des Terrains.
"Der Kaiser von Russland, Sire," sagte er, "dürfte es jetzt schon vielfach bereut haben, dass er Ihnen die Anerkennung Anfangs verweigerte. Die geheimen Anerbietungen in Betreff der türkischen Frage sind Beweise dafür."
"Sie vergessen, Graf, w a n n sie gemacht wurden, und das ist eben der Umstand. Durch die Spione jener Propaganda musste ich die erste Nachricht von den Unterredungen erfahren, die der Czar mit Lord Seimour gehalten und die das englische Ministerium jetzt in dem blauen buch vor Europa veröffentlicht hat. Dies Uebergehen Frankreichs oder vielmehr Napoleon's war eine neue Beleidigung. Ich weiss, der Czar hasst mich und nennt mich einen Avantürier. Das kann ich selbst tun – aber kein Anderer! Erst als die britischen Füchse ihn abgewiesen, kam Nesselrode uns mit seinen Plänen. Sagen Sie, Graf, wie nimmt man in Deutschland die Entüllungen auf, die der Moniteur und das Journal de l'Empire über die neue Auflage des Vertrages von Tilsit gemacht haben?"
"Sire, die Zeit zu Aeusserungen ist noch zu kurz – die Artikel erschienen erst vor drei Tagen."
"Ich denke, man wird sich endlich jenseits des Rheines überzeugen, was man von der russischen Freundschaft zu erwarten hat. Dieses Preussen ist blind und störrisch, wie sein Adel. Ich will keine Eroberungen, aber so lange diese sogenannte heilige Allianz besteht, bleibt sie eine Bedrohung der napoleonischen herrschaft. Der Tag, an dem ich hier in Paris in meinen Tuilerieen ein neues Bündniss an ihre Stelle setze, wird der erste meiner wahren herrschaft sein."
"Der Tag wird kommen, Sire."
"Ich weiss es, Graf – über die Schlachtfelder am Schwarzen Meere dämmert er bereits. Lassen Sie Moustier in Berlin genau auf die öffentliche Stimmung merken und verkehren Sie über die Presse direkt mit ihm. – Haben Sie die Nachweisungen, die ich Ihnen gab, mit den Ermittelungen Pietri's genau verglichen?"
"Es ist heute Mittag mit den beiden Präfekten und Herrn Collet-Meigret ausführlich conferirt worden. Wir glauben des Platzes ziemlich sicher zu sein und unsere Agenten bewachen ihn. Der Schlag kann, wie gesagt, jeden Augenblick fallen."
Der Gebieter sah nach der Uhr über dem Kamin.
"In einer Stunde also – ich müsste mich sehr irren, wenn nach dem Bankerutt Riepéra's und der Nachricht aus Parma nicht heute noch eine Sitzung stattfinden sollte. Sind die Befehle nach den Departements erteilt? – Lassen Sie besonders Lyon im Auge halten."
"Sämtliche uns bereits bekannte Verbindungen, Sire, die Marianne, die Militante, der junge Berg und die Joseffiten sind möglichst genau überwacht, – es fehlt uns Nichts, als ihr Zusammenhang."
"Wir werden ihn heute finden. Sobald die Verhaftungen erfolgt sind, lassen Sie mir durch Haussmann oder Pietri Bericht erstatten."
Der Minister verbeugte sich. Die Y e l l a hatte in der grossen Oper getanzt, die schöne russische Sylphide, die später den Mut bewies, dem französischen Kaiser gegenüber ihre Teilnahme an dem Siegesfest über ihr Vaterland zu verweigern. Das leichterzige Volk der Künstler beunruhigte sich nicht über den drohenden Kriegssturm, – sie blieben in Paris und Petersburg, denn sie wussten, dass Paris und Petersburg, die Ueppigkeit und das Raffinement, bald wieder einander bedürfen würde, dass Russland seine grenzen gegen die Bedürfnisse der Völker, aber nicht für die Schwelgerei der Reichen auf die Dauer verschliessen kann.
Aus dem Foyer traten zwei Männer Ann in Arm und gingen plaudernd durch das Gedräng der Billetändler, der Ausrufer und Zeitungsverkäufer nach dem Boulevard des Italiens zu. Der Eine trug die Colonel-Uniform der Zuaven, der Andere Civil.
"Kaufen Sie, Messieurs, les Gardes de la Porte, mit schönen Illustrationen, ein Sou das Stück!"
Der junge Mann in Civil lachte.
"Kaufen Sie, Vicomte, um mit unserer Literatur au fait zu sein. Das nichtswürdigste und lächerlichste Pamphlet auf den Kaiser Nicolaus. Ich wette, der Bursche, wenn Sie ihn fragen, hat auch die Revision der Karte von Europa, obschon die Polizei sie angeblich confiscirt hat."
"Ich sehe, Sazé, Sie stehen bereits wieder vollkommen in der Tagesgeschichte, obschon Sie erst seit drei Tagen aus Poitou zurückgekehrt sind."
"Ei, mein Lieber," plauderte der fröhliche Lebemann, "wozu hat man die Zeitungen, die Correspondenz und seine Freunde? Sie können denken, dass ich ein eifriger Correspondent geworden bin und der Post viel eingebracht habe, um den abscheulich langen Herbst und Winter tot zu machen, den ich im Schloss meiner alten Tante zubringen musste. Verwandschaftsrücksichten, mein Bester, Verwandte hat leider jeder Mensch! Zum Glück war es meine letzte und ich kann nun ungehindert tun, was mir beliebt, in die Diplomatie oder in's Militair treten, kurz, ein Mann des Staates werden, was die legitimistischen Grillen der Verstorbenen, von der leider meine besten Aussichten abhingen, mir bisher verschlossen. Ah, Colonel! – ich gratulire bei der gelegenheit zum Avancement �� wenn Madame la Marquise geahnet hätten, wozu der letzte Sprössling der Sazé's unterdessen all' seine viele Zeit verwandt hat, wie er in den durch das Bourgeoisieregiment und das neue Kaisertum entweihten Tuilerieen Hof gemacht, dem Advocatenadel, der Börsenaristokratie und der Judennoblesse viele seiner schönsten Abende und Salonstudien zu danken hat, – auf Ehre, Vicomte, die alte Dame