von einem Scharfrichter. 8 Schaafkopf. 9 Schurke.
Das Ende vom Anfang.
drei Monate waren seit dem blutigen Kampf bei Czetate vergangen und andere Kämpfer sollten jetzt auf dem Schauplatz erscheinen.
Es war der Abend des 27. März, und unsere geschichte führt uns nach einer kurzen Uebersicht über den gang der Ereignisse an die Ausgangsstätte unsere Buches, zurück nach Paris.
Am 4. Januar war die vereinigte englisch-französische Flotte, 34 Segel stark, in's schwarze Meer eingelaufen. Indem der englische und französische Gesandte dies zur Kenntniss Reschid-Pascha's brachten, stellten sie das Verlangen, dass ohne vorgängiges Benehmen mit den Gesandten und Admiralen die türkische Flotte nicht die Offensive ergreife.
Die Verlangen und die Zusage müssen als blosses Blendwerk der öffentlichen Meinung bezeichnet werden, denn die türkische Flotte war nach den Verlusten von Sinope in keiner Weise zu einer Offensive geeignet. Der Wendepunkt des Krieges lag vielmehr bereits in den unterm 27. den Befehlshabern der Flotten gegebenen Instructionen, deren Inhalt am 12. Januar in Petersburg der englische und der französische Gesandte dem Grafen Nesselrode notifizirten.
Die englische Instruction für den Gesandten besagte, dass die Flotten auch den Türken nicht gestatten würden, einen Angriff zur See zu machen, – d i e französische Instruction entielt jedoch von dieser Garantie für Russland kein Wort.
Die Admirale Dundas und Hamelin hatten beim Auslaufen die Fregatte "Retribution" mit Depeschen an den Fürsten Menschikoff nach Sebastopol vorausgeschickt, welche dem Fürsten-Gouverneur erklären sollten, dass die Flotten nur zum Schutz des türkischen Gebiets sich im Schwarzen Meere befänden, dass dagegen die russische Flotte ihre Häfen nicht verlassen dürfe. Die wahre Absicht der Sendung war aber offenbar eine Recognoscirung von Sebastopol, in dessen Hafen die Fregatte trotz zwei blinder Schüsse der Batterieen einzudringen suchte. Erst eine Kugel durch ihren Bug nötigte sie zum Beilegen. Sie fand die gesamte russische Flotte im Hafen versammelt. Die vereinigte Flotte hatte, trotz jener Erklärung der Admirale, die gelegenheit benutzt, um einen Convoi türkischer Dampfer mit Kriegsvorrat nach Batum zu escortiren.
Während in Wien die Conferenz sich abmühte, Project auf Project zu häufen, ohne dass es irgend einem teil, mit Ausnahme Preussens, wirklich Ernst damit war, wurden Erklärungen der Höfe von Paris, London und Petersburg gewechselt. Die russischen Gesandten in Paris und London forderten eine solche über die Instructionen der Admirale. Die ihre lautete, dass Russland ein Auftreten der Flotten nicht als feindseligen Akt betrachten würde, welches die Gegenseitigkeit gewähre, dass Türken eben so wenig wie Russen angreifen dürften, und dass, wenn den Türken der Verkehr zur See zwischen ihren Küsten gestattet wäre, dies auch für die Russen stattfinden müsste. England und Frankreich jedoch antworteten unterm 31. Januar und 1. Februar ablehnend, dass sie die Instructionen, w i e s i e s e i e n , aufrecht erhalten würden, vorauf Baron Brunnow und Herr von Kisseleff den beiden Kabinetten anzeigten, dass sie sich in Folge der verweigerten Reciprozität genötigt sähen, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen und London und Paris mit den Gesandtschaftsmitgliedern zu verlassen. Dies geschah am 4. Februar. Die englischen und französischen Gesandten erhielten sofort den gleichen Befehl. Der Erstere wurde – noch ehe dieser eintraf – von Graf Nesselrode unterm 13. aufgefordert, seine Pässe zu nehmen. Der französische Gesandte verlangte selbst die seinen.
Damit war der diplomatische Bruch entschieden, und die Bitterkeit, welche im Tone des von Kaiser Napoleon an den russischen Czar unterm 29. Januar gerichteten, durch die Zeitungen veröffentlichten Briefes herrschte, und die Antwort des Czaren vom 9. Februar zeigte die gereizte Stimmung und was von gegenseitigen Concessionen zu erwarten war.
In Wien war am 29. Januar Graf Orloff, der Freund und greise Vertraute des Czaren, eingetroffen, um mit Baron von Budberg den Versuch zu machen, Oesterreich und Preussen zu einem unbedingten Neutralitätsbündniss mit Russland zu bewegen. Während Oesterreich mit eingehenden Versprechungen hinhielt, lehnte Preussen offen ein solches Bündniss als eine wenn auch unausgesprochene Hilfe für Russland ab, die mit seinen durch die Protokolle übernommenen Verpflichtungen im Widerspruch stände. Die Mission des gewandten Staatsmannes scheiterte hiermit und der Graf verliess am 8. Februar Wien, worauf Oesterreich sich beeilte, in Serbien und dem Banat ein Beobachtungscorps von 25,000 Mann aufzustellen unter dem Vorwande der serbischen Erregung und der in den Gränzdistrikten jetzt offen ausgebrochenen Schilderhibung der Griechen.
Unterm 9. Februar erliess Kaiser Nicolaus ein Manifest an sein Volk, worin er erklärte, dass die von England und Frankreich ihren Flotten im Schwarzen Meere gegebenen Befehle eine unter gebildeten Staaten unerhörte Handlungsweise constatirten, die ihn zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit jenen Staaten genötigt hätten, die sich zu den Feinden des christentum stellten gegen Russland, das für die ortodoxe Kirche streite. Russland werde gegen alle Angriffe feststehen – wie 1812. Die Westmächte antworteten unterm 27. Februar mit einem Ultimatum nach Petersburg das die Räumung der Fürstentümer bis zum 30. April forderte; die Verweigerung solle als Kriegserklärung betrachtet werden, und Lord John Russel hielt seine bekannte Philippika im Unterhause gegen die unredliche und eroberungssüchtige Politik Russlands. Zugleich forderte die österreichische Regierung, der an einer Verbreitung und einem glücklichen Erfolge des griechisch-christlichen Aufstandes sehr wenig gelegen war, die Westmächte auf, demselben zu wasser und zu land entgegen zu treten, und diese bedrohten die griechische Regierung mit einer Blokade und jener Occupation, welche, später wirklich ausgeführt, eine Schmach des christlichen civilisirten Europa's und eine Beschimpfung des Königtums werden sollte, wie sie sich