Zwei Jahre nach der eben erwähnten Niederlage überzog Kiuprili Pascha mit 120,000 Mann das Land und verwüstete es mit Feuer und Schwert, indem er verräterisch den selbstgebotenen Frieden brach und die übergebenen Geisseln mordete. 1727 rächten die Krieger der Berge diesen Verrat durch den Sieg über Tschengitschbeck. Am 25. November 1756 schlug der Vladika Wassili Petrowitsch den Wessier von Bosnien in den Pässen von Brod. – Die französische Republik wurde nach den Siegen in Egypten über die Türken von allen Griechen-Sclaven als Befreier begrüsst; als aber Napoleon I. mit dem Sultan ein Bündniss schloss, sahen sich auch die Czernagorzen in ihren Hoffnungen getäuscht und wandten sich auf's Neue zu Russland. Dem petersburger Vertrage zum Trotz übergaben die Einwohner von Cattaro ihre Stadt dem russischen Admiral Seniawin; mit russischen Hülfstruppen belagerten die Czernagorzen General Lauriston in Ragusa, erlitten aber hier eine Niederlage. 1813 eroberten sie Budva und am andern Tage, den 12. September, Troitza durch Sturm von den Franzosen, und obschon im Frühjahr 1814 Kaiser Alexander, in treuloser Diplomatie vergessend und opfernd die Dienste und Ansprüche seiner tapfern Bundesgenossen, ihren Hafen Cattaro an Oesterreich abtrat, wollten sie doch von dem alten Schutzherrn nicht weichen, bis die letzte Patrone verschossen war.
Im Jahre 1820, als der durch seine Grausamkeit berüchtigte Wessier D s c h e l a l u d d i n auf's Neue einen Versuch machte, das Bergland zu unterjochen, errang Vladika Peter I. einen vollständigen Sieg. Dieser und sein ihm folgender Neffe, Peter II., der 1830 in Petersburg zum Bischof geweiht wurde und des Grosswessiers Mehmed Reschid regelmässige Truppen – 7000 Mann – mit 800 Bergkriegern schlug, sind die Regeneratoren Czernagora's und haben Bedeutendes für sein Emporblühen und seine Kräftigung getan. 1840 und 41 erfochten die Montenegriner wiederum zahlreiche Siege gegen den berüchtigten Wessier der Herzogewina, A l i , dann beschränkte sich der Kampf auf die gewöhnlichen nie rastenden Gränzfehden, bis zur Zeit unserer geschichte der Serdar von Bosnien, O m e r P a s c h a , von Norden und Osten, O s m a n n , der Pascha von Skadar (Scutari), von Süden aus gegen sie zu feld zog.
Das Land ist in vier N a h i e n oder Bezirke eingeteilt: Czernitza, Lieschanska, Rietschka und Katunska-Nahia; der letztere ist der nördlichst gelegene. Jeder dieser Bezirke oder Grafschaften umfasst eine Anzahl P l e m e n oder Stämme, deren das ganze Volk vierundzwanzig zählt. Hierzu kommt noch das Gebiet der V e r d a s , der sieben Berge, welche Montenegro umgeben, und deren Bewohner mit dem Freistaat verbündet sind. Jeder der Stämme besteht aus Familien oder Brüderschaften, Brastwo, die eine Gemeinde bilden, deren Glieder sich alle unter einander als Verwandte betrachten. Der V l a d i k a , das geistliche Oberhaupt, seit hundert Jahren aus dem Stamme N j e g o s c h , regiert mit einem Senat von Cetinje aus das Land, und zwar selbstständig, nachdem Peter II. die neben dem Vladikat bestandene Einrichtung eines Gobernatore oder Regenten in Civildingen abgeschafft und die Familie Radonitsch, in der das Amt erblich war, vertrieben hat.
Nach dem tod Peters II. trat sein zum Nachfolger von ihm erwählter Neffe D a n i l o P e t r o w i t s c h N j e g o s c h Ende Februar 1852 die gewöhnliche Reise nach Petersburg an, angeblich um die Weihe als Bischof sich erteilen zu lassen. Doch schon von Wien aus tat er dem Senat kund, dass er der geistlichen Würde zu entsagen und die Meinung des volkes darüber zu hören wünsche, um dann die Ermächtigung des Czaren zu suchen. Die zum 21. Mai nach Cetinje einberufene Volksversammlung sprach sich einstimmig für die vorgeschlagene Trennung der weltlichen von der kirchlichen Macht und für die Vererbung der Fürstenwürde im Mannesstamme des Hauses Njegosch aus, und Fürst Danilo liess nach seiner Rückkehr in Cetinje dem versammelten volk ein Schreiben des Czaren Nikolaus vorlesen, in welchem dieser, als Oberhaupt der griechischen Kirche, Danilo Petrowitsch zur Annahme der weltlichen Fürstenwürde und zur selbstständigen Ernennung des Bischofs ermächtigte, der in Zukunft der Kirche in Montenegro vorstehen sollte. Dies offene Eingreifen des Czaren, das Montenegro fast als eine russische Provinz erscheinen liess, reizte die Pforte zum Einschreiten, die immer noch nicht die tatsächliche Unabhängigkeit des kleinen Freistaats anerkannt hatte und die Montenegriner nie anders als Rebellen betrachtete, die nur die Unzugänglichkeit ihres Gebiets und die geringe Macht der Pascha's vor Unterjochung schützte. Die Pforte zog unter O m e r P a s c h a in Bosnien Truppen zusammen, um die Montenegriner zum Gehorsam zu bringen. Fürst Danilo kam ihr zuvor; er züchtigte mit 1000 Kriegern den abgefallenen Stamm Piperi; 30 Czernagorzen aus dem Stamme Ceklin überfielen am 11. November die kleine türkische Festung Z a b l j a k und nahmen sie. So entspann sich der Krieg.
Fürst Danilo räumte zwar, auf Anraten Oesterreichs, am 25. December wieder die gewonnene Veste und zog sich in die grenzen seines Landes zurück, aber die Pforte, die vor Kurzem die ewig revoltirenden Begs Bosniens und der Herzegowina durch Ströme von Blut unter der eisernen Zuchtrute Omer's zum Gehorsam gebracht hatte, wollte die gelegenheit nicht versäumen, das unabhängige Montenegro zu unterjochen, und seine Truppen schlossen es von allen Seiten ein. Eine Proclamation des Serdars drohte die