Spiele steht, Ihre törichte Heftigkeit einen Eclat mit dem französischen Kabinet herbeiführte. Ihre Ehre und Ihr Name müssen gewahrt werden, und deshalb z w i n g e ich Sie im Namen des Kaisers, abzureisen. Ihr Secundant hat bereits Stubenarrest; ich selbst werde Ihre Entschuldigung und Rechtfertigung bei Ihrem ehrenwerten Gegner übernehmen."
Der Fürst beugte das Haupt. Er sah, dass ihm jeder Ausweg abgeschnitten war und er sich fügen müsse.
"Ich werde reisen, hätte aber von Euer Excellenz mehr Rücksicht erwartet."
"Sie sind ein törichter junger Mensch," sagte der Gesandte achselzuckend. "Danken Sie der Aufopferung Ihrer schönen Schwester, dass Sie mit so vieler Rücksicht behandelt und aus jeder Ihrer unwürdigen Stellung hier mit Ehren gezogen werden." Er hob warnend den Finger "Uebrigens könnten Sie leider bald gelegenheit erhalten, Ihre Rauflust vielleicht selbst an Ihrem heutigen Gegner, den ich achte und schätze, auf einem würdigeren feld zu kühlen."
"Haben Euer Excellenz noch Etwas zu befehlen oder bin ich entlassen?"
"Nichts weiter. Ich habe Ihr Ehrenwort, dass Fürst Oczakoff diese Depeschen richtig und ohne Zeitverlust in Petersburg abliefern wird?"
"Mein Ehrenwort!"
"Fürstin! Sie sind mir Zeuge und Bürge für Ihren Herrn Bruder. Ich wollte Sie erst selbst zum Bahnhof begleiten, verlasse mich aber ganz auf Sie."
"Die Ehre meines Bruders ist die meine. Leben Sie wohl, mein Herr, und genehmigen Sie nochmals meinen innigen Dank."
"Auf glückliche Reise also, Fürst, und ohne Groll. Ich muss Sie verlassen, denn ich habe Berichte zu empfangen. Es ist etwas Wichtiges vorgegangen; man hat heute Abend ein Attentat auf den Kaiser Napoleon entdeckt und es sollen viele Verhaftungen in der komischen Oper vorgekommen sein. – Leben Sie wohl!"
Er reichte Beiden die Hand, die Fürst Iwan schweigend und zögernd annahm, und geleitete sie bis zum Vorsaal. Diener des Fürsten standen hier bereit, im hof des Palais harrte eine Chaise.
"Wir finden unseren Reisewagen bereits auf dem Bahnhofe, Iwan," sagte die Fürstin freundlich; "Wassili und Annuschka werden uns allein begleiten, die Anderen folgen."
Der Fürst verharrte noch immer in mürrischem Schweigen, während der Wagen durch die Strassen rollte. Plötzlich als er auf den Place de la Madeleine bog, fasste er die Hand seiner Schwester.
"Iwanowna," sagte er zärtlich, "ich habe mich in den Willen des Gesandten und in Deinen Wunsch gefügt, und ich schwöre Dir, willig abzureisen, ohne einen Versuch in Betreff des Ehrenhandels zu machen, den Dein Scharfsinn und Deine Liebe entdeckt und verhindert hat. Aber ich habe eine Bitte an Dich, von deren Erfüllung mein Leben abhängt."
"So habe Vertrauen zu mir; Du weisst, wie das meine nur in dem Deinen besteht."
Der Fürst zeigte seine Uhr.
"Es ist zehn Uhr," sagte er; "um elf geht der Zug. Wir haben noch eine volle Stunde Frist. Gieb sie mir – ich kann nicht scheiden von Paris, ohne eine andere Verpflichtung gelöst, ohne Jemand, wenn auch nur einen einzigen Augenblick, gesprochen zu haben, der mich zu dieser Stunde bereits erwartet."
"Iwan, Du hintergehst mich!"
"Bei dem grab unserer Mutter – nein! Aber ich schwöre Dir eben so, dass keine Macht der Welt mich lebendig aus Paris bringt, wenn Du mir diese Bitte verweigerst. Schwester – ich will – ich muss s i e noch ein Mal sehen!"
Die Fürstin schaute ihn an – ihr Herz gedachte der eigenen Liebe, die sie vielleicht auf Nimmerwiedersehen verlassen.
"Wann wirst Du am Bahnhof sein?"
"Eine Viertelstunde vor der Abfahrt. Bei der Unbefleckteit unseres Namens! ich vertraue Dir diese Papiere an, Du kennst ihre Wichtigkeit und was sie mich kosten. Und jetzt – jede Minute ist verloren. – Dank, Iwanowna, tausendfachen Dank. Du rettest mich vor Verzweiflung."
Er rief den Kutscher, der Wagen hielt, Iwan öffnete den Schlag.
Die Fürstin hielt ihn zurück.
"Noch einen Augenblick! Iwan, Du gehst n u r zu einer Dame?"
"Bei meiner Seligkeit! Meine Ehre ist Dir und dem Gesandten verpfändet."
Er verschwand im Gedränge an der Kreuzung der Strassen. ––––––––––––––––––––––––––––
Auf dem Nordbahnhof wogte das Leben und Treiben der Reisenden, der Commissionaire, Beamten und Packträger.
Die grosse Uhr am Hauptgebäude hatte drei Viertel auf elf geschlagen. Die Fürstin sass im Coupé mit Annuschka, Wassili stand am Schlage, alle drei schauten aufmerksam nach den Eingängen, mit jedem anrollenden Wagen den Fürsten erwartend.
Die Glocke läutete zum ersten Male. Es war zehn Minuten vor elf.
Das schöne Gesicht der Fürstin begann sich zu verfinstern, in der kleinen Falte zwischen den Brauen, im Strahl des Auges lag der Unwille, gepaart mit der ängstlichen Besorgniss.
Wassili und Annuschka bemühten sich, diese durch allerlei Vermutungen zu zerstreuen.
Wagen auf Wagen rollte heran – keiner brachte den Fürsten. Die Minuten schienen mit Windeseile zu entfliehen.
Es litt die Fürstin nicht länger im Waggon, – sie trat auf den Perron; die Uhr in ihrer Hand zitterte vor der inneren Aufregung.
drei Minuten vor elf!
Eine eisige Entschlossenheit, jener Zug unendlicher Willenskraft, der um den herrlichen Mund lag, verbreitete sich über das ganze Gesicht. Sie winkte Wassili heran und legte die Hand auf