Verhaftung veranlasst hatte.
"Knabe – ich glaube, Du hast recht und ich bin ein Tor, dass ich mich täuschen liess. Zur Hölle mit dem Schurken! warum habe ich ihm nicht eine Kugel durch den Kopf geschossen, als er mir hier gegenüber stand, dann wäre sie wenigstens gerettet gewesen! Und gefangen, widerstandslos in seiner Hand und einem schimpflichen tod verfallen! Es ist entsetzlich!"
"Hoffe, Signor, und bete zu Deinem Gott, der bald auch der meine sein wird, denn täglich lehrt mein gütiger Gebieter mich ihn kennen. Auf den Knieen will ich ihn anflehen, dass er mir helfen soll, Dich zu erretten. Das Wie? weiss ich noch nicht, denn ich bin machtlos, aber Allah oder Gott wird mir helfen, Dich und Deine Liebe zu retten."
"Knabe, Dein Glauben beschämt mich!"
"Hast Du Etwas bei Dir, das Dir morgen schaden kann, so vertraue es mir an."
Der kapitän holte aus dem Leibbund eine dort verborgene Brieftafel.
"Ich gebe sie Dir, obschon Du mir unbekannt. Es sind wichtige Papiere darin, die Vieler Leben gefährden könnten, wenn sie in unrechte hände fielen. Noch wollte ich sie nicht vernichten. Bewahre sie wohl auf."
Es gelang ihm, indem Nursah eine Schnur durch die Oeffnung liess, sie daran zu binden.
"Bei dem grab meiner Eltern an den Quellen des Nil, schwöre ich, sie treu zu bewahren."
"Hier ist meine Waffe und noch ein Brief, so schwer es mir wird, mich jetzt von ihm zu trennen, – aber es muss sein, denn wenn die Schurken Hand an mich legen, würde er eine teure person compromittiren. – Hölle und Teufel!" fuhr er fast laut auf, indem er vergeblich nach dem Blatt der Gräfin in der tasche seines Mantels suchte, "er ist fort, – ich muss ihn verloren haben! Fahrlässiger Tor, der ich bin!"
"Ruhe – mässige Dich," bat der Knabe, "noch sind viele Männer im haus wach, denn eben erst ist die siebente Stunde (Mitternacht) vorüber, und ich muss fort jetzt meinen Herrn zu sprechen. Du wirst das Verlorene wohl beim Tageslicht wiederfinden. Lebe wohl, Signor, und vertraue auf den Gott Deiner Liebe."
Der kapitän hörte einen leisen Tritt über seinem Haupt, dann war Alles still und er wieder allein.
Er trank jetzt den Wein und nahm so gut es ging im Dunkeln einige Speise, denn er hatte seit dem Morgen Nichts genossen. Dann warf er sich auf den Divan, gegen die kalte Nachtluft in den rauhen Mantel gehüllt und entschlossen, wachend den Morgen zu erwarten, um keinen Ruf des schwarzen Schutzengels zu versäumen, an dem allein jetzt sein Hoffen hing. Denn das Leben war ihm wieder teuer, seine Zweifel wurden Gewissheit, und über der Nacht des Unheils und des Verrats, über dem Blutmeer der Schlachten und Gefahren strahlte gleich einem Stern wieder der Glauben an ihre Liebe. Goldene Träume von künftigem Glück umgaukelten ihn und unter ihren Schwingen umfing der heilende Schlaf die erschöpfte natur. – – –
Das erste Tagesgrauen dämmerte durch die Gitter des Fensters, als die stimme des Knaben ihn weckte.
"Wache auf, Signor, es gilt Dein Leben."
Der kapitän war mit jener, dem echten Soldaten eigenen Beherrschung der Sinne im Augenblick munter. Dennoch galt sein erster blick rund um im engen Gemach dem verlorenen Brief der Geliebten. Dann erst eilte er leise zu der Stelle, an der der Mohrenknabe ihn erwartete.
"Der Schlaf überwältigte mich," sagte er entschuldigend; "sprich rasch, bringst Du Gutes oder Schlimmes?"
Eine andere stimme als die des Knaben antwortete ihm, die tiefe, ruhige stimme eines Mannes, die er noch nie gehört.
"Verzeihen Sie, mein Herr," sprach dieselbe, "aber es ist nötig, dass ich sogleich für Nursah das Wort nehme, denn die Zeit drängt, und wir dürfen die Augenblicke, die uns vielleicht zu Ihrem Beistand noch gegönnt sind, nicht versäumen."
"Ich kenne Sie nicht, mein Herr!"
"Es ist dies auch nicht nötig," entgegnete der Andere, "ich bin ein ehrlicher Mann wie Sie und bereit, einem solchen gegen die Intrigue und die Bosheit beizustehen. Nursah, mein Diener, hat mich von Allem in Kenntniss gesetzt, und dass Sie nur in Angelegenheiten einer Dame sich törichter Weise in das türkische Lager gewagt haben. Dennoch fürchte ich, dass Ihnen der Tod gewiss ist, denn die Befehle des Muschirs sind streng und ich glaube, dass Graf Pisani, dessen Gefangener Sie bis jetzt sind, Sie sicher den Türken ausliefern und so sich von einem Nebenbuhler auf die leichteste Art befreien wird. Er muss seine besonderen Zwecke haben, dass er dies nicht sogleich getan, aber ich hörte, wie er gestern Iskender-Bei sagte, er spare ihm für heute Morgen eine besondere Ueberraschung auf."
"Ich kenne mein Schicksal und werde ihm als Soldat begegnen. Nehmen Sie meinen Dank, mein Herr, für Ihre freundliche Teilnahme, wenn sie mir auch nicht helfen kann."
Der Arzt – Nursah's Gebieter – schwieg einige Augenblicke, dann fragte er leise:
"Haben Sie Mut?"
"Sie sprechen zu einem Soldaten, mein Herr."
"Missverstehen Sie mich nicht. Ich meine nicht den Mut der