet der Parteni (Ur-Albanesen) wohnen die Tosken, deren muselmännische Stämme die berüchtigten Arnauten bilden und in Ali von Janina ihr Musterbild fanden. Der dritte Stamm, die Ljapis oder Japiden, durch seine körperliche und geisuge Hässlichkeit unvorteilhaft von dem andern Volk unterschieden, bewohnt die acroceraunischen Felsen längs der Adria und lebt von Raub auf Land und See. Seine Name ist ein Schimpf unter den andern Albanesen. Der vierte Stamm, die Schamiden, hat das Reich Pluto's inne, die acherontische Landschaft Aïdonien, zwischen Arta, Suli, Janina und dem Pindus. In den heiligen Eichenwäldern von Dodona scheint ein ewiger Frühling zu grünen. Die Fröste Rumelien's, die Heuschrekkenschwärme Macedonien's, der Brand, der in Morea das Getreide verwüstet, das Gewürm, das die griechischen Weinberge zerstört, sind in Schamurien und den sonnigen Landschaften von Epirus, die der Meerbusen von Preresa begränzt, unbekannt. Die Sonnenglut wird durch frische, sanfte Lüfte gemildert, die vom Meer, von den Schneegipfeln des Pindus und den tausendjährigen Wäldern, mit Wohlgerüchen geschwängert, in die Täler herniederwehen. Die unterirdischen Feuer, welche das Land zuweilen erschüttern, machen dasselbe nicht ungesund; die unzähligen Bergseen strömen keine schädlichen Dünste aus, und der furchtbare Acheron selbst, der sich zwischen vulkanischen Tälern und erloschenen Kratern dahinwälzt