1855_Goedsche_156_408.txt

Schlacht, der im Pulverdampf Gefahr und Tod kühn in's Auge schaut, der nach der Blutarbeit des Tages sich ruhig auf dem Schlachtfeld neben die Leichen von Freund und Feind lagert. Ich meine einen höhern Mut, der dem Schrecken des Todes in anderer furchtbarer Gestalt mit festem Herzen in's Angesicht blicken kann, – dem tod in seinem martervollsten Gewande."

"Ich verstehe Sie nicht!"

"Ich muss zu Ende kommen," sagte der Arzt, "es ist der einzige mögliche Weg der Rettung, den ich ersonnen. Sie müssen in die Hölle eines türkischen Typhus-Lazarets."

Der tapfere Soldat schauderte unwillkürlich.

"Der Vorschlag ist schrecklich und gefährlich, ich weiss es, aber es ist der einzige, den ich Ihnen machen kann undGott hält seine Hand über Jedem, im Krachen der Geschütze, wie im Pestatem des Krankenhauses. Was die menschliche Kunst tun kann, Sie gegen die Infection zu schützen, soll geschehen, das Meiste aber muss der Mut in Ihrer Brust tun, denn Sie müssen mindestens einen Tag und eine Nacht in dieser schrecklichen Umgebung zubringe, und verlässt Sie der Mut, so nützen alle Präservative der Medizin Nichts und die Krankheit erfasst Sie."

"Uber wie wird man glauben, dass ich krank bin?"

"Das werden Sie sogleich erfahren, wenn Sie Ihren Entschluss gefasst."

"Und glauben Sie, wenn ich mich der Gefahr unterwerfe, mich retten zu können?"

"So weit es in menschlicher Voraussicht steht, ja."

Der Gedanke an Helene überwand den so natürlichen Schauder.

"Ich bin entschlossen; sagen Sie mir, was ich zu tun habe."

Eine Schnur senkte sich durch die Oeffnung, ein Fläschchen und ein Päckchen hingen daran.

"In dieser Leinwand ist Wolle und dunkelrote Schminke Sie werden damit sich das Gesicht an einzelnen Stellen betupfen, namentlich Stirn und Schläfe, auch die Gelenke der hände. Dann trinken Sie den Inhalt des Fläschchens und fürchten Sie nicht die Folgen, wenn auch besondere abnorme Symptome eintreten werden."

"Doctor, – ehe ich Ihren Willen erfülle, versprechen Sie mir Eines bei Ihrer Ehre als Mann."

"Bei meiner Ehre!"

"Geschehe mit mir auch, was da wolle, Sie werden die Gräfin Laszlo von meiner Rettung oder meinem tod in Kenntniss setzen."

"So wahr mir Gott helfe in meiner letzten Stunde, wie Ihnen in dieser schweren, – es wird geschehen."

"Dank. Jetzt, Herr, – jetzt liegt mein Schicksal in Ihren Händen."

Er nahm die Wolle und Farbe und erfüllte das Geheiss des Arztes. Dann ergriff er das Flaschchen und während ihm aufgeregt das Herz schlug, betrachtete er den Inhalt durch das Licht.

"O vertraue ihm, Signor," flüsterte die stimme des schwarzen Knaben, "er ist der beste der Menschen!"

Der kapitän setzte das Flacon an die Lippen und trank es aus. Ein leichter Schauer rieselte durch seine Aderneinige Augenblicke wallte es wie Nebel vor seinen Augen und seine Sinne verwirrten sich.

"Mir wird so eigentümlich!"

"Es ist die wirkung der Medizin," sagte der Arzt, der sorgfältig die Gegenstände wieder in die Höhe zog. "Vertrauen, Herr, es ist das einzige, was Sie retten kann. Uebergeben Sie sich den Wirkungen des Laudanums unbesorgt, ich werde über Sie wachen."

Der Offizier, von plötzlicher hinreissender Mattigkeit befangen, war auf den Divan getaumelt, seine Glieder streckten, seine Augenlider schlossen sich.

"Leben Sie wohl!"

Nur unklar noch hörte er den Scheidegruss, seine Sinne versagten den Dienst. – – – – – – – – – – – – – ––––

Es war noch früh am Morgen, als Oberst Pisani bei der im Selamlik gefangenen Gräfin eintrat. Der Eunuch hatte sie nach dem Lärmen eingeschlossen und ihr auf keine ihrer fragen Antwort gegeben, die ohnehin nicht verstanden wurden. In tausend Aengsten und unter schweren Tränen hatte sie die Nacht hingebracht, – Marutza war nicht zurückgekehrt, – das Schiessen und der wilde Lärmen der Verfolgung hatten sie erschreckt und sie musste glauben, dass Beide in die hände der Türken gefallen, vielleicht ermordet seien.

Es war daher eine Erleichterung für ihr Herz, als sie die Schritte vor ihrer Tür hörte und den Grafen eintreten sah. Bleich und abgespannt, mit fragenden Blicken trat sie ihm entgegen; der Graf aber mit ernster schmerzlicher Miene fasste ihre Hand und führte sie schweigend zu dem Divan zurück.

"O, sprechen Sie, mein Freund, reden Sie, was ist geschehen?"

Der Oberst lächelte bitter.

"Sie nennen mich Ihren Freund, und im Augenblick, wo Gräfin Helene mir die Ehre erzeigt, sich meinem Schutz anzuvertrauen, hält sie einen zweiten für notwendig und knüpft eine Intrigue an mit meinem Gegner, mit dem Rivalen, der bestimmt scheint, mir überall in den Weg zu treten."

"Der UnglücklicheSie wissen Alles?"

"Ich weiss es, Gräfin, ich habe den Verkleideten erkannt, es ist der russische kapitän, mein Feind von Wien her."

"Allmächtiger Gottso ist er in den Händen der Türken?"

"Der russische Spion ist gestern Abend gefangen worden."

"Aber da Sie ihn kennen, wissen Sie, dass er allein meinetwegen in diese Gefahr sich gestürzt hat, dass Besorgniss um meine person ihn hierhergetrieben, dass er mich warnen